To the Wonder – Erzwungene Intimität

to-the-wonder-picture09Terrence Malicks plötzlicher Arbeitsschub ist vielen ein Rätsel. Der Regisseur, der früher mehrere Jahre zwischen seinen einzelnen Werken vergehen ließ und in seiner 40jährigen Karriere bisher gerade mal sechs Filme drehte, feierte nur etwas mehr als ein Jahr nach seinem letzten Film bereits die Premiere des Nächsten. Und zwei weitere sind schon in Produktion. To the Wonder (USA 2012) kann zwar visuell mit seinem Vorgänger mithalten, wirkt aber ansonsten eher wie aufgeblasene Banalität.

Mit amateurhaften Aufnahmen in Handykamera-Ästhetik steigt To the Wonder in eine schwülstige Erzählung über verschiedene Formen von Liebe ein. Das Wesen der neuen Liebe soll eingefangen werden durch verspielte, wackelige Aufnahmen und wird ergänzt vom allgegenwärtigen Voice-Over. Verortet irgendwo zwischen Kommentar und Erinnerung klingt alles verträumt und melancholisch, aber auch zwanghaft bedeutungsschwer. Die Kamera wechselt zum „normalen“ Bild und fängt Momente zwischen den beiden Verliebten ein, wie sie durch die Stadt laufen, sich berühren, sich aufgeladene Blicke zuwerfen und umeinander tänzeln, aber gesprochen wird nur im Off. Im Fokus steht die Liebesgeschichte zwischen der in Frankreich lebenden Ukrainerin Marina (Olga Kurylenko) und dem Amerikaner Neil (Ben Affleck). Gemeinsam mit Marinas 10jähriger Tochter ziehen sie in eine Kleinstadt in Oklahoma, aber weil Mutter und Tochter in der neuen Heimat nicht glücklich werden, kehren sie bald nach Frankreich zurück, während Neil eine alte Romanze kurzzeitig aufflammen lässt. Irgendwann kommt Marina zurück zu Neil, sie heiraten und finden in ihrem ewigen Hin und Her doch kein Glück. Verwebt wird alles mit der Geschichte des katholischen Priesters Quintana (Javier Bardem), der sich in einer Glaubenskrise befindet. Die Probleme des Paares in ihrem Kampf, an einer Liebe festzuhalten wird den Schwierigkeiten des Priesters in seinem eigenen Ringen, an Glaube und Liebe zu Gott festzuhalten gegenübergestellt.

To-The-Wonder1Einer der größten Störfaktoren des Films ist die Unzugänglichkeit seiner Figuren. Ihr stark skizzenhafter Charakter hält den Zuschauer auf Distanz, wobei gleichzeitig auf zahlreiche andere Weisen zwanghaft versucht wird, ihnen nahe zu kommen. Aber erzwungene Nähe führt nicht automatisch zu Intimität und so wirken das nahe Herantreten der Kamera und das flüsternde Voice-Over eher unangenehm. Zudem hat das Gesagte wenig mit dem Gezeigten zu tun. Den ganzen Film über wird von tiefen Gefühlen gesprochen, die sich in den Bildern so gut wie gar nicht vermitteln. Zwischen Ben Afflecks Neil, der ungefähr so zugänglich und interessant ist wie ein Stück Holz, und Olga Kurylenkos Marina, die grenzwertig verträumt und verspielt durchs Leben tänzelt, entsteht zu wenig Chemie, als dass ihre große Liebesgeschichte glaubhaft werden könnte. Stattdessen ist das Ergebnis eine lange Aneinanderreihung von großen, wunderschönen Bildern und großen, aber leeren Worten. Dieser schwer pathetische Stil zieht sich durch den gesamten Film und wirkt in jeder Hinsicht überladen. Die großartige Kameraarbeit von Emmanuel Lubezki schafft es zwar, eine regelrechte Flut an Bildern besonderer Momente einzufangen, die in ihrer Masse allerdings nicht mehr herausstechen können. Vielleicht ist die enorme Aufladung genau deshalb so störend, weil To the Wonder im Gegensatz zu seinem Vorgänger The Tree of Life thematisch bodenständiger und stärker gegenwartsbezogen ist – man könnte auch sagen: banaler. Wieso muss Liebe als etwas mystifiziert werden, was sie nicht ist? Vielleicht ist das Problematischste an Malicks neuer Arbeitswut auch, dass es durch den geringen zeitlichen Abstand schwieriger wird, die Filme für sich zu betrachten und man schnell Vergleiche zieht. Der Raum zum Atmen fehlt und sein spezieller Stil wirkt prätentiös und wird nur noch anstrengend. Eigentlich schade.to_the_wonder_terrence_malick_411

To the Wonder, USA 2012, 112′
Regie und Drehbuch: Terrence Malick
Kamera: Emmanuel Lubezki
Musik: Hanan Townshend
Besetzung: Ben Affleck, Olga Kurylenko, Javier Bardem,
Rachel McAdams
Verleih: Studiocanal
Kinostart: 30.05.2013

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