Zwischen Welten

ZWISCHEN WELTEN-11

Das Drama Zwischen Welten von Feo Aladag, die sowohl Regie als auch das Drehbuch und die Produktion selbst in die Hand genommen hat, beschäftigt sich mit dem Einsatz von deutschen Soldaten im Afghanistankrieg. Kriegsfilme außerhalb der Nationalsozialismus-Thematik gab es bisher eher nur aus amerikanischer Sicht. Dabei ist die Beteiligung Deutschlands durchaus einen Betracht wert: Derzeit sind immerhin laut Quellen von Spiegelonline noch mehr als 3000 deutsche Soldaten im Einsatz in Afghanistan. Seit 12 Jahren ist Deutschland dort bereits schon im Kampfeinsatz und bisher gab es 55 Todesfälle. Der Film Zwischen Welten, der auch im Rahmen des Wettbewerbs der Berlinale 2014 lief, zeigt genau das, was der Titel schon verspicht: Die Soldaten finden sich in einer völlig ungewohnten, fremdenfeindlichen Umgebung wieder. Mit den Landesbewohnern gibt es immer wieder Verständigungsschwierigkeiten und die Präsenz der Soldaten wird nicht nur positiv bewertet. Im Gegenteil werden sie gar nicht als Helfer sondern als bewaffnete Eindringlinge wahrgenommen. Bundeswehrsoldat Jesper (Ronald Zehrfeld) bekommt den Befehl, mit seiner Truppe ein kleines Dorf vor einem möglichen Angriff der Taliban zu schützen. Obwohl beide Parteien eigentlich dieselben Feinde haben, kommt es immer wieder zu Spannungen und Kulturkonflikten. Beispielsweise wenn es um Recht und Ordnung geht, aber auch um den Sinn ihres Einsatzes. Jesper will das Leben seiner Leute nicht aufs Spiel setzen, aber die Afghanen kämpfen dort jeden Tag ums Überleben und haben daher eine ganz andere Vorstellung von einem Kampfeinsatz. 20142518_3Leider bleibt der Konflikt doch zu sehr an der Oberfläche und kann daher die Problematik nicht wirkungsvoll an den Zuschauer bringen. Dafür glänzt Zwischen Welten durch eine gute Kameraführung von Judith Kaufmann. Durch Bildwechsel zwischen weitem Ödland und verschwitzen, ernsten Gesichtern wird die Verlorenheit der Truppe wirkungsvoll verdeutlicht. Was können sie eigentlich bewirken? Hier will uns keiner haben. Ist es nicht ein aussichtsloser Kampf, an dessen Ende immer nur der Tod wartet? In den Augen der Soldaten meint man genau diese Fragen zu erkennen. Erwarten sollte man keinen Actionfilm, wo andauernd visuell aufregende Kämpfe stattfinden, der Film zeigt eher das unerträgliche endlose Warten. Als Motivation nur der scheinbar aussichtslose Versuch, das Überleben einiger weniger Hoffnungsträger auf ein terrorfreies Afghanistan zu sichern. An ihnen nagen die Gefahren eines kriegszerrütteten Landes und noch viel mehr die Angst vor falschen Entscheidungen. Auf der einen Seite zeigt der Film die Perspektive der überforderten Soldaten. Auf der anderen Seite steht der Blickwinkel zweier Opfer des strengen Taliban-Terrorregimes. Der afghanischen Dolmetscher Tarik (Mohamad Mohsen) hilft der deutschen Truppe bei ihren Verständigungsschwierigkeiten und bittet dafür um Schutz für seine Schwester Nala (Saida Barmaki). Denn jede Zusammenarbeit mit dem Ausland kann harte Strafen zur Folge haben. Am liebsten würden die dem westlichen Lebensstil zugeneigten Jugendlichen nach Europa flüchten.b640x600 Hier zeigt der Film auch, dass er sich nicht als radikaler Antikriegsfilm versteht. Müssen die jungen gebildeten und gemäßigt religiösen Afghanen (die ausnahmslos Guten) nicht unterstützt werden gegen die bösen mordenden Taliban (die ausnahmslos Bösen)? Die Richtigkeit des Einsatzes wird zwar ambivalent dargestellt, dagegen gibt der Film aber nur vor, nicht nur eine eigeschränkte Perspektive zu zeigen. Es fehlt dem Film an Hintergrundinformationen, um dies dann konsequent zu verwirklichen. Feo Aladag schafft es am Ende leider auch nicht, den Zuschauer von ihren Charakteren zu überzeigen, aber sie holt ein wichtiges Thema wieder aus Verdrängung. Denn wir sollten nicht vergessen, dass Deutschland immer noch am Afghanistankrieg beteiligt ist, unabhängig davon wie wir dies auch bewerten mögen.

Deutschland 2014
Kinostart: 27. März 2014
Regie, Drehbuch und Produktion: Feo Aladag
Produktion: Independent Artists Filmproduktion
Verleih: Majestic-Filmverleih
Kamera: Judith Kaufmann
Besetzung: Ronald Zehrfeld, Mohsin Ahmady, Felix Kramer, Saida Barmaki
Genre: Drama

 

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