Übersicht: Streaming-Angebote

Vor einigen Wochen begann sich unser aller Alltag schrittweise zu verändern. Im Zuge der Eindämmung des Coronavirus mussten u.a. Kultureinrichtungen, darunter natürlich auch Kinos, geschlossen werden und stehen nun vor einer ungewissen Zukunft. Aber es gibt auch Lichtblicke in der Krise, die Kino in Zeiten von Corona trotzdem möglich machen, zumindest innerhalb der eigenen vier Wände. Wir haben einige unserer Favoriten in Sachen Streaming versammelt, die teilweise als direkte Reaktionen auf die aktuelle Lage entstanden sind, und möchten euch damit ein paar Anregungen geben, wie ihr euren Filmkonsum weiterhin aufrechterhalten und die Kinos dabei mitunter unterstützen könnt.

Als kleine Ergänzung unsererseits findet ihr außerdem unten auf dieser Seite eine Linksammlung zu Kritiken, die wir auf Daumenkino zu einer Reihe der nun online verfügbaren Filme veröffentlicht haben. Wir wünschen euch ein vielfältiges, spannendes Heimkino-Programm… bleibt gesund, bleibt zuhause, schaut Filme!

Grandfilm On Demand
Der wunderbare Nürnberger Verleih Grandfilm hat es sich seit der Gründung vor einigen Jahren zur Aufgabe gemacht, künstlerisch wertvolle Filme in die deutschen Kinos zu bringen. Da wir mit unserer Cinemathek einen ähnlichen Ansatz verfolgen, hatten wir schon zahlreiche Filme aus dem Grandfilm-Repertoire in unserem Programm (z.B. Right Now, Wrong Then, Selbstkritik eines bürgerlichen Hundes und Die Sanfte). Jetzt werden einige dieser Filme und viele weitere über die On Demand-Seite des Verleihs zum Streamen angeboten, für eine Gebühr von je 9,99 € (und einem “Schnäppchen” pro Woche zum Sonderpreis von 99 Cent). Jede Woche werden weitere Filme zum Angebot hinzugefügt und der Gewinn wird 50/50 zwischen dem Verleih und den Independent-Kinos, die normalerweise ihre Filme spielen würden, geteilt. Weitere Informationen und eine Liste der beteiligten Kinos findet ihr hier.

Arsenal 3
Das Kino Arsenal in Berlin hat sein online-Angebot “arsenal 3”, das im vergangenen Jahr exklusiv für Mitglieder eingeführt wurde, nun für alle geöffnet. Über die Anmeldeseite gelangt man zur Filmauswahl, wobei das Programm wöchentlich wechselt und alle Filme kostenlos zur Verfügung stehen. Dies ist nur aufgrund der solidarischen Reaktion vieler Filmemacher*innen und Künstler*innen, deren Filme das Arsenal im Verleih hat, möglich, denn sie haben einer Onlinepräsentation in dieser Form zugestimmt. So ist arsenal 3 ein kollaboratives Projekt, das Kino als sozialen Raum in dieser Zeit umgestalten will und allen zugänglich sein soll. Um trotzdem Lizenzzahlungen vornehmen zu können, wird zur Unterstützung durch Spenden aufgerufen, die Informationen zum Spendenkonto sind ebenfalls bei der Anmeldung aufgeführt. Zusätzlich finden auf jitsi regelmäsßig (meist donnerstags und freitags) Q&A’s zwischen Filmemacher*innen und Mitarbeiter*innen des Arsenals statt.

Visions du Réel
Natürlich sind auch Filmfestivals von der temporären Schließung der Kinos und dem generellen Veranstaltungsverbot betroffen. Zum Teil finden die Festivals aber weiterhin auf digitalen Plattformen statt, wo die einzelnen Filmprogramme gestreamt werden können. So wird beispielsweise das renommierte Dokumentarfilmfestival Visions du Réel dieses Jahr seine Filme während dem Festivalzeitraum (17.April – 02.Mai) zum kostenlosen Stream zur Verfügung stellen. Die Filmauswahl beinhaltet Kurz- (streambar in der 1. Festivalwoche) und Langfilme (streambar in der 2. Festivalwoche). Neben der Claire Denis Retrospektive ist eines der Highlights der Film Purple Sea von Amel Alzakout und Khaled Abdulwahed, der von unseren alten Bekannten bei “pong” mitproduziert wurde und auf der diesjährigen Berlinale seine Premiere feierte.

Internationale Kurzfilmtage Oberhausen
Auch die vom 13. bis zum 18. Mai stattfindenden Internationalen Kurzfilmtage in Oberhausen haben für dieses Jahr eine Online-Edition angekündigt. Weitere Informationen folgen demnächst.

Kino on Demand
Das persönliche Wunschkino mit einem Filmstream finanziell zu unterstützen kann man auf Kino on Demand. Für meist 4,99€ lässt sich ein Film streamen und dabei das lokale Lieblingskino (u.a. auch das Universum Filmtheater in Braunschweig) anwählen, welches dann direkt davon profitiert. Fürs mehrfache Streamen wird man weiterhin mit Kinogutscheinen entlohnt. Das Filmauswahl besteht zwar zumeist aus konventionellem Arthouse-Kino, aber etwas versteckt sind auch interessantere Filme (etwa die von Maren Ade oder Nicolette Krebitz) zu finden.

dffb-Archiv
Im Archiv der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin finden sich nicht nur zahlreiche filmografische Einträge, Fotos und Dokumente, einige Filme sind auch kostenfrei online zugänglich. Zur Zeit sind es 75 Dokumentar-, Experimental- und Spielfilme, darunter frühe Arbeiten von Harun Farocki, Hartmut Bitomsky und Helke Sander. Das Angebot soll fortlaufend erweitert werden und der Großteil der Filme ist vollständig zu sehen, wobei in wenigen Ausnahmefällen nur Ausschnitte angeboten werden können. Persönliche Empfehlung unsererseits: Von wegen ,Schicksal’ (BRD 1978) von Helga Reidemeister; ein Dokumentarfilm, der alltägliche Gewalterfahrungen innerhalb einer Familie offenbart und die Protagonistin Irene mit ihren eigenen Unzulänglichkeiten als Mutter konfrontiert, aber gleichzeitig ihre persönlichen Bedürfnisse und Ansprüche nicht außen vor lässt.

Bundeszentrale für politische Bildung
Die bpb-Mediathek bietet eine kleine, aber interessante Sammlung an Dokumentarfilmen mit politischem Kontext als kostenfreie Streams an. Darunter sind Highlights wie Waldheims Walzer von Ruth Beckermann und I Am Not Your Negro von Raoul Peck zu finden. Und auch zwei besondere Filme aus unseren früheren Staffeln der Cinemathek können hier gesichtet werden: Concerning Violence von Göran Hugo Olsson und And-Ek Ghes… von Philip Scheffner und Colorado Velcu.

International Documentary Filmfestival Amsterdam
Das IDFA hat eine große Mediathek mit einer Kollektion von rund 800 Dokumentarfilmen. Davon sind fast 200 auch außerhalb der Niederlande online frei zugänglich. Es gibt also viel zu entdecken! Wer nicht durch die gesamte Auswahl stöbern will, kann sich durch einige kuratierte Selektionen zu verschiedenen Themen – und abgestimmt auf die aktuelle Situation – leiten lassen.

LaCinetek
LaCinetek wurde 2015 ins Leben gerufen und ist eine Video On Demand Plattform mit dem Ziel, Filmklassiker aus aller Welt einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Die Filme werden dabei von über 60 Regisseur*innen, darunter Maren Ade, Corneliu Porumboiu und Céline Sciamma, ausgewählt und kommentiert. Jeder Film wird einzeln angeboten, entweder zum Leihen auf Zeit für 1,50-2 € oder zum Kauf für 4-5 €. Die von der Deutschen Kinemathek kuratierte Auswahl beinhaltet übrigens sechs Filme, die 2019 im Rahmen der fantastischen Berlinale-Retrospektive Selbstbestimmt. Perspektiven von Filmemacherinnen mit Werken aus dem Zeitraum 1968 bis 1999 präsentiert wurden.

Filmgalerie 451 VoD
Die Filmgalerie 451 produziert und verleiht Filme und bietet eine Auswahl davon über die eigene Video On Demand-Seite zum Stream oder Download an. Neben Schlingensief und Pasolini sind auch einige Filmemacher*innen der Berliner Schule im Angebot vertreten – und mit Just the Wind von Bence Fliegauf ein früher Cinemathek-Film. Die Preise pro Film bewegen sich meist zwischen 2,50 € und 4,90 €. Da es sich um eine Kooperation mit der Plattform Onlinefilm handelt, die letztendlich wie eine Videothek funktioniert, muss man sich zunächst registrieren und kann die Filme dann einzeln entweder für 24 Stunden leihen oder kaufen.

Salzgeber VoD
Auch der Berliner Verleih Salzgeber hat eine eigene On Demand-Seite bei Vimeo und bietet dort schon seit einiger Zeit eine Auswahl seiner Filme zum Leihen oder Kaufen an. Die Schwerpunkte des Verleihs sind laut eigener Beschreibung „Filme des innovativen nicht-heterosexuellen Kinos sowie Dokumentarfilme“. Darunter finden sich einige erfolgreiche Festival-Perlen der letzten Jahre wie 120 BPM, Rafiki oder Der Ornithologe, aber auch Aktuelleres wie Das melancholische Mädchen von Susanne Heinrich, den wir erst im vergangenen November in der Cinemathek präsentierten. Das Angebot wird stetig erweitert und größtenteils sind Originalfassungen mit Untertiteln verfügbar. Einen Film kann man wahlweise für 4,90 € ausleihen (mit 24 Stunden Streaming-Zeitraum) oder für 9,90 € kaufen und downloaden.

MUBI
Die Streaming-Plattform MUBI bietet eine kuratierte Auswahl von 30 Filmen an, die täglich aktualisiert wird: Jeden Tag kommt ein neuer Film hinzu und der älteste wird aus der Liste entfernt. Das Programm setzt sich hauptsächlich aus Independent-Filmen, Festival-Highlights und Klassikern zusammen, zwischendurch stehen auch einzelne Regisseur*innen und deren Werke im Fokus. Studierende von Filmschulen können MUBI gratis nutzen, eine reguläre Mitgliedschaft kostet 9,99€ pro Monat und ein kostenloses Probe-Abo ist sieben Tage lang gültig.

#hilfdeinemkino
Ungewöhnliche Zeiten bedürfen ungewöhnlicher Maßnahmen: Unter hilfdeinemkino.de kann man sich Werbespots ansehen und damit die eigenen Lieblingskinos unterstützen. Die Plattform stammt von dem Unternehmen Weischer.Cinema, das normalerweise für die Vermarktung von Werbekampagnen im Kino zuständig ist, und die Kinos erhalten den gleichen Anteil der generierten Werbeumsätze, den sie für die Spots normalerweise bekommen hätten.


Unsere Kritiken:
Die Sanfte von Sergei Loznitsa [Grandfilm]
Right Now, Wrong Then von Hong Sang-soo [Grandfilm]
And-Ek Ghes… von Philip Scheffner und Colorado Velcu [Grandfilm]
Selbstkritik eines bürgerlichen Hundes von Julian Radlmaier [Grandfilm]
In den letzten Tagen der Stadt von Tamer El Said [Arsenal – Woche 4]
Les Sauteurs von Moritz Siebert, Estephan Wagner und Abou Bakar Sidibé [Arsenal – Woche 4]
Wild von Nicolette Krebitz [Kino on Demand]
Shame von Steve McQueen [Kino on Demand]
Concerning Violence von Göran Hugo Olsson [bpb]
Just the Wind von Bence Fliegauf [Filmgalerie 451]
Beach Rats von Eliza Hittman [Salzgeber]
120 BPM von Robin Campillo [Salzgeber]
Rafiki von Wanuri Kahiu [Salzgeber]
Der Ornithologe von João Pedro Rodrigues [Salzgeber]
Arabian Nights von Miguel Gomes [MUBI]
Night Moves von Kelly Reichardt [MUBI]


Bildnachweise: Titelbild aus The Man Who Fell to Earth (GB 1976, Nicolas Roeg), Gif aus Alice in den Städten (BRD 1974, Wim Wenders)

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