But yes, the end is always death, no?

Von Florian Reupke

Jon Josts “Oui Non” (2002) ist weit mehr als eine einfache Liebesgeschichte, es ist eine Konfrontation mit der Falschheit eben solcher Fiktionen; eine Kritik an fiktionalen Erzählungen, die sich Nahe dem Geiste der späteren Periode von Jean-Luc Godards Essayfilmen bewegt. Es ist eine Reflexion über die Stadt und das Kino mit Hilfe konventioneller Bilder der Gegenwart als idealisierte Beschwörung der Vergangenheit. Darüber hinaus ist der Film vor allem eine “Liebeserklärung” an Paris und die dortige Kultur (unter anderem werden Bezüge zu Degas, Lautrec, Monet und Manet hergestellt).

Der Film eröffnet bezeichnender Weise mit einer Montage aus schwarz-weiß Fotografien aus dem frühen zwanzigsten Jahrhundert. Sie zeigen Paris als einen Ort, einen Zustand des Seins; untermalt mit nachdenklicher Klaviermusik scheinen die Aufnahmen die Zeit Eugène Atgets heraufbeschwören zu wollen.
Die schwarz-weiß Aufnahmen verschwinden, gedämpfte Farben verbreiten sich und die Ruhe wandelt sich in Bewegung – hektische Menschen und Straßenlärm ersetzen die scheinbare Regungslosigkeit der eröffnenden Filmsequenz. Jost bedient sich hier verschiedener Stilmittel (unter anderem freeze frame und upside-down Reflexion), die eine erstaunliche Wirkung erzeugen; die Realität ist ein Traum und umgekehrt – so scheint es in einem ersten Moment. Begleitet werden diese Aufnahmen von einer Voice Over Stimme, die darauf verweist, dass nicht immer alles einfach endet:
4 million souls within each, a story of their own… no in fact, in each not only one story but a myriad of stories each of which begins and ends and begins again and ends anew… again and again and again and again.

Hélène (Hélène Fillières) verkörpert in diesem Werk eine junge Schauspielerin, mit einer besonderen Einstellung zum Leben:
I think of life like a film… adream, a man, a love, happiness… a story with a happy ending like the cinema. A happy story with a happy ending.
An einer Telefonzelle in Paris trifft sie auf Jérome (James Thiérrée), einen Zirkusartisten. Es scheint als würde sich eine klassische Liebesgeschichte entwickeln, gemäß den Konventionen des (Kino) Films. Zwar werden auch Beide mit Hilfe einer Split-Screen Einstellung in einem Café gezeigt, es wird jedoch deutlich, dass Dialoge und Mimik nicht übereinstimmen, was den Anschein erweckt, dass die beiden noch nicht miteinander reden, sondern sich jeweils im Gespräch mit einer anderen Person befinden.

Neben den nun häufiger folgenden Einstellungen von Hélène und Jérome blendet Jost immer wieder Szenen aus dem Pariser Alltag (Voice Over: a city of dreams, illusions, hopes, delusion) ein. Unter anderem werden mehrmals im Film Frauen und Männer gezeigt (mal in der Metro, mal als Passanten, mal als Gast in einem Restaurant) und mit einem Voice Over Kommentar versehen;
why not the story of this woman? Why not the story of this man? Because it´s cinema.

Die Beziehung der Hauptcharaktere erfährt im weiteren Verlauf eine normalerweise Vorhersehbare, in diesem Fall aber überraschende Wende: Sie sitzen Hand in Hand in einem Park, ohne das es vorher die klassische narrative Chronologie gegeben hätte. Das Besondere ist aber vielmehr, dass sich dies alles in den letzten acht Minuten des Films abspielt. Doch all das vermeintliche Glück wird obsolet, nachdem Jérome einem tödlichen Sturz zum Opfer fällt: and as in a fable, he danced for joy… Hélène beginnt zu weinen und es erscheint ein abschließender Schriftzug, der dem Zuschauer alle Illusionen nimmt: But yes, the end is always death, no?

„Oui Non“ stellt somit eines unmissverständlich klar; das Leben ist ein ungeordnetes Durcheinander, bei dem es nur eine Gewissheit gibt – es wird mit dem Tode enden….