The Call

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Der Krieg ist in Ethan Jahans Werk The Call ein zentrales Thema: Wir sehen den Protagonisten in einem Raum, dessen Wände mit Zetteln übersät sind: Katastrophen, Terror, Tod, Militärmeldungen aus Zeitungen zieren in mehreren Schichten jede Ecke des Raumes. Von außen dringen Stimmen, Schreie und Hubschraubergeräusche herein. Der Fernseher zeigt Kriegsmeldungen: Panzer, Bomben, Aufstände während der Hauptdarsteller verzweifelt und wimmernd, wie ihm Wahn, durch den Raum streift. Immer wieder wird diese bizarre Szene vom Klingeln des Telefons durchschnitten, bei Abnahme des Hörers erklingt eine automatische Ansage, die vor Vergiftung warnt und Bewohnern befielt nicht heraus zu gehen.

Vakuumverpacktes Essen wird kalt herunter geschlungen, die Wände mit Panzertape verschlossen. Angst und Verzweiflung wühlen den jungen Mann auf, Angstschweiß erobert seine Stirn. Ein neues Klingeln, ein neuer Anruf. Immer wieder ertönt die Ansage. Immer wieder Schreie, tiefes Dröhnen und Hubschrauber. Er setzt eine Gasmaske auf. Terror. Ein Griff an das Telefonkabel, welches aus der Wand gezogen wird. Dann ist alles dunkel, der Fernseher verstummt. Leuchtstäbe werden genutzt um sich zu orientieren. Die Kamera folgt dem Blick zum verhangenen Fenster, welches vom Protagonisten gewaltsam von Zeitungsfetzen befreit wird, um an Licht zu gelangen. Außen: Eine Straße, Menschen, Alltag, Sonne. Ungläubig sucht er den Weg nach außen, verlässt die Wohnung. Der Bürgersteig ist sauber, die Häuser hinter ihm geordnet und unversehrt. Langsam nimmt er die Gasmaske ab und hängt sie an den Hauszaun, während er die Szene in die Freiheit verlässt. Im Bild bleibt die Maske, hinter ihr wird ein Fenster von innen mit einem Zeitungsfetzen beklebt.

Der Krieg ist in Ethan Jahans Werk „The Call“ nicht außerhalb, sondern in uns. Er kann wandern, sich vermehren oder sich auflösen. Er ist nicht fassbar, aber gegenwärtig. Der Regisseur Ethan Jahan setzt sich in seinem Werk mit der medialen Berichterstattung und den Folgen der Rezipienten auseinander. Eins selbst Kriegs-Reporter, nutzt er Bilder des Krieges um eine ambivalente Atmosphäre zu erschaffen, die das Leben des Rezipienten terrorisiert und einengt: Der Krieg ist im Kopf und somit real.

The Call wurde auf dem Internationalen Filmfest Braunschweig im Rahmen des Kurzfilmprogramms War on Everyone gezeigt.

Kinostart: Noch keiner

The Call, Vereinigtes Königreich 2016, 12 Min.
Sprache: Englisch
Untertitel: (none)
Regie: Ethan Jahan
Kamera: James Kar
Buch: Ethan Jahan
Schnitt: Reza Jouze
Darsteller: Chris Leaney, Hetty Burton, Elham Ershadnia, Francesco Pelosi
Produktion: Michael Stylianou
Ton: Matt Price

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