Where Is Rocky 2?

Ed Ruscha, seinerseits berühmter zeitgenössischer Künstler, hat in den 70er Jahren angeblich einen fotorealistischen Felsen anfertigen lassen. Einen Felsen, den er daraufhin in der Wüste versteckte und dem Kunstgewerbe dadurch jeglichen Zugang zu diesem Werk verwehrte. Nun 40 Jahre später macht sich der Filmemacher Pierre Bismuth mit Hilfe eines Privatdetektiven auf dieser Kuriosität auf den Grund zu gehen und filmt mit – daraus entsteht die mit Crowdfunding finanzierte Mockumentary Where is Rocky 2?.

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Und so geht das Abenteuer los: Der Privatdetektiv zieht durch die Lande um Interviews zu führen, Informationen zu sammeln und irgendwelche geographische Anhaltspunkte ausfindig zu machen. Doch irgendetwas stimmt nicht. Die Aufnahmen sehen zu hochpoliert aus, die Ausleuchtung zu ausgetüftelt und die Interviews zu gestellt. Angeblich spontane Gespräche werden aus beiden Seiten der Leitung abgefilmt. Das, was wir hier zu sehen bekommen, ist nicht dokumentarisch. Und was ist mit den offensichtlich fiktionalen Zwischenschnitten, die zwei Kriminelle bei Ausübung ihrer Machenschaften zeigen? So wandert man von Interview zu Interview, von Internetrecherche zu Telefonaten und kümmert sich irgendwann nicht mehr um das Kunstwerk sondern um die Frage, was man sich hier eigentlich gerade anschaut. Doch dann schließlich wird das Geheimnis gelüftet: Der Film gibt die Drahtzieher dieser Illusion Preis, denn wir landen plötzlich bei den zwei Drehbuchautoren, die gerade ein Skript vorbereiten. Das Skript zu Where is Rocky 2?. Nach und nach wird klar, dass all das, die Szenen mit dem Privatdetektiv, mit den Verbrechern, aus der Feder der zwei Autoren stammt. Mehrere Ebenen machen sich auf und es geht nicht mehr um moderne Kunst. Es geht um die Kunst des Kinos und ganz dicht damit verknüpft die Kunst der Täuschung, die hier ihre Dekonstruktion erfährt.

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Uns wird erklärt, dass die zwei Kriminellen genau wie der Detektiv auf der Suche nach diesem Kunstwerk sind und auch die zwei Autoren sind auf der Suche nach ihrem inszenatorischen Kunstwerk, dem großen Finale. Vergeblich suchen die drei Handlungsstränge nach dem Ziel ihrer Reise. Selbst wir als Zuschauer suchen gespannt den Höhepunkt und den Sinn hinter all den Spielereien. Doch entlohnt werden wir nicht. Der Privatdetektiv geht ohne den Kameramann zum vermeintlichen Aufenthaltsort des Kunstwerks, verrät uns aber bei seiner Wiederkehr nicht einmal, ob das Werk denn nun tatsächlich da war. Ist der Weg etwa das Ziel? War der selbstreflexive Umgang mit Film die eigentliche Offenbarung? Bismuth liefert viele Fragen, lässt uns aber ohne die Antworten zurück. Stattdessen endet er sein Regiedebüt mit einem überdramatisierten Trailer zu, natürlich, Where is Rocky 2?.

Where is Rocky 2?, USA 2016
Regie: Pierre Bismuth
Drehbuch: Pierre Bismuth, D.V. DeVincentis, Anthony Peckham
Kamera: David Raedeker
Darsteller: Michael Scott, D.V. DeVincentis, Anthony Peckham
Verleih: Rapid Eye Movies
Starttermin: 20.10.2016

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