Einleitung zum Schwerpunkt “Tod im Kino”

Nahezu seit Beginn der Filmgeschichte hat der Film mit Vorliebe das Sterben inszeniert. Und bis heute, so scheint es, ist der Tod eines der beliebtesten Narrative im Kino geblieben – vielleicht, weil er auch für das eigene Leben den einschneidendsten Wendepunkt darstellt und der Spielfilm ganz besonders zur Identifikation einlädt. Es dauerte auch gar nicht lange, da reichte es nicht mehr, nur gestorben zu sein, und die Untoten wanderten über die Leinwand – teilweise ohne, dass sie es selbst merkten (in Carnival of Souls, neuerdings wieder ein Thema in Filmen wie The Sixth Sense oder The Others) oder auch zugaben (wie der tote Erzähler in Billy Wilders Sunset Boulevard).

Im Experimentalfilm wurden Tod und Vergänglichkeit auch über das Material thematisiert: Kratzer, Risse und sich ablösende Emulsion kündeten immer auch von einer Sterblichkeit des Films selbst. Und Stan Brakhage wollte in The Act of Seeing with One’s Own Eyes ganz genau hinsehen und filmte eine halbe Stunde lang die Autopsie an verschiedenen Leichen.

Die Faszination des Todes ist im Kino bis heute ungebrochen: in allen erdenklichen Variationen befördert das Actionkino seine Protagonisten ins Jenseits: zweigeteilt, gesiedet, aufgespießt und von Kältewellen schockgefrostet. Dass dabei der Tod, wie zuletzt bei einer Vorstellung des dritten Batman-Teils, ganz konkret in Form eines Amoklaufes in den Kinosaal Einzug hält, ist eine tragische, wenn auch glücklicherweise seltene Parallele. Sehr viel konkreter ist da schon der Tod des Kinos, der seit einigen Jahren nun schon kontinuierlich beschworen wird (Anne Friedberg, Francesco Casetti) und dessen Bekämpfung in 3D und Events gesucht wird. Sehr viel prominenter (und auch problematischer) wird inzwischen auch gar nicht mehr im Film sondern im Computerspiel gestorben.

Welche Tode in und mit den Medien gestorben werden, bzw. die Medien selbst erleiden, soll Thema unseres Schwerpunktes sein, den wir aus gutem Grund in den Sommer legen wollen.

Der Schwerpunkt wird herausgegeben von von Florian Krautkrämer und Philipp Fust.