Voll Verzuckert – That Sugar Film

Filmemacher Damon Gameau ernährt sich gesund. Er bereitet seine Mahlzeiten mit seiner Freundin am liebsten mit frischen Zutaten selbst zu und verzichtet auf Fastfood und Süßigkeiten. Er treibt regelmäßig Sport und auch die Ärzte bescheinigen ihm eine gute Gesundheit. Für uns wagt er ein Experiment: Er will zwei Monate lang jeden Tag 40 Teelöffel Zucker zu sich nehmen. 153004.jpg-r_640_600-b_1_D6D6D6-f_jpg-q_x-xxyxxDenn das entspricht der täglichen Zuvor von Zucker bei einem durchschnittlichen Teenager aus seinem Heimatland Australien. Das Besondere an diesem Vorhaben ist, dass er nur Lebensmittel für seinen Selbstversuch auswählt, die von der Lebensmittelindustrie als „gesund“ angepriesen werden. Produkte also, von denen man gar nicht erwartet, dass sie wo viel Zucker enthalten. Schon nach dem ersten Frühstück mit Cornflakes, fettarmen Jogurt und Apfelschorle, hat er die Hälfte seines Tagesziels erreicht: Fast 20 Teelöffel Zucker waren in dieser kleinen Mahlzeit. 430832.jpg-r_640_600-b_1_D6D6D6-f_jpg-q_x-xxyxxGameau zeigt uns, wie sehr die Lebensmittelindustrie und deren Zuckerlobby uns von der süßen Verlockung abhängig machen- und uns die Gefahren für unser Wohlbefinden vorenthalten will. Besonders Kinder und Jugendliche, können heute kaum noch etwas genießen, was nicht eine bestimmte mindestsüße aufweisen kann. Der Zuschauer wird Zeuge davon, wie in Amerika schon Kleinkinder Zucker wie Wasser zu sich nehmen und eine ganze Stadt ihre Zähne durch Getränke wie „Mountain Dew“ zerstören. Was folgt, ist der wohl abschreckendste Zahnarztbesuch aller Zeiten. Trotz seiner deutlich mahnenden Botschaft, hat der Film auch seine lustigen Momente.335862.jpg-r_640_600-b_1_D6D6D6-f_jpg-q_x-xxyxx Besonders die Erklärungen, wie der Zucker in unserem Köper wirkt, sind sehr niedlich und kreativ animiert. Der Film richtet sich besonders an Eltern und Kinder ab der Grundschule. Für letztere Zielgruppe werden die biologischen und wirtschaftlichen Vorgänge anschaulich und vereinfacht erklärt. Meine Lieblingsszene ist, wenn Gameau die Zuckermenge aus den Lebensmitteln diesen direkt gegenüber stellt und dann anstelle des Produkts die Zuckermenge so zu sich nimmt. Statt Fertig-Sauce, schütter er den weißen Industriezucker über den Döner. Das ist echt widerlich, aber auch sehr überzeugend. 434895.jpg-r_640_600-b_1_D6D6D6-f_jpg-q_x-xxyxxIch könnte noch viele weitere Beispiele bringen, aber am besten man schaut sich den Film selbst an. Denn es wird höchste Zeit, dass wir uns unserem Zuckerkonsum bewusst werden und unsere Ernährungsgewohnheiten überdenken. Im Gegensatz zu Filmen wie „Supersize Me“, zeigt „Voll Verzuckert“ eben nicht nur Extrembeispiele und muss nicht übertreiben, um zu schockierenden Ergebnissen zu kommen. Jeder von uns kann sich in dem sympathischen Damon wiedererkennen. Was er sich im Film antut, machen wir jeden Tag freiwillig mit. Ironischerweise haben zum Beispiel gerade zu diesem Film, viele beim Screening Süßigkeiten mit in den Kinosaal genommen. Menschen wollen scheinbar nicht etwas anzweifeln, was sie doch schon seit Kindheitstagen so sehr lieben. Auch die Zuckeropfer (muss man leider wirklich so sagen) im Film, scheinen sich nicht von ihrer Vorliebe für besonders zuckrige Lebensmittel und Getränke abringen zu lassen. So fest stecken sie schon in dem klebrigen Sumpf voller süßen Versprechen der Lebensmittelindustrie, die sie da ohne Skrupel und unter den Augen von Politik und Wissenschaft hineinlocken. 336643.jpg-r_640_600-b_1_D6D6D6-f_jpg-q_x-xxyxxDiese hatten lieber Fett als Feindbild für sich entdeckt und Zucker lange ignoriert. Damon Gameau nimmt in den zwei Monaten nicht mehr Kalorien zu sich als vorher. Doch durch den ansteigenden Zuckerkonsum geht es im wesentlich schlechter. Seine Konzentration nimmt ab, während er an Körperfett immer mehr zulegt. Er wirkt schlecht gelaunt und sein gesundheitlicher Zustand wird bedenklich. Gameau´s Film zeigt: Zucker schadet uns auf vielfältige Weise und selbst Lebensmittel ohne Zuckerzusätze, können trotzdem zu viel davon enthalten. Nach der Filmvorführung schaue ich runter auf meinen Industrie-Smoothie, den ich mir vorher noch für die Pause gekauft hatte. Die 360 ml Flasche enthält umgerechnet 16 Würfel Zucker.

 

Bilderquelle: www.filmstarts.de

That Sugar Film, Australien 2014
Starttermin Deutschland: 29. Oktober 2015
Regie und Drehbuch: Damon Gameau
Verleiher: Universum Film GmbH
Komponist: Jojo Petrina
Kamera: Judd Overton
Mit: Damon Gameau, Stephen Fry, Isabel Lucas
Genre: Dokumentation

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