Youth

Eine deutsch-französisch-israelische Produktion. Aktuelle gesellschaftliche und politische Themen bilden den Nährboden für die Story und die Inszenierung des Films. Ein junger israelischer Regisseur, der mit der Thematik des Films auch persönlich verbunden ist. Zwei markante Gesichter, die den beiden Hauptdarstellern gehören. Das klingt schon mal vielversprechend und doch findet man sich im Kinosaal wieder, permanent die Uhrzeit prüfend. Schade.

Eitan_And_David_Cunio_in_the_movie_Youth_By_Tom_Shoval

Youth galt als echter Geheimtipp der Berlinale 2013, wurde von einer deutschen Produktionsfirma co-produziert und kann bereits einige Auszeichnungen verbuchen. Kommentare zu Youth loben die interessante Perspektive, die auf Israels Jugend geworfen wird. Endlich sehe man ein Israel abseits der Berichte über den Nahostkonflikt, aber reicht das aus, um als herausragender Film zu gelten? Wohl kaum.

Tatsächlich beinhaltet die Narration aber interessante Elemente. Hauptcharaktere sind die zwei Brüder Yaki und Shaul (David und Eitan Cunio, echte Brüder, die keine echten Schauspieler sind, dafür aber echte Soldaten), die eine sehr nahe Beziehung zueinander haben. Das ist nur ein Aspekt des Films, den Regisseur Tom Shoval mit seinem ersten Langfilm gemein hat: Auch er beschreibt die Beziehung zu seinem Bruder als sehr innig, außerdem stammt er aus der Stadt Petasch Tikwa, die ebenfalls Schauplatz des Films ist. Die Probleme seiner Figuren sind ihm auch nicht ganz fremd.

Zur Story: Um die eigene Familie vor der Obdachlosigkeit zu schützen, greifen die nicht einmal 20-Jährigen Brüder auf kriminelle Methoden zurück. Hilfreich ist hierbei, dass  Yaki durch seinen Militärdienst dazu berechtigt ist, eine Waffe bei sich zu tragen. Ein Kommentar zur Situation in Israel ist hierbei wohl kaum abzustreiten.20133807_2_IMG_FIX_700x700In Geldnot ist die Familie überhaupt erst, da der Vater seinen Job verloren hat und in Folge dessen unter Depressionen leidet. Dass der Film ein Gefühl einer jugendlichen, naiven Energie trotz dieser Narrationselemente vermitteln kann, ist ja immerhin etwas. Um weitere inhaltliche Zusammenfassungen des Plots zu vermeiden, scheint es doch viel interessanter die Frage zu stellen, woran es diesem Film mangelt, um als guter Film durchzugehen. Vielleicht liegt es daran, dass der Film eigentlich so angelegt ist, Empathie gegenüber den Figuren zu erzeugen. Man erfährt ihre Schicksalsschläge, man erlebt sie in intimen Momenten, sie werden mehr oder weniger sympathisch dargestellt…Trotzdem schafft es der Film nicht, eine Nähe zu ihnen aufzubauen. Generell nicht zwangsläufig ein negativer Effekt, andere Filme sind durch eine Distanz zu ihren Figuren erst besonders interessant. Youth spielt aber nicht mit dieser gewollten Distanz, der Aufbau von Nähe ist hier einfach misslungen.

Aber so schwierig es auch manchmal ist, die Schwachpunkte eines Films klar zu benennen, kann es ebenso schwierig sein, das gewisse Etwas eines guten Films deutlich herauszustellen. Irgendwie ist es doch aber auch ganz beruhigend, dass manche Mysterien dieses Mediums letztlich nie ganz aufzuklären sind und interessante Produktionen nicht aus der Anwendung einer logischen Formel hervorgehen können, was das Blockbuster-Kino durch sein Agieren stets zu widerlegen versucht.

Möglicherweise hat Regisseur Tom Shoval in Youth auch einfach zu viele eigene biografische Aspekte mit einfließen lassen, wodurch ein gewisser Abstand zur Inszenierung gefehlt hat, um für einen außenstehenden Betrachter, der weniger affektive Beziehungen zum Gezeigten hat, etwas zu erzeugen, das sich nicht durch die bloße Zusammensetzung einzelner Bausteine ergibt.

 

Youth, D/F/IL 2013, 107’
Regie: Tom Shoval
Drehbuch: Tom Shoval
Produzenten: Moshe Edery, Sol Bondy, Jamila Wenske u.a.
Kamera: Yaron Scharf
Schnitt: Joe Walker
Verleih: Port au Prince Pictures GmbH
Kinostart: 23.01.2014

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