Top Tens

Der amerikanische Independent-Film “Kid-Thing” von David und Nathan Zellner hat uns am Ende überrascht und begeistert zugleich. Der Film aus dem Umfeld der Mumblecore-Szene war auf der diesjährigen Berlinale zu sehen und hatte einen kleinen, wenn auch unbemerkten Kinostart im August (und lief bisher noch nicht in Braunschweig). Er erzählt die Geschichte eines relativ verwahrlosten Mädchens, das im Wald ein Loch findet, in das eine Frau hineingestürzt ist, die es aber nicht rettet, sondern sich als eine Art Haustier hält. Zwar ist diese Episode zentral für den Film (zumal, wenn man versucht, diesen in ein paar Zeilen aufzusummieren), aber ebenso wichtig sind all die anderen Begebenheiten, bei der man Annie (eine großartige Kinderdarstellerin: Sydney Aguirre, die ihrem Nachnamen in dem Film alle Ehre macht!) folgt. Dabei gibt sich der Film von Beginn alle Mühe, dieses Mädchen als das unsympathischste Kind darzustellen, das man je auf der Leinwand gesehen hat, aber die große Leistung der Zellners ist es, dass man ihr trotzdem bereitwillig und gerne durch dieses düstere Kapitel Kindheitsgeschichte folgt, in der neben dem Loch auch noch Paintball-Schießen auf Kuhkadaver, Zähneverlieren beim Rubbellose-Öffnen und Geburtstagskuchenerschlagen auf dem Programm steht.

Als weiterer Lieblingsfilm des Jahres wird uns der umstrittene “Spring Breakers” von Harmony Korine im Gedächtnis bleiben. Sexistische Disneyklamotte für die einen und respektlose Bestandsaufnahme des amerikanischen Traums für die anderen, wobei wir uns geschlossen klar zu letzterem Punkt bekennen, neben vielen anderen Vorzügen, die der Film bietet.

Mit “Tabu” ist auf Platz 4 ein Cinematheks-Film gelandet, der bereits im Dezember 2012 gestartet ist, ein moderner Stummfilm, der das Format nicht wie “The Artist” oder “Blancanieves” nachahmt, sondern weiterentwickelt und außerdem noch viel mehr ist, als das Spiel mit dem gelösten Synchronton (u.a. auch einer der erfolgreichsten Cinematheks-Filme!)

Die vollständige Filmliste findet ihr hier: Rating. Und was den Daumenkinoautoren sonst noch wichtig war, folgt nach der offiziellen Top Ten:

  1. Kid-Thing (David Zellner, 2012)
  2. Der Fremde am See (Alain Guiraudie, 2013)
  3. Spring Breakers (Harmony Korine, 2012)
  4. Tabu (Miguel Gomes, 2012)
  5. Leviathan (Lucien Castaing-Taylor und Verena Parabel, 2012)
  6. Jenseits der Hügel (Christian Mungiu, 2012)
  7. The Legend of Kaspar Hauser (Davide Manuli, 2012)
  8. Michael Kohlhaas (Arnaud des Pallières, 2013)
  9. Vaters Garten – Die Liebe meiner Eltern (Peter Liechti, 2013)
  10. Before Midnight (Richard Linklater, 2013)

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Was ich gerne noch gesehen hätte

von Florian Krautkrämer

(ohne wertende Reihenfolge)

  • 3x3D (Jean-Luc Godard, Peter Greenaway, Edgar Pêra, 2013)
  • Le dernier des injustes (Claude Lanzmann, 2013)
  • Halley (Sebastian Hofmann, 2012)
  • La Jalousie (Philippe Garrel, 2013)
  • Manakamana (Stephanie Spray, Pacho Velez, 2013)
  • Jimmy P. (Arnaud Desplechin, 2013)
  • Norte, hangganan ng kasaysayan (Lav Diaz, 2013)
  • La Fille du 14 juillet (Antonin Peretjako, 2013)
  • La Bataille de Solférino (Justine Triet, 2013)
  • The Canyons (Paul Schrader, 2013)

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Mein Kinojahr 2013 … bzw. ich habe noch nie soviele gute schlechte Filme gesehen.

von Arne Fischer

Resümierend muss ich sagen, dass es mehrere Filme gab, die wegen der besonderen Ausgestaltung eines Stilmittels hervorragend wurden. Kein Grund ständig weiter zu nörgeln.

1. Der Schaum der Tage (Michel Gondry, 2013). Bester Bildaufbau.
2. The Act of Killing (Joshua Oppenheimer, 2012). Beste Doku.
3. Workers (José Luis Valle, 2013). Beste Story.
4. Spring Breakers (Harmony Korine, 2012). ?!??&!!!?
5. Pacific Rim (Guillermo del Toro, 2013). Beste Action trotz allem.
6. Shirley – Dimensions of Reality (Gustav Deutsch, 2013). Bester “Kunst”-Film.
7. Leviathan (Lucien Castaing-Taylor, 2013). Beste Kameraführung.
8. Oblivion (Joseph Kosinski, 2013). Bester Soundtrack von M83
9. Alphabet (Erwin Wagenhofer, 2013). Wichtigster Inhalt.
10. 8 1/2 (Federico Fellini, 1963). Bestes Retro-Erlebnis.

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Delikates Spielefutter

Von Philipp Fust

1. Monster Hunter Tri Ultimate (Capcom)
2. Final Fantasy XIV: A Realm Reborn (Square Enix)
3. Dragon’s Dogma: Dark Arisen (Capcom)
4. Ni No Kuni: Wrath of the White Witch (Level-5)
5. Super Mario 3D World (Nintendo)
6. Dragon’s Crown (Atlus/Vanillaware)
7. Tomb Raider (Crystal Dynamics)
8. Grand Theft Auto V (Rockstar North)
9. Metal Gear Rising: Revengeance (Platinum Games)
10. The Last of Us (Naughty Dog)

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Die besten musikalischen Film-Momente

Von Jennifer Ament

1. Spring Breakers (Harmony Korine, 2012)
Die grandiose Britney Spears Szene am Klavier, in der sich der Einsatz von “Everytime” von Hommage zu Verbrechens-Soundtrack wandelt. Das Ende der Unschuld perfekt vertont.

2. The Legend of Kaspar Hauser (Davide Manuli, 2012)
Eigentlich der ganze Film, aber insbesondere die letzten Minuten inklusive Abspann. Wahnsinns-Film mit Wahnsinns-Musik von Vitalic.

3. Ich und Du (Bernardo Bertolucci, 2012)
Der Schlüsselmoment, in dem Bruder und Schwester zu “Ragazzo solo, ragazza sola” (der italienischen Version von David Bowies “Space Oddity”) tanzen. Zwischen Einsamkeit und Nähe der schönste und melancholischste Moment des Films.

4. Inside Llewyn Davis (Ethan & Joel Coen, 2013)
Passender, minimalistischer Einstieg: “Hang Me, Oh Hang Me”, gesungen von Oscar Isaac. “If it was never new, and it never gets old, it’s a folk song”

5. This is the End (Evan Goldberg, Seth Rogen, 2013)
Was erwartet einen im Himmel? Natürlich die Backstreet Boys… “No fucking way!” Vielleicht nicht das beste, aber definitiv das bescheuertste Film-Ende des Jahres.

Besondere Erwähnung: Breaking Bad (Vince Gilligan, 2008-2013)
Die musikalisch perfekte Rahmung der finalen Folge “Felina”. Von Marty Robbins’ “El Paso” bis zu Badfinger’s “Baby Blue” wird die Geschichte von Walter White in ihrer Essenz eingefangen und würdig zu Ende gebracht.

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Das Serienjahr 2013

Von Miriam Eck

Die Besten Neustarts im deutschen Fernsehen 2013:

  • Homeland (Ein aktuelles Thema, spannend und glaubwürdig umgesetzt)
  • The Following (Auch Serienkiller haben Fans!)
  • Grimm (basierend auf den Märchen der Brüder Grimm mit sympathischen Charakteren)

Die größten Enttäuschungen 2013:

  • Dracula (Bisher so blas wie das Gesicht von Darsteller Jonathan Rhys Meyers)
  • Arrow (Der moderne Robin Hood  ist zwar  was fürs Auge aber die Story wirkt gehetzt und unglaubwürdig)
  • Hannibal (War nicht so spannend und ein bisschen wirr, wird hoffentlich besser)

Die besten Fortsetzungen 2013:

  • Game of Thrones Staffel 3 (Ein bisschen zu viel Softporno, trotzdem ein Must-Seen 2013)
  • Once upon a Time Staffel 3 (manchmal etwas kitschig, aber die schlauen Verstrickungen der verschiedenen Märchenfiguren untereinander machen die Serie einfach sehenswert. In Staffeln 3 gab es zudem neue Charaktere wie Ariel die Meerjungfrau oder Fiesling  Peter Pan)
  • The Good Wife Staffel 5 (Die immer noch gute Charakterentwicklung macht diese Serie weiterhin empfehlenswert)

Die schlechtesten Fortsetzungen 2013:

  • Misfits Staffel 3 (Die anfangs so gute Serie wurde mit einem sinnlosen Darstellerwechsel leider völlig zerstört)
  • Supernatural Staffel 9 (Wann ist die Serie endlich abgeschlossen? Bzw. welcher der Brüder stirbt in dieser Staffel, nur um in der nächsten eh wieder aufzuerstehen?)
  • Dexter Staffel 8 (Die Serie wurde zu lange ausgeschlachtet)

 Die wichtigsten Serienabschiede 2013:

  • Dexter mit 8 Staffeln (Endlich! Das Finale dürfe nicht jeden glücklich gemacht haben)
  • Breaking Bad mit 5 Staffeln (Starke Serie, starkes Ende)
  • How I met you Mother mit bald 9 Staffeln (Ist zwar noch nicht ganz vorbei, aber wir wissen schon wer die Mutter ist)

Was ich 2013 eigentlich noch sehen wollte:

  • The White Queen (Frauenpower im 15 Jahrhundert Englands)
  • Almost Human (Sciencefiction über ein Ermittlerduo, das sich aus einem Menschen und einem lebensechten Androiden zusammensetzt)
  • House of Cards (Kevin Spacey als ehrgeiziger Kongressabgeordneter, dem  für seinen Erfolg jedes Mittel recht ist)

Die  Fortsetzungen auf die ich mich 2014 am meisten freue:

  • Sherlock Staffel 3 (der wohl beliebteste soziopath löst endlich wieder Fälle)
  • The Walking Dead Staffel 5 (nach dem nervenaufreibenden letzten Staffelfinale will man nun auch wissen wie es weiter geht)
  • Hannibal Staffel 2 ( Denn Mads Mikkelsen als Kanibale hat mehr Potenzial als er bisher  zeigen konnte!)

 Die Neustarts auf die ich mich 2014 am meisten freue:  

  • From Dusk Till Dawn (Der Kultfilm von Robert Rodriguez als Miniserie: Könnte sehr gut, aber auch sehr schlecht werden)
  • True Detective  (Die Besetzung! Matthew McConaughey und Woody Harrelson)
  • The Strain (Vampirhorror unter Regie und nach der Romanreihe von Guillermo del Toro: Endlich wieder Hoffnung auf eine Vampirserie ohne liebeskranke Möchtegern-Blutsauger)

2 Responses to “Top Tens”

  1. Bartel

    Schön das hier der wunderbare KID THING Erwähnung gefunden hat. Leider ist diese Perle im wirren filmischen Durcheinander des Jahres 2013 völlig verloren gegangen. Die Vorfreude auf die zweite Staffelhälfte von THE WALKING DEAD kann ich allerdings überhaupt nicht nachvollziehen. Nach unglaublich schlecht erzählten 7 Episoden war das Finale die reinste Augenwischerei um die (sonst wahrscheinlich verlorengegangenen) Schäfchen wieder bei der Stange zu halten. Dexter´s “Ende” war wohl das katastrophalste TV-Ereignis des Jahres. Traurig. Wirklich traurig.

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    • Miriam

      Ich hätte auch schreiben sollen: Dexter endete mit 8 Staffeln (Endlich! Das Finale dürfe NIEMANDEN glücklich gemacht haben) 🙂

      Reply

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