The Lunchbox

the-lunchboxNoch eine Prise eines ganz besonderen Gewürzes empfiehlt die Nachbarin, von der wir nur die Stimme hören, Ila (Nimrat Kaur) und fertig ist ein köstliches Gericht für ihren Ehemann. Schnell wird es in The Lunchbox (von Ritesh Batra) verpackt, in eine Thermobox gesteckt und an einen Fahrer der “Dabbawallas” übergeben. Man folgt den Dabbawallas und der Lunchbox durch Mumbai. Auf Fahrrädern, in Zügen und auf Rollern liefern sie abertausende Mahlzeiten anarchisch anmutend durch die indische Metropole und versorgen die arbeitenden Männer mit Gerichten, die ihre Frauen daheim für sie zubereitet haben. Fehllieferungen sind ausgeschlossen, das hat die Universität Harvard in einer Studie herausgefunden, verkündet später ein Mitarbeiter dieses organisatorischen Meisterwerkes.

Ein Fehler passiert den Dabbawallas aber doch, denn Ilas Gericht landet nicht bei ihrem sie vernachlässigenden Eheman, bei dem sie vergeblich versucht mit ihrem Essen um mehr Zuwendung und Leidenschaft zu werben. Vielmehr kommt zufällig der verwitwete, mürrische und deutlich ältere Sajaan Fernandez (Irrfan Khan) in den Genuß ihrer Kochkünste und per in der Lunchbox transportierter Briefe kommen sich die beiden näher. Eine romantische Geschichte mit zwei starken Schauspielern entspannt sich langsam vor der Kulisse Mumbais, von dem aber vor allem Großraumbüros und karge Wohnungen, sowie eine völlig überlastete Infrastruktur zu sehen sind. Die seichten Sehnsüchte der beiden kommen zwar zurückhaltend daher und drücken die üblichen melancholischen Bedürfnisse nach Vertrauen, Geborgenheit und Aufmerksamkeit der in ihrem Leben vereinsamten und mit den Bürden des Alltags bzw. Schicksalsschlägen konfrontierten Menschen einer Großstadt aus, nach dem 32. Öffnen der Lunchbox mit anschließendem Verlesen des Briefes jedoch verliert die ganze Romanze etwas an Spannung.

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Die Dabbawallas sind dabei nicht nur Überbringer der Botschaften, sie bilden ein Symbol der Verflechtungen, der Wege und Räume der Großstadt selbst. Der eigene Glaube an ihr vermeintlich perfektes Verteilungssystem, bei dem sich nur Sender und Empfänger, aber niemand den Weg und die Boten kennt, wird durch den Zufall märchenhaft erschüttert und lässt so Platz für zwischenmenschliche Nähe. Nicht zuletzt auch der omnipräsenten indischen Küche ist es zu verdanken, dass The Lunchbox doch noch so etwas wie ein leichter Zauber innewohnt. Der Duft der Gewürze liegt förmlich über der Leinwand.

 

Dabba/The Lunchbox, India/France/Germany 2013
Regie: Ritesh Batra
Drehbuch: Ritesh Batra, Rutvik Oza
Komponist: Max Richter
Kamera: Michael Simmonds
Besetzung: Nimrat Kaur, Irrfan Khan, Nawazuddin Siddiqui
Verleih: NFP
Kinostart Deutschland: 21. November 2013

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