Tutorium “Filmkritik” – What We Do in the Shadows

Im Rahmen des Tutoriums “Filmkritik” wurden von Studierenden der Hochschule für Bildende Künste Kritiken zu ausgewählten Filmen verfasst.

Hier die Kritiken zu What We Do in the Shadows (Taika Waiti und Jemaine Clement, 2014)

Filmkritik:“What We Do In The Shadows“

von Rebecca Gustke

Bei Filmen wie The Equalizer 2 oder Transformers Teil 25 dürften sich bereits viele Zuschauer*innen fragen, ob die Fortsetzung wirklich nötig war. Ganz anders ist es jedoch bei der Vampirkomödie What We do in the Shadows, bei der die Fans vergeblich auf einen zweiten Teil warteten. Anfang des Jahres kam für diese eine freudige Überraschung: 2019 soll eine gleichnamige Serie basierend auf dem Film von 2014 starten. Seitdem wurden die ersten Informationen und Trailer in zahlreichen Foren auseinandergenommen und genaustens analysiert. Doch was ist es, was die Kinogäste vor fünf Jahren so begeistert hat?

What We Do In the Shadows ist ein neuseeländischer Film, der als Horrorkomödien-Mocumentary einzustufen ist. Diese Kombination von Filmgenres ist in etwa so seltsam wie die Idee des Films an sich: Wir begleiten darin ein Kamerateam, das den Alltag in einer Vampir-WG aufnehmen möchte. In dieser leben vier Vampire, die wohl unterschiedlicher kaum sein könnten: Zuerst einmal Viago, der Dandy-Vampir, welcher am ehesten an die an den Stil der Vampire in Neil Jordans Interview mit einem Vampir entspricht und uns in die WG und ihre Tagesabläufe einführt. Deacon wird vorgestellt als der „Badboy“ der Gruppe, er ist 183 Jahre alt und hat im zweiten Weltkrieg als Nazivampir gekämpft. Mit seiner rebellischen Art und seinem Stil erinnert er ein wenig an die Rocker-Vampire aus The Lost Boys. Vladislaw ist ein Vampir der „mitteralterlichen Garde“, wie seine Vorlage Vladislav der Pfähler, ist eine seiner Leidenschaften das Foltern. Im Keller des Hauses lebt außerdem noch Petyr, welcher verdächtig an Nosferatu erinnert. Die vier haben in Wellington eine WG gegründet, um ein wenig mehr Gesellschaft zu haben und bis auf ein paar Unstimmigkeiten wegen des blutigen Geschirrs, das über fünf Jahre herumsteht, verstehen sie sich gut. Dann verwandelt Petyr Nick, einen Mann der modernen Zeit, in einen Vampir und alles ändert sich. Er bringt Stu, seines Zeichens IT-Fachmann und noch sehr lebendig mit in die WG und mit ihm erhält die moderne Technik Einzug in das Unleben der Vampire.

Dabei bleibt What We Do In The Shadows dem Stil der Mockumentary treu: An keiner Stelle wird vernachlässigt, dass hier eine Filmcrew den Vampiren folgt. Mit großer Liebe zum Detail werden so zum Beispiel Szenen als „nachgestellt“ markiert, Feinheiten wie das Rauschen des Mikrofons an den Vampiren sowie kurze Interviews mit ihnen eingebaut. Auch bei einem Aufeinandertreffen mit Werwölfen bei Vollmond wird das Kamerateam nicht vergessen: nach dem Zu-Boden-Stürzen der Kamera sehen wir, dass ihr*e Träger*in soeben zerfetzt wurde. Charme und Witz überspielen den Horror des Films, der nicht etwa in dem spritzenden Blut der Opfer, aufgespießten Wesen oder der Versammlung blutrünstiger Wesen auf einem Maskenball liegt, sondern vielmehr in der Vorstellung wie die Vampire ewig leben zu müssen und auf Dauer einsam und gelangweilt zu sein. Der Witz leidet jedoch etwas unter der deutschen Synchronisation. So wird aus dem verheißungsvollen Titel ein 5 Zimmer, Küche, Sarg, welcher doch sehr umständlich und daherkommt. Ähnlich ist es dann auch mit vielen Witzen, die im englischen Original sehr viel mehr Biss haben.

In 85 Minuten spricht der Film viele Themen an. Einerseits sehen wir wie die Vampire, abgeschnitten von der Außenwelt, das Verständnis für die sich rasch verändernde Welt und neue Techniken verloren haben. In zahlreichen Szenen wirkt die WG eher wie ein Seniorenheim, in das Nick und Stu zu Besuch kommen wie Kinder, die ihren Großeltern bei ihren IT-Problemen helfen. Das mit Abstand prominenteste Thema ist die Männlichkeit der Vampire. Während Viago auf den ersten Blick bereits sehr feminin wirkt, gerät er auf Nahrungssuche immer in die blutrünstigsten Szenen. Bad-Boy Deacon hingegen wird häufig beim Stricken gezeigt und bei den Streitigkeiten mit seinen Mitbewohnern fliegen nicht etwa die Fäuste, sondern es wird gefaucht und mit den Händen gefuchtelt. Noch deutlicher wird es bei Vladislaw, der zunächst als Sinnbild eines Mannes dargestellt wird. Im Laufe der Mockumentary lernen wir seine weiche Seite kennen und lernen, dass er sich nie von der Trennung seiner Ex-Freundin erholt hat. Die Hinweise auf diese Thematik sind durch den Film zerstreut und werden immer wieder aufgegriffen. So weit, so unterhaltsam. Doch für den Fall, dass nicht auch der*die letzte verstanden hat, dass unsere Vampire wohl doch nicht so männlich sind, wird durch Deacons Dienerin noch einmal deutlich darauf hingewiesen, dass es sich bei ihren Hemden um Blusen handelt und sie ihr ganzes „homoerotisches“ Gehabe leid ist. Schade eigentlich, denn der Film ist in seiner Bildsprache eindeutig genug.

Insgesamt überzeugt der Film jedoch mit seinen cleveren Dialogen und der Umsetzung von Vampirmythen in skurrilen Ideen. Niemals hätte man sich sonst gefragt, wie Vampire in Nachtclubs kommen, ohne eingeladen zu werden oder was eigentlich passiert, wenn sie feste Nahrung zu sich nehmen. Von Hommagen an alte Vampirklassiker über Seitenhiebe an aktuelle Filme wie Twilight spielt der Film mit allen Facetten, den Vor- und Nachteilen des Vampir-Seins. Letztendlich sind wir froh, dass die Hypnosefähigkeiten der Vampire nicht durch den Fernseher funktioniert und wir die letzten einundeinhalb Stunden nicht so schnell vergessen.

 

Still a better love story than Twilight

von Laijana Braun

Die These, dass das Thema der Vampire 2014 nach sage und schreibe fünf Twilight-Filmen irgendwann ausgeblutet ist, lässt sich diskutieren. Und doch widmeten Jemaine Clement und Taika Waititi sich einer weiteren, etwas untypischen visuellen Darstellung der Nachtwandler: Verpackt als Mockumentary erzählt What we do in the Shadows vom Alltag einer Vampir-WG voller blutiger Aussaugungsrituale und Backgroundstorys. Mithilfe einer Reise durch so ziemlich alle nahezu lustigen Vampirwortwitze (welche ich in dieser Kritik zu umgehen versuche) erzählt der Film auf lustige Art und Weise vom Leben der vier (dann fünf, dann wieder vier, dann wieder drei und letztendlich dann doch wieder vier) Vampire Viago, Vladislav, Deacon und Peytr.

Doch um jene soll es in dieser Kritik genauso wenig gehen wie um Nick, einem Normalo, welcher den Vampiren erst als Abendbrot serviert, ausgesaugt und dann von Peytr wieder als Normalo-Vampir ins Leben gerufen wird.

Diese Kritik soll sich mit dem gleichzeitig normalsten und doch interessantesten Charakter des Filmes beschäftigen: Stu. Nachdem Nick seine Metamorphose zum Vampir abgeschlossen hat, bezieht er die Vampir-WG, in welcher er anfangs nur mittelmäßig gut ankommt. Anders steht es um seinen besten Freund Stu. Stu ist genau das, was die popkulturelle westliche Welt als introvertierten IT-Geek beschreiben würde. Und so bringt er den Vampiren nicht nur die Welt des Internets und der Technik näher, sondern mausert sich still und heimlich zum Liebling der WG.

Doch ist der Witz hinter dem IT-Nerd nicht mittlerweile noch ausgesaugter als jene Wortwitze über Vampire? Ja, so ist es. Und genau damit spielt What we do in the shadows. Denn Stu wird nicht nur genau wie jeder x-beliebige IT-Nerd dargestellt – er wird auch genauso von den Charakteren behandelt. Ob nun beim Skype-Tutorial oder beim Diskobesuch, Stu ist eher dabei als mittendrin. Er dient als flache Randfigur, die sich durch die repetitive Liebe der Vampire jedoch langsam, aber sicher ins Zentrum des Geschehens mogelt – und in die Herzen der Rezipierenden. Denn trotz der Komplexität jedes einzelnen Vampirs fehlt jedem von ihnen eine Eigenschaft: Die Sozialkompetenz. Und auch wenn sich alle irgendwie um das gemeinsame Zusammenleben bemühen, schafft keiner der Charaktere es, einen wirklichen, emotionalen Zugang in die Gruppe zu finden oder jenen für die Rezipierenden zu schaffen; doch Stu hat diese Eigenschaft innewohnen, und immersiert die Rezipierenden dadurch in die WG, ohne selbst ein Teil davon zu sein.

Und als Stu letztendlich im epischen Helden- (bzw. Werwolfs)kampf schon mit mehr als einem Fuß im Sarg steht, hört man leise auch die letzten Rezipierenden-Herzen schmelzen.

Letztendlich schafft Stu also nicht nur auf der IT-Ebene Connections; er ist viel mehr der Link zwischen Vampiren und Rezipierenden und übernimmt damit nicht nur eine wichtige Funktion, sondern schafft nebenbei eine der schönsten metaleptischen Liebesgeschichten, die die Vampirwelt bisher gesehen hat.

 

Filmkritik: „What We Do in the Shadows“

von Mehdi Gülec

„When you are a vampire you become very…, sexy!“
What We Do in the Shadows, in Deutschland 5 Zimmer, Küche, Sarg, ist ein Comedyfilm, was im Stile einer Mockumentary gehalten ist, wie bspw. die Filme Borat oder I’m Still Here. Der Film erschien 2014, geht 83 Minuten und Regie führen die neuseeländischen Regisseure Taika Waititi und Jemaine Clement, welche Bekanntheit durch die HBO Comedyserie Flight of the Conchords erlangt haben. Ebenfalls basiert der Film auf ein Kurzfilm von 2005, welches Waititi und Clement gedreht haben.

In ‘What We Do in the Shadows’ dokumentiert ein Filmteam den Alltag einer Vampir-Wohngemeinschaft in Neuseeland. In der Wohngemeinschaft leben die Vampire Viago, Vladislav, Deacon und Petyr.

Viago ist ein sehr ordentlicher und pingeliger Mensch. Er wirkt wie der gastfreundliche Mitbewohner, der versucht die Wohngemeinschaft in Ordnung und Kontrolle zu halten, welches man am Anfang durch das WG-Meeting und dem Reinigungsplan erkennt. Ebenfalls ist Viago immer adrett und höflich gekleidet. Im Laufe des Film bemerkt man, dass Viago eine sehr emotionale und sentimentale Seite besitzt, als er über seine erste Liebe Katherine redet. Bei der ersten Szene von Vladislav sieht man ihn in einer Orgie mit mehreren Frauen. Er ist etwas pervers, und weil er im Mittelalter zum Vampir wurde, besitzt er auch eine stark veraltete Weltanschauung. Dies bemerkt man, wenn er den anderen Mitbewohnern vorschlägt einen Sklaven zu besitzen. Ebenfalls ist ‘Vladisalv, der Stecher’ eine Anspielung an Vlad III Draculae, besser bekannt als ‘Vlad der Phäler’.

Deacon hingegen ist der wilde Rebell der Gruppe, weil er auch der Jüngste in der WG ist. Er ist selbstverliebt und verdeutlicht das auch durch seine erotischen Tänze, die er vor seinen Mitbewohnern performt. Dazu weiß man, dass er früher ein Nazi-Vampir war und durch sein schlechtes Image in Deutschland und Europa nach Neuseeland gesiedelt ist.

Petyr ist der Älteste in der Wohngemeinschaft mit über 8000 Jahren und lebt im Keller. Er hat starke Ähnlichkeiten mit Nosferatu. Er sagt im Film keinen einzigen Satz und ist von den drei anderen Mitbewohnern am seltensten zu sehen.

Nick sollte eigentlich nur ein Festmahl für die Mitbewohner sein, damit sie ihr Blutlust stillen können, doch durch Petyr ist er selber zum Vampir geworden und hängt seitdem mit den anderen Vampiren ab. Er ist der junge hippe Typ, der den anderen Vampiren etwas mehr vom Nachtleben in Neuseeland zeigt, doch ebenfalls muss er mit seiner neuen Art klarkommen und sein Leben neu umdenken. Ebenfalls hat er den anderen Vampiren seinen besten Kumpel Stu vorgestellt, der ein Mensch ist, doch von den anderen Vampiren als Freund angenommen wird, weil er der primitiven Wohngemeinschaft das Internet und andere technologische Möglichkeiten beigebringt.

What We Do in the Shadows spielt mit den typischen Vampir-Klischees und entwickelt dadurch humoristische Momente, wie zum Beispiel die Stelle, als sie ein Video im Internet vom Sonnenaufgang gucken, da sie vom eigentlichen Sonnenlicht sonst verbrennen. Indem der Film eine Mockumentary ist, wird auch der Stil der Dokumentarfilme persifliert. Ein Beispiel ist die nachgestellte Szene, wie Stu zum Werwolf wurde. Außerdem kommt es fast am Ende zu einem kleinen Genre-Wechsel als der Kampf zwischen Werwölfen und Vampiren entfachte. Dadurch wurde auch das Dokuteam angegriffen, wodurch die Szene Ähnlichkeiten mit ‘Found Footage’
Horrorfilme (Wackelkamera, Bildsörungen), wie bspw. Blair Witch Project, besitzt. Neben den Vampir-Klischees werden auch die aktuellen Darstellungen von Vampiren in Filmen aufs Korn genommen. Zum einen sagt Nick, dass er der Typ aus dem Film Twilight ist, wodurch er Frauen aufreißen kann. Ebenfalls wird die Feindschaft zwischen Vampire und Werwölfe gezeigt, wo die Werwölfe Jogginghosen und weite Kleidung anziehen, damit sie ihre Kleidung durch die Metamorphose nicht zerstören. Doch diese Feindschaft endete wegen Stu, der durch ein Werwolfangriff selber zum Werwolf wurde und die Freundschaft zwischen Vampire und Werwölfe erst ermöglicht hat.

Eine weitere Besonderheit ist, dass der Film versucht durch alte Schriften, Gemälde und Fotos einen historischen Zusammenhang mit den Charakteren herzustellen. Dies bemerkt man, wenn man alte Fotos von Deacon sieht, als er noch ein Nazi-Vampir war, oder auch bei den Zeichnungen vom „Biest“, welches mehrmals im Film dargestellt wird und dadurch das Leiden von Valdislav verstärkt und die Zuschauer das „Biest“ mit einem monströsen Wesen assoziieren lässt, was aber am Ende des Films herausgestellt wird, dass es nur die Ex-Freundin von Vladislav ist und sie eine schwere Trennung hatten. Dies ist auch die Prämisse des Films, da man auch mit Vampiren immer eine Assoziation mit was bösem und gruseligem hat, aber im Film dann die Vampire mehr lustig, harmlos und hilflos dargestellt werden und auch etwas unmännlich wirken, wie zum Beispiel wenn Deacon strikt oder Vladislav seine Trennungsprobleme anspricht..

Auch wenn man das geringe Budget an einigen Stellen bemerkt, was aber durch den Dokumentarfilm-Stil sehr gut kaschiert wurde, ist es ein schöner Film für einen angenehmen Filmabend, wo am Ende jeder zustimmen wird, dass Stu einfach ein cooler und netter Typ ist.

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