Transcendence

Von Laura Sophie Culik

maxresdefault1-300x168Regen auf scheibenwischendem Autoglas, dadurch das verschwommene Blinken der Großstadtlichter und Sonnenblumen in verschiedenen Stadien des Welkens: die amerikanische Einheitsfilmsymbolik lässt bereits in den ersten Minuten des Films keinen Zweifel daran, dass dieser nicht gut enden wird.

Will Caster (Johnny Depp), der weltweit führende Wissenschaftler auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz, in dem er gemeinsam mit seiner Frau Evelyn (Rebecca Hall) forscht, wird durch eine technologieskeptische Terrorgruppe zum Opfer eines Attentats, indem er mit einer radioaktiven Kugel verwundet wird. Während sein Körper immer schwächer wird, lädt Evelyn mit Hilfe des gemeinsamen Freundes Max Waters (Paul Bettany) sein Bewusstsein in den zuvor entwickelten Supercomputer und generiert so einen virtuellen Will, der weiterlebt. Irgendwo in der Wüste – seit jeher der einzige Ort für wahre Outlaws – baut Evelyn ein Technologiezentrum, das einzig darauf ausgerichtet ist, die unermesslichen Kapazitäten ihres virtuellen Gatten in allen vorstellbaren Bereichen zu erweitern, während die Terroristen unter der Führung von Bree (Kate Mara) dessen Zerstörung planen und sich dafür mit Max und Joseph Tagger (Morgan Freeman), einem weiteren befreundeten Wissenschaftler, sowie dem FBI zusammentun.

bree_blondWäre die Umsetzung nicht so dramatisch gescheitert, wäre es möglich, über diesen wenig originellen Plot hinwegzusehen. Leider jedoch bietet jede Szene neue Klischees oder Stereotypen sowie inhaltliche Unzulänglichkeiten, die sich derart penetrant aufdrängen, dass man sie nicht übersehen kann. Am offensichtlichen ist davon die ausgesprochene Technologiefeindseligkeit, die der Film propagiert. Ab dem Moment des ersten „Isanyonethere?“, das ohne menschliches Zutun auf dem Bildschirm erscheint, ist diese Schöpfung als ein Misstrauen erregendes böses Etwas stilisiert, das sich in der Wüste verstecken muss – obwohl Will 2.0 nichts „Böses“ tut, sondern lediglich, weil seine dreidimensionale menschliche Gestalt fehlt. Seine virtuelle Existenz wird als Monster dargestellt. Erst als er seinen verstorbenen Körper aus Nanopartikeln neu erschaffen hat, ist es möglich, ihn wieder als Menschen wahrzunehmen, der Vernunft annimmt und sich schließlich selbst zerstört.

Auch bei den Charakteren wird an Klischees nicht gespart. Insbesondere die Frauenfiguren sind auf zwei Stereotypen reduziert: Die Irre und die brave Ehefrau. Bree ist als entfeminisierte durchgeknallte Punker-Terroristin dargestellt, die häufig ihre Haarfarbe wechselt und irgendwie einfach dagegen ist. Evelyn, die ja eigentlich selbst eine intelligente Wissenschaftlerin ist und es immerhin geschafft hat, ihren Mann von den Toten auferstehen zu lassen, führt vollkommen devot alle Wünsche ihres Gatten aus. Um diesen amerikanischen Superalbtraum von Cyberterroristen, Radioaktivität, Umweltschützern und omnipotenter künstlicher Intelligenz nicht zu weit zu treiben, muss es wohl zumindest noch eine klassische Rollenverteilung geben.

bree_darkUnd was hat es mit den welkenden Sonnenblumen auf sich? Diese symbolisieren das wahre Interesse des Ehepaars Caster: In ihrem Innern sind Will und Evelyn naturliebende San Francisco-Alternative, die gerne gärtnern und Musik von Schallplatten hören. Ihre Technologie soll eigentlich dem Planeten helfen und die Natur vor den störenden Einflüssen des Menschen bewahren, so präsentiert Will es bei einem Vortrag, der von Luftaufnahmen der unberührten Natur Nordamerikas begleitet wird. Da diese Wunschvorstellung des Pärchens im Großen katastrophal scheitert und Wills virtuelle Existenz (sowie das Internet im Allgemeinen) zerstört wird, lässt sich der Film als Dystopie einer Öko-Diktatur lesen. Die Guten sind hier nicht diejenigen, die mit Hilfe neuer Technologien die Welt schützen wollen, sondern jene, die diese verrückten Gutmenschen mit archaischen Mitteln zerstören wollen.

Nachdem das Internet nicht mehr existiert, verwest Berkeley, das HighTech-Epizentrum, zu einer Kolonie verwirrt herumstreifender, fahrradfahrender, barfüßiger und ungekämmter Gestalten, die Tastaturen als Türstopper benutzen – eine weitere Szene, die an Klischees nicht spart, aber als letzte Szene des Films zumindest etwas positives enthält.

Transcendence, USA/GB 2014, 113′
Regie: Wally Pfister
Drehbuch: Jack Paglen
Kamera: Jess Hall
Darsteller: Johnny Depp, Rebecca Hall, Kate Mara, Cillian Murphy
Verleih: Tobis Film

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