THE NET

Fischer Nam Chul-woo lebt mit Frau und Tochter in einfachen Verhältnissen auf der Nordseite eines Flusses zwischen Nord- und Südkorea.  Er verdient sich sein weniges Geld mit einem kleinen Fischerboot. Doch dann verfängt sich sein Netzt im Außenbordmotor und er treibt auf die Südkoreanische Seite, wo er sofort festgenommen- und der Spionage verdächtigt wird. Der südkoreanische Regisseur Kim Ki-duk ist für seine pessimistischen Dramen bekannt, die eher das schlechte auf der Welt zeigen und dessen Filme oft Formen der Grausamkeit darstellen. Auch „the Net“ ist ein aufwühlender und oft unangenehmer Film, der es dadurch aber schafft eine enge Bindung zwischen Hauptfigur und Zuschauenden aufzubauen. Nam Chul-woo steht symbolisch für das einfache Volk und muss für die Kinobesucher leiden, damit die Sinnlosigkeit dieses Konflikts zwischen Nord-und Südkorea nicht nur das Kopfschütteln und Unverständnis von oben herab auslöst, sondern auch emotional bei den Zuschauenden ankommt. Es ist zermürbend bei den Befragungen der Regierungsleute zuzuschauen. Der Film nimmt sich dabei sehr viel Zeit und macht es dabei nachvollziehbar, wie der Fischer dabei immer mehr zerstört wird. Selbst Menschen, die ihm helfen wollen schaden ihm, da sie seine Situation nicht verstehen und in ihm nur sehen, wie sie sich einen Nordkoreaner vorstellen. Einen gehirngewaschenen Mann, den man vor seiner Heimat retten müsse.

Dabei zeigt der Film das sogenannte Resettlement-Programm. Flüchtlinge, die es nach Südkorea schaffen, werden zunächst vom südkoreanischen Geheimdienst überprüft. Die kann bis zu sechs Monaten dauern. Danach versucht man sie durch schulische Maßnahmen in die Südkoreanische Gesellschaft zu integrieren. Für den Neunanfang bekommen sie Wohnungen und Startgeld. Nam Chul-woo möchte jedoch einfach nur zurück nach Nordkorea zu seiner Familie. Der Film klistiert dabei nicht nur den Umgang mit den Flüchtlingen bei den Befragungen und den tief eingeprägten Hass und das gestörte Verständnis zwischen den Süd-und Nordkoreanern, sondern stellt auch die Frage danach, was ein Mensch eigentlich braucht, um glücklich zu sein. So wird Nam Chul-woo mit der ganzen Wucht einer kommerzialisierten Gesellschaft konfrontiert. Geschickt inszeniert verliert sich der Nordkoreaner, der Zuhause in seinem Land kaum Dinge besitzt, in der Masse der Lichter, Waren und Menschenmassen, um dann zu erkennen, das selbst dieses System einige seiner Leute fallen lässt. Auch wenn der Regisseur dies eher unbeholfen in den Film einbaut, durch eine Frau die ihren Körper unfreiwillig verkauft.

Als der Fischer nach länger Zeit endlich nachhause darf, werden ihm Abschiedsgeschenke gegeben. Denn die Menschen können sich nicht mehr vorstellen, wie man ohne den Konsum glücklich sein könne.  Nam Chul-woo nimmt nur das Geld, denn der größte Feind in seinem Land ist der Hunger und fehlende Arbeit. Zuhause beginnt der Alptraum von neuem. Die Befragung laufen fast genauso ab, nur mit weniger moderner Ausstattung. Nur kurz angeschnitten wird der bizarre Führerkult um Kim Kim Jong-un und der indoktrinierte Hass gegen alles, was nicht Nordkoreanisch ist. Nur das Geld, das wird auch gerne von den „systemtreuen“ Staatsmännern genommen. Für den Fischer nimmt der Film kein gutes Ende. In der letzten Einstellung des Films sieht man seine Tochter mit einem neuen Hightech-Teddy aus Südkorea in der Hand. Sie legt ihn weg und nimmt den kaputten und einfachen  alten Teddy zu sich. Dann lächelt sie in die Kamera.

THE NET
(orig. GEUMUL)
Südkorea 2016
Regie: Kim Ki-duk
Cast: Ryoo Seung-bum, Lee Won-gun, Kim Young-min, Choi Guy-hwa
Producer: Kim Soon-mo
Production Company: Kim Ki-duk Film Produktion
Music: Park Young-min
Genre: Drama

 

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