The Pilgrim – Paulo Coelho’s Best Story

The Pilgrim – Paulo Coelho’s Best Story erzählt die Lebensgeschichte des brasilianischen Schriftstellers Paulo Coelho, welcher mit über 210 mio. verkauften Büchern weltweit zu einem der erfolgreichsten Autoren der Gegenwart zählt. Der Film beschreibt Coelho’s Werdegang in drei Etappen vom Teenager-Alter in den 60ern, über seine Arbeit als Songschreiber in den 80ern bis zum Leben als zelebrierter Bestsellerautor in den 2010er Jahren. Diese unterschiedlichen Stadien sind nicht chronologisch angeordnet, sondern wechseln sich immer wieder ab.  Eine zugrundeliegende narrative Struktur lässt sich jedoch nur erahnen, da der Zuschauer kaum etwas über die Hauptfigur erfährt, das tiefer geht als bloße Schlagworte.

Der junge Paulo Coelho ist geplagt von Minderwertigkeitskomplexen und dem Konflikt mit seinem Vater, welcher nicht daran glaubt, dass Paulo Coelho seinen Traum, nur vom Schreiben zu Leben, wahr machen kann, und zudem mit der Verwirklichung seines eigenen Traumes, ein luxuriöses Anwesen zu bauen, beschäftigt ist. Nach und nach entfernt Paulo Coelho sich nun immer mehr aus dem Einflussbereich seines Vaters und entdeckt seine Freiheit, bis es schließlich zum großen Konflikt kommt und Paulo auszieht.

Paulo Coelho in den 80ern hat sich nun vollständig von seinen Eltern losgelöst und lebt ein romantisiertes Rockstarleben als erfolgreicher Songschreiber. Er beginnt sich für Spiritualität und Magie zu interessieren und baut dies auch in seine Songs ein. Er unternimmt schließlich seine erste Pilgerreise auf dem Jakobsweg – warum genau ist nicht ganz klar, da dies in der Geschichte zwar noch einige weitere Male vorkommt, der Film sich jedoch nicht die Mühe macht zu erklären, was sich Paulo Coelho hiervon erhofft oder was er auf dem Weg erlebt bzw. lernt. Stattdessen sieht man ihn stets nur laufen oder rasten, ohne dass wir einen konkreteren Blick in sein Inneres erhalten. In dieser Zeit kommt es gegen Ende des Films schließlich zu der Versöhnung mit seinem Vater, und der einzige wirkliche Konflikt des Films ist scheinbar gelöst.

Die Perspektive des alten Paulo Coelhos ist narrativ am schwächsten, da eigentlich nichts Neues erzählt wird. Er hat sein Ziel schließlich erreicht und ist ein erfolgreicher Autor geworden. Er wird auf der Straße erkannt und man begegnet ihm entweder mit Verehrung oder Gleichgültigkeit. Paulo Coelho wirkt zufrieden mit seinem Leben und läuft ein weiteres Mal, jetzt mit Ehefrau, den Jakobsweg.

Generell lassen sich zwar übergeordnete Themen finden, die in The Pilgrim durchgehend relevant sind, wie beispielsweise das Erwachsenwerden, der Konflikt zwischen Vater und Sohn, Spiritualität und Selbstverwirklichung, wirklich kennen lernt man Paulo Coelho jedoch nicht.  Stattdessen  ist Dreh- und Angelpunkt der Geschichte lediglich der abstrakte Wunsch, die eigenen Träume zu verwirklichen, der jedoch nicht nur für ihn selbst, sondern für viele Charaktere in der Geschichte wie beispielsweise auch seinen Vater eine Rolle spielt. The Pilgrim ist somit in gewisser Weise ein Biopic, das seine eigentliche Geschichte, nämlich „Paulo Coelho’s Best Story“ gar nicht erzählt, sondern nur an der Oberfläche zu kratzen vermag.

Reihe: Neues Internationales Kino
The Pilgrim – Paulo Coelho’s Best Story, Brasilien, Spanien, 2014, 122 Min.
Regie: Daniel Augusto
Buch: Carolina Kotscho
Kamera: Jacob Solitrenick
Darsteller: Julio Andrade, Ravel Andrade, Fabiana Gugli
Verleih: Picture Tree International

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