The Midnight After (Berlinale)

Sektion: Panorama / Regie: Fruit Chan / Hongkong/China 2014 / 124′

Los gehts mit einem intensiven Genre-Mash-Up der unerwarteten Art: Fruit Chan stellt im treibenden Takt einer wuchtigen Soundcollage eine illustre Reisegruppe zusammen, die sich mit dem Mini-Bus vorübergehend dem in grelles Neonlicht getauchten Leben Hongkongs entziehen möchte. Bis alle Platz genommen haben, werden die Erzählstränge in schnellen Schnitten und Dialogen zusammengeführt. Die Reiseroute durch den Tunnel führt in eine merkwürdige Dimension, in der zwar die Mobilfunknetze funktionieren, sonst jedoch kein weiteres Leben außerhalb des Busses zu existieren scheint. Einige der Protagonisten verschwinden, andere sterben kurz darauf auf unnatürliche Weise, einer der Hauptcharaktere erlebt seltsame Visionen und fürchtet sich, den anderen von der fremden Gestalt mit der Gasmaske zu erzählen.

Die Kombination der Klischees ist trashig-belustigend. Die stark überzeichneten Genre-Elemente erfahren meist e
ine heftige Wendung bevor sie sinnlose Zitate darstellen würden. Nach über einer Stunde wahnsinniger Spannung folgt jedoch der Ablauf einer zu ausgebreiteten Vergewaltigungsszene und der anschließenden Selbstjustiz der Gruppe, wovon sich die Stimmung des Film nicht richtig erholt und mit einem Action-Element einen unbefriedigenden Abschluss findet. 

Einzig die im Hintergrund schwelende politische Ebene, durch den einsetzenden roten Regen in Kombination mit dem Unglück der Japaner von Fukushima lässt vermuten, dass sich mit Insiderwissen noch einiges mehr aus dem Streifen herauslesen ließe, wodurch dem Film dennoch ein “gelungen” zuzugestehen ist.

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