Jon Jost

Jon Jost – Die Retrospektive

Von Florian Krautkrämer
Mit der Retrospektive widmen wir uns für einen längeren Zeitraum dem Werk einer Filmemacherin oder eines Filmemachers. Im Fokus stehen hier natürlich Regisseurinnen und Regisseure, die weniger bekannt sind und deren Filmen wir hiermit eine größere Plattform bieten wollen. Den Anfang macht Jon Jost. Und alle Filme, die wir besprechen, wurden auch für die Bibliothek der HBK angeschafft und warten darauf, ausgeliehen zu werden. Weiterlesen

The Bed You Sleep In

Von Philipp Fust
Die erste Einstellung in Jon Josts The Bed You Sleep In (1993) zeigt eine Baumreihe. In welchen topographischen Kontext die Bäume eingeordnet sind, ist auf den ersten Blick nicht zu erkennen; Jost präsentiert ein scheinbar unberührtes Stück Natur. In der folgenden Sequenz jedoch erkennt man einen qualmenden Schornstein, der über die Baumwipfel ragt. Dadurch wird der erste Eindruck rasch relativiert. Szene für Szene werden die Bäume von Technik überschattet. Im Vordergrund sind Transportfahrzeuge zu sehen, die Holz zu einem Sägewerk bringen. Im Hintergrund erblickt man noch Teile eines Waldes, der zu verschwinden droht. Weiterlesen

All the Vermeers in New York

Von Laura Sophie Culik
Jon Jost hat diesen Film im Jahr 1990 gedreht, daher auch die dem aktuellen Modestil enstsprechende Ästhetik. Alles sieht weicher aus als heutzutage gedrehte Filme, und die Kleidung der Filmcharaktere, fotografiert mit eben dieser Art von Weichheit und spätsommerlich wirkendem goldenem Licht findet man dieser Tage in zahlreichen Blogs und Zeitschriften sowie bei American Apparell und Urban Outfitters - nur nicht ganz so schön, weil nachgemacht. Also: Leggings, weite Oberteile, lange Blazer mit betonten Schultern, fransige Ponyfrisuren, Bundfalten, Schnürstiefel, lange Röcke, geflochtene Zöpfe, kräftige Augenbrauen, dunkelrote Lippen. Weiterlesen

Over Here

Von Jennifer Ament
"Over Here" beginnt mit einer Verwirrung, die erst im späteren Verlauf des Films Sinn ergeben wird. Ganz zu Anfang ist weiß auf schwarz "Over There" zu lesen, als sei es der Titel des Films. Die erste Szene zeigt einen Mann in Nahaufnahme. Man sieht nur sein Gesicht und es ist nicht wirklich viel von ihm zu erkennen. Das Bild rauscht, die Bewegungen scheinen leicht verzögert. Unterlegt ist das Ganze mit ziemlich unangenehmen Klängen, die zunächst wie ein Störfaktor erscheinen, dann aber gemeinsam mit den rauschenden Elementen des Bildes einen speziellen Rhythmus bilden. Weiterlesen

Rembrandt Laughing

Von Florian Krautkrämer
Viel ist in diesem früheren Jost-Film angelegt, über das auch schon in den anderen Retrospektive-Kritiken geschrieben wurde: die Besonderheit zwischenmenschlicher Kommunikation, eine Geschichte, die man aktiv suchen muss und die sich dann doch kaum erschließt, ein gesteigertes Interesse für das Festhalten des Zeitgenössischen (Landschaft, Stadt, Mode) und der besondere Blick auf die Dinge – Einstellungen, die den Fluss des Films immer wieder anzuhalten scheinen. Gleichzeitig wirkt „Remrandt Laughing“ noch roher als viele seiner anderen Filme, er erinnert vielleicht am Ehesten an die frühen Filme von Jarmusch, auch wenn Jost hier sicherlich noch experimenteller ist. Weiterlesen

Speaking Directly – Ein Film über Kommunikation

Von Philipp Fust
Speaking Directly, den Jost 1973 drehte und der seinen ersten Langfilm darstellt, ist in seiner Aussage und experimentellen Machart, die einen unweigerlich an Godards Arbeiten erinnert, zum einen Träger Josts politischer Einstellung, zum anderen ein Weg, einen Appell an die amerikanische Bevölkerung heranzutragen. Er legt seinen Fokus in erster Linie auf gesellschafts- und sozialpolitisch aktuelle Probleme, die seiner Meinung nach nicht klar und eindeutig aus- und angesprochen, sondern wenn überhaupt umschrieben oder auch totgeschwiegen werden. Weiterlesen

But yes, the end is always death, no?

Von Florian Reupke
Jon Josts “Oui Non” (2002) ist weit mehr als eine einfache Liebesgeschichte, es ist eine Konfrontation mit der Falschheit eben solcher Fiktionen; eine Kritik an fiktionalen Erzählungen, die sich Nahe dem Geiste der späteren Periode von Jean-Luc Godards Essayfilmen bewegt. Es ist eine Reflexion über die Stadt und das Kino mit Hilfe konventioneller Bilder der Gegenwart als idealisierte Beschwörung der Vergangenheit. Darüber hinaus ist der Film vor allem eine "Liebeserklärung" an Paris und die dortige Kultur (unter anderem werden Bezüge zu Degas, Lautrec, Monet und Manet hergestellt). Weiterlesen

FRAMEUP

Von Jennifer Ament
Zurückgelassene Schicksale, hoffnungslose Charaktere, Kriminalität, Sex, Landschaften - all das sind Dinge, mit denen sich "Frameup" auseinandersetzt. Mit letzteren beginnt Jost sein visuell hypnotisches und manchmal merkwürdig komisches Portrait. Die Anfangssequenzen bestehen aus langen Einstellungen amerikanischer Landschaften (Highways, Kleinstädte usw.) in Totalen. Dazwischen wird leinwandfüllend immer wieder Schrift eingeblendet, ihr plötzliches Erscheinen ist von Schussgeräuschen begleitet. Diese großen, farbigen Buchstaben, die teilweise auch den Vorspann bilden, stehen in Kontrast zu den blassen, entsättigten Bildern Amerikas. Weiterlesen

Last Chants for a Slow Dance

Von Philipp Fust
Last Chants for a Slow Dance offenbart sich als ein Roadmovie mit Zwischenstationen, die der zum Scheitern verurteilten Alltagsflucht von Hauptperson Tom Bates als bestätigendes Element seiner Resignation dienen. Zu Beginn des Films sitzt er am Steuer seines Autos - neben ihm ein Anhalter, den er später auf die Straße setzt, weil er seinen Ansichten widerspricht - und wirkt für kurze Zeit wie ein Steve McQueen in seinen besten Jahren, durch seine Hasspredigt auf alles und jeden gar cool und abgebrüht, jedoch nur bis zu dem Zeitpunkt, an dem sich eine tiefe Verzweiflung zu seiner Frustration gesellt. Weiterlesen