Einleitung zum Schwerpunkt “Comic”

It’s a Bird…It’s a Plane…It’s Superman!“ – Alle Welt kennt ihn, alle Welt liebt ihn. Clark Kent ist ein gewöhnlicher Journalist, der im Fall der Fälle seine Tarnidentität ablegt, um als Superman mit übernatürlichen Kräften die Welt zu retten. Im Kampf gegen das Böse versucht er wie beispielsweise auch Iron Man, Thor und Spiderman die Zerstörung abzuwenden.
All diesen Filmen liegt ein Comic zugrunde. Eigentlich auf dem Papier zuhause, begegnen uns die Charaktere und die Geschichten immer öfter auch im Kino. Comicadaptionen sind in den letzten Jahren beliebter denn je und der Boom scheint kein Ende zu nehmen. So wurden erst im Jahr 2013 beinahe ein Dutzend Superhelden-Verfilmungen veröffentlicht. Am konkreten Beispiel bedeutet das, dass Batman 2015 bereits zum elften Mal als Realverfilmung in Spielfilmlänge die Leinwände erobert.

Doch wodurch entsteht der Reiz dieser Filme? Dieser könnte auf den oftmals geradezu kindgerecht simpel anmutenden Geschichten beruhen, die einen starken Fokus auf einen zentralen Konflikt zwischen Helden und Schurken legen und somit viel Potential für eine emotionale Einbindung der Zuschauer bieten. Jedoch existieren einige der Charaktere schon über 70 Jahre und haben in der Vergangenheit einen deutlichen Wandel durchgemacht. Während in frühen Werken eher didaktische Aspekte wie die Vermittlung von konventionellen Moralvorstellungen im Vordergrund standen, sind viele Comicfiguren heutzutage deutlich ambivalenter gezeichnet. Anstatt sich auf eine plakative Darstellung von absolut guten und bösen Charakteren zu beschränken, gibt es immer häufiger auch Figuren, die moralisch fragwürdige Entscheidungen treffen, diese jedoch durch ein höheres Ziel legitimiert sehen. Der gebrochene, menschliche und verletzbare Held wird in Comicverfilmungen immer präsenter. Besonders in Christopher Nolans Batman-Trilogie sowie in Iron Man wird dieser Trend deutlich.

Auch weitere Themen, die sich nicht so einfach auf einen basalen Konflikt zwischen Gut und Böse herunterbrechen lassen, spielen in einigen Comics eine tragende Rolle. So ist der zentrale Konflikt in X-Men im Wesentlichen die Xenophobie der „normalen“ Menschen den „Mutanten“ gegenüber. In Iron Man 3 wird die mediale Konstruktion des Terrorismus reflektiert und in V for Vendetta soll ein totalitärer Überwachungsstaat gestürzt werden. Das Medium Comic/Graphic Novel beschränkt sich zudem nicht nur auf Superhelden-Geschichten. Teilweise sind die Protagonisten eigentlich ganz normale Menschen, die jedoch in mehr oder weniger fantastische Settings verfrachtet werden. Dies ist beispielsweise in Kirkmans The Walking Dead der Fall, wo sich aufgrund der plötzlich eintretenden Zombieapokalypse zwischen den menschlichen Überlebenden moralische Abgründe auftun.

Als Adaption wechseln die Charaktere nun das Medium. Die Transformation vom Comic-Print zum Blockbuster bewirkt eine Wiederbelebung des Altbekannten, geht aber notwendigerweise auch mit Veränderungen im Sinne einer zeitgenössischen Anpassung einher. Der Kern der Erzählung bleibt dennoch beständig. Damit wird ein Genre eröffnet, das nicht mehr nur ‚Nerds’, sondern auch ein Mainstream-Publikum anspricht. Im Zeitalter der technischen Reproduktion zeigt sich daran wieder einmal, dass das Medium Film es schafft, die breite Masse zu erreichen. Dieses Interesse potenziert sich nicht alleine durch den Medienwechsel, sondern wird auch durch die Sehnsucht nach der Sicherung des Friedens beziehungsweise dem Wunsch nach etwas Größerem, das der Tristesse des Alltags entgegenwirkt, hervorgerufen. Neben den zum Teil übernatürlichen Fähigkeiten der Protagonisten trägt besonders die spezifische Comic-Ästhetik zum Grad der Entfremdung bei. Kontrastreiche Farben und starke Konturen schaffen eine Welt, in der alles möglich ist. Eine Welt, die bei der Umsetzung für die Kinoleinwand ebenso Potenziale wie Risiken bergen kann.

Im Rahmen unseres Schwerpunkts „Comic“ beschäftigen sich ausgesuchte Autoren mit unterschiedlichen Aspekten der Übersetzung eines Comics bzw. einer Graphic Novel auf die Kinoleinwand.

Der Schwerpunkt wurde bearbeitet von Arne Schrader, Maria Freystein, Kira Wulfers, Claudia Bornhöft, Arne Fischer, Carina Radke, Miriam Eck und Michael Rademacher, betreut und herausgegeben von Philipp Fust.