Velvet Buzzsaw

Die Welt, dessen Leute von, mit und wegen Kunst leben, können sich Menschen die außerhalb dieser Sphäre leben nur schwer vorstellen. Oft sind die Vorstellungen, die außenstehende Personen von dieser Welt aus Ausstellungen, Galerien, Biennalen und Ateliers haben von Vorurteilen geprägt und ist oft Ziel von Komödien wie beispielsweise Zoolander (Ben Stiller, 2001). An den Netflix-Film Velvet Buzzsaw von Nightcrawler-Regisseur Dan Gilroy,  der in dieser Welt der Kunst stattfindet hatte ich dementsprechend große Erwartungen. Würde dieser Film die Kunstszene einigermaßen authentisch darstellen oder würde er wieder die Comedy-Schiene einschlagen?

Zur Story: Morf Vandewalt (Jake Gyllenhaal) ist ein international bekannter Kunstkritiker und Stammgast in der Galerie von Rhodora Haze (Rene Russo) in der auch seine Angebetete Josephina (Zawe Ashton) arbeitet, die jedoch Probleme mit Rhodora hat, da sie ihre Pflichten nicht zur Zufriedenheit der Galeriebesitzerin ausführt. Als Josephina in ihrem Wohnhaus einen toten Rentner findet und daraufhin seine Wohnung betritt, entdeckt sie, dass der Verstorbene ein großer, noch nicht entdeckter Künstler war und seine Wohnung voller Ölgemälde ist. Sie zeigt ihren Fund Rhodora und Morf und gemeinsam beschließen Sie diese Gemälde zu vermarkten. Schnell wird der verstorbene Vetril Dease (Alan Mandell) zum Star der Kunstszene und die Gemälde ziehen alle, inklusive des kritischen Morf, in ihren Bann. Doch schon bald zeigt sich, dass Personen die sich an Dease-Kunst bereichern wollen oder auch nur mit ihr zu tun haben auf brutale Weise sterben.

Anfangs wirken die Geschehnisse noch wenig satirisch. Zwar sieht Morf mit Andy-Warhol-Frisur und Brille etwas exzentrisch aus, doch die Ausstellungen wirken tatsächlich als hätten echte Künstler ihre Installationen, Gemälde und Projekte zur Verfügung gestellt. Auch die Unterhaltungen zwischen Rhodora und Künstlern die bei ihr unter Vertrag stehen wirken so als hätten sie Probleme die andere Menschen auch haben.

Doch schnell schlägt die Stimmung ins Lächerliche um. Beispielsweise als Kunstagent Jon Dondon (Tom Sturridge) den Künstler Piers (John Malkovich) in seinem Atelier besucht und vorgibt einen Haufen Müll faszinierend zu finden woraufhin Piers in darauf hinweisen muss, dass das nicht als Kunst sondern Müll gedacht ist. Auch Morf kann die Rolle des exzentrischen Kunstkritikers nicht ablegen und muss alles und jeden übertrieben kommentieren.

Genauso schnell wie die Stimmung ins lächerliche schlägt, wandelt sie sich nun zu einer Splatter-Atmosphäre. Alle Beteiligten, die Geld verdienen, werden von Dease rachsüchtigen Geist verfolgt und werden von Kunststücken auf morbide Art und Weise umgebracht. Nach dem zweiten Todesfall ist klar: Die handelnden Figuren können nichts gegen die übernatürliche Kraft ausrichten und die einzige Charakterentwicklung, die stattfindet ist die, dass die Figuren bemerken, dass sie von einem Geist verfolgt werden. Dementsprechend läuft der Spannungsbogen in der zweiten Hälfte des Film gegen Null, da man den Charakteren nur noch bei ihren Splatter-Toden zusehen kann.

So bleibt am Schluss des Films nur die Doppelmoral. Die Message des Films ist offensichtlich, dass Künstler ihre Kunst nicht des Geldes wegen machen sollen, sondern der Kunst wegen. So wird beispielsweise Piers, der einfach wieder mit seiner Kunst zu sich finden möchte verschont. Doch der Film selbst ist selbstverständlich ein kommerzielles Kunstprodukt mit dem viele Leute Geld verdienen und für den viele Leute Geld bezahlen.

 

Velvet Buzzsaw, USA 2019, 113 Min.

Regie & Buch: Dan Gilroy

Kamera: Robert Elswit

Schauspieler*innen: Jake Gyllenhaal, John Malkovich,  Rene Russo

Verleih & Bildrechte: Netflix

Verfügbar seit: 01.02.2019

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