The Royal Train

Die Monarchie ist tot, lang lebe die Monarchie! The Royal Train dokumentiert die Zugreise des aussterbenden Könisgshauses Rumäniens, welches in seinen letzten Zügen nach einer Relegitimierung der lange entzogenen Machtpositionen eifert. Der Film brilliert als absurd Tragik-komisches Abbild von verstaubten Traditionen.

Die Thronfolgerin winkt aus dem Zug – Bild: Navigator Film

1947 wurde in Rumänien die Monarchie vom Kommunismus abgelöst; König Mihai I. wurde abgesetzt und floh ins Exil in die Schweiz. Der Film konzentriert sich auf König Mihais Tochter, Margerita von Rumänien und ihren Ehemann Prinz Radu Duda.
Auf ihrer jährlichen Zugreise mit dem royalen Zug werden die beiden an Bahnhöfen in ruralen Gegenden Rumäniens festlich empfangen. Dabei verläuft gleichzeitig alles und nichts nach Protokoll: In der Vorbereitung wird von einem Team noch minutiös verhandelt, wie viele Schritte das Ehepaar nach Verlassen des Zuges absolvieren muss, damit an jedem Bahnhof derselbe Eindruck vom Königshaus entsteht. Bei der Umsetzung läuft dann aber doch einiges schief. Mal sitzt der rote Teppich nicht richtig und ist schmutzig, an einem anderen Ort stellt sich die Bahnhofsleiterin quer – ihr Bahnhof sei eben genau das und kein Königspalast. In allerlei absurden Szenen wird also mit der versuchten royalen Inszenierung gebrochen; alter Staub wird durch die in sich brüchige Inszenierung davongepustet – die Königsfamilie demaskiert sich selber.

Das Material, welches Regisseur Johannes Holzhausen und sein Team zusammengetragen haben, funktioniert auf mehreren Ebenen durch zahlreiche zwangsverheiratete, eigentlich unpassende Dualismen. Durch die eigene, aufwendige Inszenierung der Königsfamilie, verschwimmen die Grenzen zwischen Fact und Fiction. Oft wirkt „The Royal Train“ so eher wie ein Spielfilm. Der Monarchie wird mit dem Kommunismus eine Regierungsform gegenübergestellt, welche in Rumänien auch schon wieder längst Geschichte ist und in den filmischen Bildern, sowohl symbolisch, als auch wortwörtlich abblättert. Und die veralteten, teils reaktionären Gedanken und Traditionen bekommen von der Königsfamilie eine Verjüngungskur, die in sich selber nicht funktionieren kann. Holzhausen weiß auch, wie er den vielen humorigen Szenen tragische entgegenstellen kann, welche zur Selbstreflektion einladen und den Film nicht mit einer einseitigen Betrachtungsweise verenden lassen.

The Royal Train funktioniert also immer genau in den Sequenzen, in denen Gegensätze zusammengedacht werden sollen. In Bildern und Geschichten, die die Boulevardzeitschriften niemals zeigen und erzählen könnten, demaskiert The Royal Train das, was eigentlich nicht zu demaskieren war, aber das immer wieder auf clevere Art und Weise. Die Monarchie ist tot, ja wahrlich, das ist sie.

The Royal Train, AT/RO 2019, 94 Min.
Regie: Johannes Holzhausen
Drehbuch: Johannes Holzhausen, Constantin Wulff
Kamera: Joerg Burger

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