Und im Hintergrund rattert die Zitatmaschine

Von Arne Schrader
MuppetsSpoiler-Alarm, aber ist doch eh immer das Gleiche.

„We’re doing a Sequel – that’s what they do in Hollywood – and everybody knows, that the Sequel is never quite as good.“

Diesmal einen Kriegsfilm vielleicht. Oder eine Romantic Comedy, mit Hühnchen. Ich hab’s: Einfach das gleiche nochmal. Wie wär’s Schwarz Weiß! Und Schachspielen, gegen den Sensenmann, französisch untertitelt – hat schließlich schon mal funktioniert. Nein, Eine Welt-Tournee! Today, „Die Muppets!“

Sterbt Muppets? Die Kritiker scheinen früh dran zu sein. Eine Celine Dion Retrospektive, featuring Miss Piggy – und das catchy finden. Windmaschine, Weichzeichner, Weißes Satin- Hemd, travoltesk aufgeknöpft – russischer Frosch-Latin-Lover. Nick Tschill… Till Schweiger. Ost-Berlin, du düstere Sowjet-Provinz. Imperator Cape. Slap, Muttermahl. Ein bisschen Puderquaste, die Illusion, perfekt! Hannibal Lector nun in sibirisches Gulag eingeliefert. Weil Joda hat Flubber verschluckt und kann jetzt Karate. Han-Solo? Drum-Soloooooo! Gestatten, Dominik Fieslinger, Tourmanager. Fieslinger? „Fieslìngée“ – ist Französisch… Ahhhhhh. Famose erste 5 Minuten. Und Herr Waltz tanzt seinen Namen. „Indoor running of the Bull“. Machete und Good-Fella, die alten Boyz II Men-Grazien.

Ein Löffel, eine Gefängniswand, ein Poster. Die Verurteilten, die Daltons Waltons und Gute Nacht John Boy. Der richtige Loki hätte sich einfach verwandelt. „Did somebody say explosion?“ Professor Eisenbeiß. Woher nimmt er all diese Koffer? Lichtschranken-Capoeira und Englische Kronjuwelen. Eine Mission Impossible. Burge… burge… Burglary. Interpol! CIA! Das fällt in meine Zuständigkeit. Aber ich hab die größere Marke.Fette, hässliche Puppenbabies, mit Haut wie 50 Jahre Kettenrauchen. Ist hier eigentlich irgendwo ein Usher? Dinner For One für Fossy-Bär. Was ist das, ein Spielzeug? Mein Auto, on y va! Und immer wieder: kenn ich doch auch irgendwo her.

          „Man sucht das Universum in einem Körnchen Sound…“

und zwar händeringend, phasenweise. Was Kodwo Eshun am musikalischen Sampling beschreibt, vielleicht nur Fluchtweg aus dem sibirischen Gulag. Weil statt atemberaubendem Plot: Langatmigkeit. „We’re doing a Sequel – We’ve got to do it all again“ – zärtlicher Hieb auf die Hamsterrad- Logik der Filmindustrie. Irgendwie aber auch Selbstdiagnose („…bok bok bok be bok!“). Statt liebevoll inszenierter Charaktere (wie noch beim Vorgänger The Muppets (2011)): Kriminalkomödie. Breath-taking? Ist da nur das viel zu straffe Hollywood-Korsett.

Die Guest Stars, die eingängigen Lieder, die unbekümmerten Zitate, der schwarze Humor – familienfreundlich eingeschnürt. Vorhersehbar zusammengezurrt, in der Taille gekonnt glattgebügelt. Künstlich gestreckt, auf Filmlänge. Anarchie für die wohlbehütete Puppenkiste. Punchlines, in Baumwollhandschuhen. Naja, „…that’s what they do in Hollywood“. Oder ist vielleicht auch das schlicht pure Absicht?

Was bleibt: Ein selbstreferenzielles und -ironisches Grande Finale der Zwischentöne. Und die latente Hoffnung, man ist nur kräftig jedi-mind-tricked worden.

Muppets: Most Wanted, USA 2014, 108′
Regie: James Bobin
Drehbuch: James Bobin, Nicholas Stoller
Kamera: Don Burgess
Darsteller: Salma Hayek, Christoph Waltz, Tina Fey, Ricky Gervais
Verleih: Walt Disney Germany

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