Videoessay zu “Das merkwürdige Kätzchen”

Das merkwürdige Kätzchen (Ramon Zürcher, 2013) ist ein besonderer Film. Schon 2014 haben wir den Film in der Cinemathek gezeigt und hier ein ausführliches Gespräch mit dem Filmemacher veröffentlicht. Die bemerkenswerte Gestlaltung des filmischen Raums, die pointierten Dialoge, die präzisen und zugleich unaufdringlichen Alltagsbeobachtungen sowie die Leistung der Schauspielerinnen und Schauspieler lässt einen auch lange nachdem man den Film gesehen hat nicht los. Grund dafür, im Rahmen eines Seminars zum Videoessay diesen Film einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Videoessays könnte man als Filmkritiken oder Filmanalysen bezeichnen, die nicht allein mit dem geschriebenen Wort, sondern mit dem Material des Films selbst gemacht werden. Die Regisseurinnen und Regisseure schneiden aus dem Material des zu analysierenden Filmes einen Kurzfilm, in denen sie durch die Montage, den Einsatz eines gesprochenen Kommentars oder Bildbearbeitung ihre Meinung zu eben diesem Film kundtun. Die Herangehensweisen wie auch Formen solcher Videoessays sind vielfältig und das Genre erfreut sich inzwischen großer Beliebtheit, eigener Websites, Auftritten auf großen Filmfestivals sowie der Integration in die Lehrpläne vieler medien- und filmwissenschaftlicher Studiengänge. (In Braunschweig hat Michael Baute schon häufiger Seminare zum Videoessay (bei ihm in der Schreibweise “Video-Essay”) angeboten, einige Überlegungen zum Format von ihm findet ihr hier.)

Im Sommersemester 2017 habe ich ein an der Methode von Michael Baute orientiertes Seminar zum Videoessay an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz gegeben. Es gab von mir nur zwei Vorgaben: es sollte ein Essay zu Das merkwürdige Kätzchen entstehen und es musste entweder in schriftlicher Form oder gesprochen ein Kommentar verwendet werden (wodurch Videoessays in der Supercut-Form, wie sie beispielsweise von Kogonada populär sind, nicht möglich waren.) Die Studierenden der Filmwissenschaft arbeiteten in Gruppen zu zweit oder zu dritt das Semester über an dem Film, wobei wir uns in regelmäßigen Abständen getroffen und ausgetauscht haben.

Die Regisseur_innen der Videoessays mit Ramon Zürcher und Florian Krautkrämer

Die Regisseur_innen der Videoessays nach der Premiere, mit Ramon Zürcher (Mitte) und Florian Krautkrämer (links)

Die Präsentation der Filme fand dann im CinéMayence statt, dem Mainzer Kommunalen Kino. Zu Gast war der Regisseur Ramon Zürcher, der zuerst seinen Film vorstellte, um dann anschließend zu sehen, was die Studierenden in filmischer Form dazu zu sagen hatten. Dadurch entstand eine sehr lebhafte und informative Diskussion, da alle Beteiligten im Gespräch auf den Analysen der Essays aufbauen konnten.

Die Videoessays sind inzwischen alle online. Sie finden sich zusammen mit fiktionalen Kurzfilmen, die ebenfalls von Mainzer Studierenden hergestellt wurden, auf der vimeo-Seite des Instituts. Sie können auch direkt hier abgespielt werden:

Das merkwürdige Off

Videoessay von Eva Haimerl, Inga Jöns, Miriam Gödde und Christian Volk

Eine inspirierende (und auch unterhaltsame) Analyse des Teils des Bildes, das man nicht sieht (und das deswegen für den Film fast wichtiger ist als das Sichtbare)

Die Mutter

Videoessay von Lana Kesselring, Johanna Langenbach, Yanina Koulakovski

Der Essay analysiert die Rolle der Mutter in dem Film – auch vor dem Hintergrund anderer filmischer Mutterfiguren.

Die Welt von unten

Videoessay von Mariusz Kondracki, Peter Rutmann, Felix Spencer Schöneberg

Der Kurzfilm sieht sich das Kind Clara genauer an – und wie die Welt aus ihrer Perspektive aussieht.

Die Familie

Videoessay von Anastasia Sidorovnina, Florian Reichinger, Marcello Ferraiuolo; Stimmen: Anastasia Sidorovnina, Marcello Ferraiuolo; Schnitt: Florian Reichinger; Animation: Karim Abo Zied

Bruder und Schwester schauen sich Das merkwürdige Kätzchen an und fühlen sich an ihre eigene Kindheit erinnert …

Gewalt und Krankheit

Videoessay von Lucca Neuer & Florian Retz

Den beiden Filmemachern war aufgefallen, dass in dem Film immer wieder Gewalt zu sehen ist und Krankheiten thematisiert werden. Hier deuten sie diese Beobachtung.

 

 

 

 

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