Wednesday 04:45

Stelios ist seit 17 Jahren Besitzer eines mäßig laufenden Jazz-Clubs in Athen. Um sich sein Geschäft aufzubauen hat er sich über die Jahre immer wieder Geld von einem Mafiaboss leihen müssen, der dies nun auf einen Schlag zurückfordert. Stelios steht nun vor dem Problem, in kürzester Zeit mehr als 140.000€ auftreiben zu müssen – in der griechischen Wirtschaftskrise ein Ding der Unmöglichkeit. Seine einzige Alternative bleibt, seinen Club aufzugeben, wozu er jedoch nicht bereit ist. Somit entspinnt sich ein Tarrantino-esquer Mafiathriller.

Der Vergleich zu Quentin Tarrantinos Filmen wie Pulp Fiction oder Kill Bill liegt nahe, da auch Wednesday 04:45 mit seiner Chronologie spielt. Szenen greifen oft der Handlung vor, was sich dem Zuschauer jedoch erst im Nachhinein erschließt, da durch Einblendung des Wochentags und der Tageszeit ein chronologischer Ablauf der Ereignisse suggeriert wird. Diese Einblendungen fungieren als Kapitelüberschriften, ähnlich wie in Kill Bill, und beinhalten oft zusätzlich noch eine Dialogzeile, die kurz zuvor gesagt wurde und dessen Relevanz betont.

Das ineinandergreifen verschiedener Zeitebenen weist auf die Zerrissenheit des Hauptcharakters Stelios hin, der mit aller Macht versucht sein Leben in allen Bereichen zusammenzuhalten. Da gibt es die Frau, die über eine Scheidung nachdenkt; seine Kinder, die sich vernachlässigt fühlen; sein Jazz-Club, der aufgrund der wirtschaftlichen Lage in Griechenland eher mäßig läuft; sowie die Mafia, die zunehmend versucht, Stelios aufgrund seiner Schulden in ihre kriminellen Machenschaften zu verwickeln. Der Protagonist ist kein Action-Held, sondern ein ganz gewöhnlicher Mann in einer ungewöhnlichen Situation und verhält sich dementsprechend. Er wirkt oft überfordert und verwirrt, versucht jedoch trotzdem krampfhaft, zu behalten, was er sich über die vergangenen 17 Jahre erarbeitet hat.

Eine weitere Ähnlichkeit zu Tarrantinos Filmen ist die starke visuelle Stilisierung. Der Film zeichnet sich meistens durch starke Kontraste und viele Lense Flares aus. Die Kamera ist häufig sehr nah an den Personen und die Bilder beinhalten deshalb einen hohen Grad an Unschärfe. Dies wirkt desorientierend und beklemmend, und illustriert die gefährliche Situation Stelios‘. Die meisten Szenen spielen nachts und in einem Nachtclub-Milieu, sodass durch die Neonreklamen eine Ästhetik ähnlich wie in Blade Runner entsteht. Teilweise wirken die starke Stilisierung der Bilder und die großzügige Verwendung von Lense Flares etwas übertrieben – dies ist vor Allem im Trailer der Fall – sie stören jedoch das Gesamtbild nicht zu sehr. Wednesday 04:45 ist ein spannender Mafia-Thriller, der sich durch seinen Schauplatz Athen und den Kontext der Wirtschaftskrise von vergleichbaren Filmen abhebt, ansonsten aber eine altbekannte Geschichte erzählt. Der Film spricht sehr viele verschiedene Themen, wie beispielsweise die Frage nach der Verantwortung für das eigene Handeln, an, kann sich aber nicht so recht für eines entscheiden. Daher bleibt Wednesday 04:45 leider stets an der Oberfläche und ist deshalb zwar gut, aber vermutlich kein Film, über den man noch lange nachzugrübeln braucht.

Reihe: Neues Internationales Kino
Wednesday 04:45, Griechenland, Deutschland, Israel 2015, 116 Min.
Regie & Buch: Alexis Alexiou
Darsteller: Julio Maria Dagritzikou, Stavros Raptis
Verleih: Neue Visionen

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