Einleitung zum Schwerpunkt “Biografie”

„I love movies – it’s my whole life and that’s it.“
So kurz und knapp fasste einst Martin Scorsese seinen Lebensinhalt zusammen und brachte mit nur einem Satz all das auf den Punkt, worauf sich sein Leben konzentriert: Film. Für manch ein Leben reicht ein einziges Schlagwort, um es treffend – wenn auch nicht einmal annähernd in all seinen Facetten – zu erfassen. Einem anderen Leben, oder Teilen davon, wird gerne einmal gleich ein ganzer Spielfilm gewidmet.

Filmbiografien zeigen immer nur Ausschnitte aus einem Leben, welches aus noch viel mehr bestand, als dem, was der Zuschauer nachinszeniert zu sehen bekommt. Doch trotz des Bewusstseins über die Künstlichkeit des Filmes und die Tatsache, dass sich der biografische Film immer nur – wenn überhaupt – an das annähern kann, was wirklich geschehen ist, besteht bis heute ein breites Interesse an Biopics. Das „Reale“, das „Echte“, das „Beweisbare“, es scheint einen ganz besonderen Reiz auf den Zuschauer auszuüben. Es sind Geschichten, die nicht allein der Fantasie eines Autors entsprungen sind, sondern solche, die das Leben so oder möglichst ähnlich geschrieben haben soll.

Das andauernde Interesse an Filmen, welche auf wahren Begebenheiten und außergewöhnlichen Lebensgeschichten beruhen, scheint nicht zuletzt der große Erfolg des Oscar prämierten Biopics 12 Years a Slave (2013) von Steve McQueen zu bestätigen. Ein weiteres großes Biopic der letzten Zeit ist Dallas Buyers Club (2013), welcher mit drei Oscars ausgezeichnet wurde. Doch auch in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten erschien eine Vielzahl von erfolgreichen Filmbiografien, unter ihnen auffällig viele Hollywood-Produktionen. Man denke zum Beispiel an Raging Bull (1980), um noch einmal auf Scorsese zu sprechen zu kommen, oder an Ghandi (1983), Schindlers Liste (1994), Erin Brokovich (2000), Walk the Line (2005), aber auch an deutsche Produktionen wie Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo (1981) und viele weitere. Jeder kennt Filme, in denen „echte Informationen über echte Personen“ verarbeitet wurden.

Eine Biografie ist die Lebensgeschichte einer realen Person. 2009 war erstmals der Begriff „Biopic, das“ im Duden zu finden. Die aus dem Englischen übernommene Bezeichnung beschreibt die Verfilmung des Lebens einer Person, die tatsächlich lebt oder gelebt hat. Biografische Verfilmungen sind ein fester Bestandteil der Filmlandschaft. Das diesjährige Filmfestival in Cannes wurde beispielsweise mit dem Biopic Grace of Monaco (2014) mit Nicole Kidman in der Hauptrolle eröffnet. Grund genug, sich dem Thema Biografie im Film noch einmal genauer zuzuwenden. Dieser Schwerpunkt möchte sich daher Filmen widmen, welche Lebensgeschichten zum Thema haben und durch die Sichtweisen verschiedener Autoren dazu beitragen, dass die Filmbiografie in ihrer Vielfalt reflektiert wird.

Beiträge zum Schwerpunkt können bis Ende August an n.wilke@hbk-bs.de gesendet werden, die Mindestzahl an Zeichen beträgt 4.000.

Der Schwerpunkt wurde bearbeitet von Aline Köhler, Christina Degener, Gesa Hattenhorst, Jennifer Grayek, Jens Wrobel, Laura Culik und Natalie Wilke, betreut und herausgegeben von Philipp Fust.