This Ain’t California

Callgirl_Plakat.inddSkater in der DDR – sie galten als Außerirdische. Skaten war eine West-Legende und schien der Ideologie des sozialistischen Staates zu widersprechen. Dieser Dokumentarfilm zeigt die Entstehung der Rollbrettfahrerszene in der DDR in den 80iger Jahren, erzählt auf dem Hintergrund einer engen Freundschaft zwischen drei Jungs, die zusammen das Skaten für sich entdecken. Die Geschichte von Nico, Dirk und Denis wird von einem der drei Freunde nacherzählt. Anlass hierfür ist die Beerdigung von Denis, der bei einem Militäreinsatz in Afghanistan ums Leben gekommen ist.

Der Film ist eine Komposition aus Archivmaterial aus der DDR, nachgedrehten Szenen und Animationen. Unter anderem ist es diese Vielfältigkeit des Filmmaterials, die This Ain’t California eine besondere Ästhetik verleiht.
Die prägnante, sympathische Stimme des Erzählers führt durch die Geschichte ihrer Freundschaft, die von einem Drang nach Freiheit und Lebenslust geprägt ist. Die Stimme verleiht dem Film einen besonderen Charakter und macht aus ihm einen eindringlichen Dokumentarfilm, wobei die Grenze zur Fiktion nicht immer ganz klar ist. Bei welchen der Aufnahme es sich um Originale handelt und bei welchen nicht, bleibt zum Teil Spekulation.
Ein entscheidendes Element des Films ist der Soundtrack. Anfänglich kann dieser als sehr aufdringlich und laut empfunden werden, im Laufe des Films vereint er sich aber eindringlich mit den ästhetischen Bildern. Kraftvoll wie der Soundtrack sind auch der Freiheitsgeist der Protagonisten und der Wille, entgegen der DDR-Ideologie, Spaß und Grenzenlosigkeit zu erleben. Besonders der Leistungsschwimmer Denis hatte unter enormem Druck zu leiden und nutzte das Skaten regelrecht als Protest. Besser zu sein als die anderen spielte hierbei keine Rolle. Der Spaß am Skaten stand im Vordergrund.
Im Laufe ihrer Geschichte geraten die Skater immer wieder in Kontakt mit Regulierungen durch den Staat, die ihrer Idee von Freiheit entgegenwirken sollen. So kommt es schließlich kurz vor dem Fall der Mauer zu Denis Verhaftung durch die Staatssicherheit. Da sich die Wege der Freunde mit der Wende trennen, kommt die Geschichte an dieser Stelle an ihr Ende. Durch die Verarbeitung der verschiedenen Filmmaterialen wird das Medium Film selbst reflektiert. Die Originalaufnahmen in Super 8-Format, oder die geschickt eingespielten animierten Filmanteile reflektieren das Material selbst. Dieser Film vereint eine rasante, vielseitige und vor allem humorvolle Erzählung mit kraftvollen Bildern und Einblicken in eine Kindheit und Jugend voller Repression. Freundschaft und grenzenloser Spaß sind die zentralen Aspekte dieses Films.
„Ich habe überhaupt keine Nostalgie für die DDR – wenn ich an die DDR denke, denke ich an meine Freundschaften damals“, formuliert es einer der Freunde aus der heutigen Perspektive. Besonders wegen der enormen Ästhetik, aber auch aufgrund einer geschickten Verknüpfung vieler inhaltlicher Facetten, ist THIS AIN’T CALIFORNIA überaus sehenswert.

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(gesehen auf der Berlinale, Perspektive Deutsches Kino) Deutschland, 2012, 90‘,

This Ain’t California, Deutschland, 2012, ’90
Regie: Marten Persiel
Drehbuch: Marten Persiel, Ira Wedel
Produktion: Ronald Vietz, Michael Schöbel
Kamera: Felix Leiberg
Verleih: Farbfilm
Kinostart: 16.08.2012

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