Rembrandt Laughing

Viel ist in diesem früheren Jost-Film angelegt, über das auch schon in den anderen Retrospektive-Kritiken geschrieben wurde: die Besonderheit zwischenmenschlicher Kommunikation, eine Geschichte, die man aktiv suchen muss und die sich dann doch kaum erschließt, ein gesteigertes Interesse für das Festhalten des Zeitgenössischen (Landschaft, Stadt, Mode) und der besondere Blick auf die Dinge – Einstellungen, die den Fluss des Films immer wieder anzuhalten scheinen. Gleichzeitig wirkt „Remrandt Laughing“ noch roher als viele seiner anderen Filme, er erinnert vielleicht am Ehesten an die frühen Filme von Jarmusch, auch wenn Jost hier sicherlich noch experimenteller ist.

Der Film wurde innerhalb eines Monats von Jost und seinen Darstellern improvisiert. „Rembrandt Laughing“ ist dabei so etwas wie ein Dokumentarfilm über die Zeit und das Gefühl von San Francisco – kein Film über die Stadt, der diese als Ort vorstellt, der hauptsächlich durch Gebäude, Menschenansammlungen und Ereignisse repräsentiert wird – sondern ein Ort der auf eine gewisse, sehr individuelle Weise belebt wird. Und dieses „Beleben“ steht im Fokus des Films. Damit trägt diese Art des Städteportraits einige Parallelen zu Jost Art des Filmens in sich. Jost konzentriert sich stärker auf die einzelnen Momente. Macht sonst die Narration sowie ihre Konstruktion den Reiz eines Filmes aus und ist das, was letztendlich bleibt (inklusive der Erinnerungsbilder, die sich häufig auf die entscheidenden Stellen des Films beschränken), so gibt es diese Schlüsselbilder bei „Rembrandt Laughing“ nicht – ich wage zu behaupten, dass jede Zuschauerin und jeder Zuschauer wahrscheinlich ganz unterschiedliche Bilder des Films in der Erinnerung zurückbehalten wird, weil durch die Narration keine Gewichtung gesetzt wird, und man somit viel freier mit den Bildern und Szenen umgehen kann und muss.

Natürlich gibt es auch hier einen roten Faden, an dem sich der Film entlang hangelt, („Entlanghangeln“ im Unterschied zu „Zusammenhalten“!). Das ist die immer wieder aufgenommene Geschichte des Protagonisten, einem Wissenschaftler und Musiker (oder Museumspädagogen und Musikinteressierten?) und seiner Exfreundin, eine Architektin. Die beiden sind noch gut befreundet, aber er liebt sie noch immer: der Film beginnt mit einer Szene, in der er ihr ein Geschenk überreicht – zum Jahrestag ihres Beziehungsendes (fünf Jahre). Und es gibt auch eine kleine Gangstergeschichte (die in ihrer Plötzlichkeit und Bedeutungslosigkeit an Godard erinnert), aber zerfranst und aufgelöst wird das ganze durch die langen Gespräche. Dazu kommen immer wieder Großaufnahmen, die das Ganze eine meditative Ebene weiter treiben. Großaufnahmen von bunten Steinen, gesammeltem Sand oder Fernsehrauschen. Großaufnahmen, die teilweise in Beziehung stehen mit den Szenen, aber trotzdem so etwas wie ein künstlerisches Surplus darstellen, eine Auszeit, damit nicht zu viel erzählt wird. Gleich die erste Einstellung des Films ist solch eine verrätzelte Aufnahme: minutenlang wird beim Fahrradfahren von oben auf die tretenden Füße gefilmt. Kein Anfang, kein Ende, aber eine ungewöhnliche Perspektive (ungewöhnlich für einen Film – selbst sieht man das fast jedes Mal wenn man aufs Rad steigt).

Das Motto des Films stammt von Kirkegaard: Das Leben kann nur rückwärts verstanden werden – es muss aber vorwärts gelebt werden. Jon Jost hat das Kunststück vollbracht, einen Film zu drehen, der sich auch in der nachträglichen Analyse kaum vollständig erschließen lässt – der aber fasziniert und zum mehrmaligen Erfahren reizt.

1989 | 16mm | Color | Sound | 100 minutes
Producer, writer, director, editor cinematographer : Jon Jost
Music: Jon A. English
With: Jon A English, Barbara Hammes, Jennifer Johanson, Ed Green, Nathaniel Dorsky, Janet McKinley, Roger Ruffin, John Powers, Kate Dezina, Jerry Barrish, John Bassett, Peter Machel
Shown at Berlin, Toronto 1989
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