The Love Witch

Anna Billers The Love Witch wirkt zunächst wie ein reiner Pulpfilm, was sich auf den zweiten Blick jedoch als nicht ganz richtig entpuppt. Denn die Regisseurin wie ihr Kameramann M. David Mullen sind auf alte Filmstile und Ästhetiken spezialisiert. So erhält der Film aus dem Jahr 2016 einen 1960er Look, der mit seiner Geschichte agiert und spielt: Er widmet sich auf feministischer Ebene dem Mythos der Hexe.

Die junge Femme fatale Elaine wurde von ihrem Ehemann verlassen und lies sich anschließend als Hexe ausbilden. Nach der tödlichen Rache an ihrem Ex-Mann ist sie auf der Suche nach ihrer großen Liebe und greift dabei auf Zaubersprüche und Tränke zurück. Allerdings ist ihre Sehnsucht zu groß und ihre Magie zu stark. Alle Männer werden vor Liebe zu ihr verrückt, weinlich und begehen Suizid. Als Elaine dann doch die wahre Liebe findet holen sie ihre Taten ein. Auch diese Liebe scheitert. Elaines tödliches Verlangen geliebt zu werden lässt sie letztendlich wahnsinnig werden. Sie tötet ihren letzten Geliebten und findet letztendlich Frieden.

Anna Biller behandelt in ihrem Film ein weibliches Verlangen nach Bestätigung und Anerkennung welches sich jenseits des männlichen Blickes befindet. Ihre Protagonistin handelt freibestimmt und sucht sich ihre Männer selbst. Keiner kann ihre egozentrischen Anfoderungen erfüllen, sie bekommt niemals genug. Um ihre Ziele zu erreichen nutzt sie Ihren Körper und ihre Sexualität als Waffe. Dieses Stilmittel erinnert zunächst scheinbar an Prostution, welche jedoch ungekehrt wird: Elaine zeigt und zelibriert ihre Weiblichkeit um ihrer Selbst willen. Sie ist die Quelle ihrer Macht, jenseits von Einschränkungen oder gesellschaftlichen Bewertungen. Ein Attribut, welches für die Männer im Film zu stark ist. Passend hierzu scheint ein Blick auf den ursprünglichen Hexen-Mythos: Das Bild der Hexe steht für die männliche Angst vor starken Frauen und ihrer Sexualität.

Elaine ist in ihrer Rolle als Femme fatale selbstsüchtig und stark. Ihre Kräfte nutzt sie für sich selbst und ihre eigenen Interessen. Die Suche nach einem Mann ist vor allem von egoistischen Zügen geprägt: Was für ein Mann er letztendlich ist scheint unwichtig, hauptsache er existiert an ihrer Seite und liefert ihr bedingungslose Bestätigung. Letztendlich kann sie diese nur durch den Mord an ihrer Liebe finden, da er lebendig niemals ihren Ansprüchen genügen wird.

The Love Witch ist ein modernes Manifest welches mit klassischen sowie modernen Stereotypen spielt ohne langweilig zu werden.

Zu sehen auf dem Braunschweiger Filmfestival am 20.10.2017 um 23:30 Uhr im Universum Saal 2.

The Love Witch, USA 2016, 120 Min.
Regie: Anna Biller
Cinematographer: M. David Mullen
Script: Anna Biller
Cast: Samantha Robinson, Gian Keys, Laura Waddell, Jeffrey Vincent Parise
Production Company: Anna Biller Productions
Distributer: Anna Biller

 

Leave a Reply

  • (will not be published)

XHTML: You can use these tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>