Einleitung zum Schwerpunkt “Arbeit”

Filme, die das Thema Arbeit behandeln, sind imstande, überdauernde Figuren des Widerstands hervorzubringen. Man erinnere sich nur an Marlon Brando in seiner berühtem Rolle als Hafenarbeiter Terry Malloy. In Elia Kazans Drama On the Waterfront (USA 1954) lehnt er sich unter großen Opfern gegen eine korrupte Dockarbeiter-Gewerkschaft auf – mit Erfolg. Unvergessen bleiben dürfte auch Charles Chaplin in seiner Rolle als der Tramp. In dem Klassiker Modern Times (Charles Chaplin, USA 1936) weigert er sich nach einem arbeitsbedingten Nervenzusammenbruch die schlechten Bedingungen der industriealisierten und automatisierten Arbeit weiter hinzunehmen. Zuvor blockiert er in einer berühmten Szene mit seinem Körper das Getriebe einer Maschine und sabotiert so die Arbeitsabläufe am Fließband.

Filme wie diese verlangen nach einer Auseinandersetzung mit der Art des Erzählens, die eng verbunden ist mit den aktuellen Phänomenen der Arbeitswelt. So ist seit geraumer Zeit in den Informationsmedien besonders häufig von Austauschbarkeit und Unsicherheit bezüglich der Dauer von Beschäftigungsverhältnissen die Rede. Nicht zufällig sind diese Probleme besonders beliebte Aufhänger gegenwärtiger Science-Fiction-Filme. In Cloud Atlas (Tom Tykwer/Andrew Wachowski/Lana Wachowski, D/USA/Singapur/Hongkong 2012) etwa zieht Fehlverhalten einen Bolzenschuss in das Genick eines unendlich austauschbaren menschlichen Klons nach sich. Und im ersten Drittel von Elysium (Neill Blomkamp, USA/Kanada/Mexiko 2013) ist der spätere Held nach einem erzwungenen Ja zum Chef einer tödlichen Strahlendosis in einer Mikrowellenkammer ausgesetzt. Über sein anfängliches Zögern wird nicht lange diskutiert: „Either you go in there right now, or I find someone who will“. Über alldem im Weltraum kreist die Raumstation Eylsium, Herberge der Superreichen und gigantomanisches Super-Panoptikum. Diese ähnelt interessanterweise der Himmelsstadt Solaris aus Squaresofts PlayStation-Rollenspiel Xenogears (Tetsuya Takahashi, JP 1998). Die “third class citizens”, die dort die harten Tätigkeiten ausüben, werden funktional-schlicht als “Worker Bees” bezeichnet. Diese wohnen und schlafen in wabenähnlichen Gebilden, die einzig und allein der maßgeregelten Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit dienen.

Jenseits episch-krassierter Erzählungen widmen sich besonders Dokumentarfilme der Arbeit. Ob in Carmen Losmann Work Hard – Play Hard oder Konstantin Faigles Frohes Schaffen – Ein Film zur Senkung der Arbeitsmoral: Das Bild der im Fokus stehenden Arbeitsrealitäten ist oftmals ein düsteres. Dabei geht es – und das gilt für nahezu sämtliche Produktionen zu dem Thema – nicht um die Dämonisierung der Arbeit an sich. Fast immer steht die Art und Weise der Ausführung, Regulation und Gestaltung sowie deren Folgen im Mittelpunkt. Damit verknüpft sind nicht selten Forderungen nach einem Um- und Neudenken der Arbeit an sich. Die hierbei gezogenen Kreise erstrecken sich weit, denn Arbeit, in welcher Form auch immer, betrifft einen jeden von uns – auf welche Art auch immer.

Beiträge zum Schwerpunkt können bis Anfang Februar an p.fust@hbk-bs.de gesendet werden, die Mindestzahl an Zeichen beträgt 4.000.

Der Schwerpunkt wird herausgegeben von Philipp Fust.