Terra de ninguém – No Man’s Land (Berlinale)

Sektion: Forum / Regie: Salomé Lamas / Portugal 2012 / 72′

0,,16592016_303,00Der 66-jährige Paolo sitzt auf einem Stuhl und spricht über seine Vergangenheit als Soldat, Bodyguard, Söldner und schließlich Auftragsmörder. Jeder Sprechtakt ist nummeriert, dargestellt durch eine weiße Zahl auf schwarzem Hintergrund. Die Fragen, die ihm gestellt werden, erfährt man nicht, die muss man sich anhand seiner Antworten herleiten. Paolo rekapituliert die unterschiedlichen Stationen seines Lebens, darunter die Kolonialkriege in Mosambik und Angolam oder seine Tätigkeit als Killer für die Untergrundorganisation GAL, die allesamt tiefe Spuren an ihm hinterlassen haben. Auch die grausamen Vergehen, die er verübte, kommen dabei immer wieder zur Sprache. Sein Schlendergang zwischen stolzer Überheblichkeit und aufgesetzter Reserviertheit sowie der ständig präsenten Bröckelung all dieser Selbstbilder schreibt die persönliche Geschichte Paolos.

Die Regisseurin geht in ihrem Dokumentarfilm überaus minimalistisch vor, sie stellt in vielen Einstellungen gar den Hintergrund des nicht näher definierten Nicht-Ortes in den Schatten, sodass Paolo und wirklich nur er im Fokus steht. Nur selten wird die Außenwelt gefilmt. Lamas Stimme hört man aus dem Off und das nur äußerst sporadisch. Auf diese Weise kommt es zu einem sublimen Kräftezerren der Wahrheiten, in dessen Verlauf Wunschdenken, tatsächlich stattgefundene Ereignisse und möglicherweise auch Deckerinnerungen ineinander fließen. Eine gelungene Art, einen Kriegsverbrecher über sich selbst sprechen zu lassen, ohne diesem eine Bühne der Selbstinszenierung zu geben oder ihn an den Pranger zu stellen.

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