Tiger Girl

Maggie, ein schüchternes und höfliches Mädchen, wird in einer Berliner Nacht mehrmals vom Berliner Mädel Tiger vor der betrunkenen Männerschaft gerettet. Prompt nennt Tiger sie in Vanilla um und eine Freundschaft beginnt, in der sie sie in ihre Welt voller Gewalt, Kleinkriminalität und Drogen nimmt. Die zwei Frauen, die kaum unterschiedlicher sein könnten, verbindet scheinbar eins: Der Drang zum Ausbruch, aus neoliberalen wie auch aus Geschlechter-Zwängen.

Typischerweise nähert sich Vanilla der Attitüde Tigers immer mehr an, vernachlässigt Disziplin in ihrer Ausbildung im Sicherheitsdienst und verliert diese Stelle schlussendlich ganz. Nachts streunen die beiden durch die Straßen Berlins, um Leute abzuziehen oder ihnen aus Spaß zu demütigen oder Gewalt anzutun. Alles á la Clockwork Orange, nur leider ohne die dahinterstehende Substanz, die das alles rechtfertigen oder zumindest erläutern würde. So bleibt uns nicht viel mehr als scheinbar sinnfreie Gewaltakte im Deckmantel der Female Empowerment. Gerne werden hier Männer entblößt, um sie lächerlich zu machen und schutzlos stehen zu lassen. Eine Moral lässt sich hierin nicht erkennen, nur den Gedanke des Zahn um Zahns, das uns in der Geschlechtergleichstellung eher zurückwirft und tiefere Gräben aufmacht als progressiv zu wirken.  Aber vielleicht ist auch dies genau der Ansatzpunkt des Filmes. Ein (medien-)kritischer Ansatz radikaleren Feminismusbewegungen gegenüber, die Mannsein als Negativmerkmal und schlussendlich Gegenpol sehen.

Die anfangs noch so dichotome Freundinnen wechseln ihre Rollen und Vanilla zieht ungezügelt und voller (Un-)Tatendrang von einem Opfer zum Nächsten. Auch die Polizei stellt keine Grenze für sie dar. Tiger versucht zu erklären, dass ihre Gewalt nie ohne Grund geschehe, das bei Vanilla – und auch beim Zuschauer inszenatorisch und auch inhaltlich – nicht ankommt.

Am Ende bleibt nur die Frage, was Jacob Lass damit bezwecken möchte außer die Sehgewohnheiten und Moralvorstellungen der Zuschauer mit spektakulären Bildern der Gewaltdarstellungen von Frauen zu irritieren und zu hinterfragen. Eventuell eine kritische Stellungnahme zu fehlgeleiteten Strömen im Feminismus? Oder wird hier im Gegenteil eine größer werdende männliche Angst vor der Popularisierung der feministischen Diskurse und Praktiken in einer dystopisch konnotierten Filmwelt reflektiert? So ganz gibt uns Tiger Girl keine Antwort darauf.

Deutschland 2016, 90 Min.

Kinostart: 06.04.2017

Regie: Jakob Lass

Kamera: Timon Schäppi

Schauspieler: Ella Rumpf, Maria Dragus

 

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