WITHOUT NAME

Dünne Äste, Pilzgeflechte und feuchtes Moos erwarten den Zuschauer in Lorcan Finnegans dunklen Psychohorrorfilm WITHOUT NAME. Geradezu gemäldeartige Bilder zeigen einen Wald, der zur Gefahr für die Psyche des Hauptdarstellers wird – oder liegt diese in seiner Lebenskrise?

Eric, ein selbstständiger Landvermesser bekommt den Auftrag alleine einen alten Wald in Irland zu kartografieren, damit ein dubioser Käufer diesen erwerben kann. Dieser Umstand kommt ihm gerade recht, denn der Familienvater befindet sich in einer Midlife-Crisis. Neben seiner depressiven Ehefrau hat er eine jüngere Geliebte namens Olivia, die ihn in seiner dort angemieteten Unterkunft besucht. Mit ihr fühlt er sich jung und kann die Verantwortung für seinen Sohn verdrängen. Doch im Wald sieht sich Eric mit seltsamen Vorgängen konfrontiert. Dieser scheint zu Leben. Das Licht kommt und schwindet unkalkulierbar. Erics mitgebrachtes Equipment wird kaputt aufgefunden, es pocht Nachts an seine Haustür. Geräusche wimmern durch die Dunkelheit. Der Wald scheint sich gegen seine Vermessung und seine Kolonialisierung zu wehren. In seiner Herberge findet Eric angefertigte Fotos, Bilder und Schriften des Vorbewohners über den Wald. Schließlich beginnt er immer wieder schwarze Umrisse einer Person im Wald zu sehen.

Unbeheligt versucht Eric, sich diese Phänomene zu erklären. Er und Olivia lernen bei der Suche nach einer Erklärung im Wald einen in einem Wohnwagen lebenden Mann kennen. Dieser erzählt, dass der einstige Bewohner von Erics Herberge eines Tages katatonisch im Wald aufgefunden wurde. Schließlich probiert der Protagonist, von seiner jungeren Partnerin angestachelt, eine große Menge Magic Mushrooms und erlebt einen schlechten Trip. Am nächsten Tag streiten er und Olivia sich, schließlich verlässt diese ihn. Daraufhin überschlagen sich die Vorgänge. Der Wald ergreift Besitz von Eric, während dieser sich in einem weiteren Tripp aus Pilzen verliert. Wird er die mysteriöse Person mit schwarzen Umrissen finden?

„A Psychotropic Faery Story“ lautet der Untertitel von WITHOUT NAME. Das stellt den Zuschauer vor die Frage, ob es sich nun um eine visualisierte Lebenskrise oder um einen Fantasyfilm handelt. Ganz aufgeklärt wird dies nicht, so muss dieser eine eigene Erklärung für die Deutung der Vorgänge finden: Erics innerer Konflikt wird beleuchet und gleichzeitig in ein geradezu märchenhaftes Setting gesetzt: In dunkel-atmosphärischen Bildern wird hochästetisiert Morgentau auf Moos gezeigt, Birkenwälder erstrahlen in der Sonne. Der Wald ächzt, flüstert, bewegt sich wie ein lebedinges Wesen. Die Vermessungsgeräte schneiden wie Messer in das weiche Moos. Die Bäume knarzen, ihre Äste greifen per Schatten nach Eric.

WITHOUT NAME verhandelt die Beziehung vom Menschen zu der Natur ohne zu einem typischen Ökofilm zu mutieren. Der Wald wirkt stark und mysteriös. Er schlägt seine Wurzeln in die Psyche des Hauptcharakters und des Zuschauers. Ein Horrorfilm ohne Jumpscares, dafür mit einem feinen Gefühl für Spannung und Verunsicherung des Zuschauers. Die Angst lauert nicht im Fremden, sondern in der uns bekannten Natur.

Irland 2016
Sprache: Englisch
Genre: Drama, Horror, Mystery
Regie: Lorcan Finnegan
Kamera: Piers McGrail
Buch: Garret Shanley
Schnitt: Tony Cranstoun
Cast: Alan McKenna, Niamh Algar, James Browne, Olga Wehrly
Produktion: Brunella Cocchiglia
Produktionsfirma: Lovely Productions
Musik: Neil O`Connor, Gavin O`Brien
Sound: Aza Hand
Verleih: m-appeal
Länge: 93 Min.
Format: DCP
Farbe: Farbe

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