Taxi Teheran

Im Jahr 2010 wurde der iranische Filmemacher Jafar Panahi wegen „Propaganda gegen das System“ zu einer Haftstrafe von sechs Jahren verurteilt und erhielt darüber hinaus für zwanzig Jahre ein Berufs-, Ausreise- und Interviewverbot. Dennoch dreht er weiter heimlich Filme. Auf der 65. Berlinale hat er für sein neuestes Werk „Taxi Teheran“ den Goldenen Bären erhalten – nachdem er den Film nach Berlin schmuggeln ließ. Jetzt kommt der Film in einer synchronisierten Fassung in die deutschen Kinos.

Taxi_1 © Weltkino Filmverleih

Alle Szenen des Films spielen sich in einem Taxi ab, das in den lebhaften Straßen von Irans Hauptstadt Teheran unterwegs ist. Am Steuer sitzt der Regisseur Jafar Panahi selbst. Eine Kamera auf dem Armaturenbrett des Taxis und zwei weitere halten die Gespräche mit den wechselnden Fahrgästen fest. Besonders in der Anfangsphase des Films gibt es viele humorvolle und kuriose Situationen. So wollen etwa zwei ältere Frauen ein Glas mit Goldfischen im Taxi transportieren, um die Tiere in einer Quelle auszusetzen. Dass das nicht ganz so glatt läuft, ist vorprogrammiert.

Taxi_2 © Weltkino Filmverleih

Jafar Panahi gelingt es, die Taxifahrt spontan und dokumentarisch erscheinen zu lassen. Dabei sind es keine echten Fahrgäste, die in sein Taxi einsteigen, sondern Familienmitglieder oder Freunde. Alles andere wäre in seiner Situation auch viel zu riskant. Auch seine Nichte Hana Saeidi übernimmt eine Rolle. Sie war es auch, die den Goldenen Bären stellvertretend für ihren Onkel in Berlin entgegennahm.

Taxi_5 © Weltkino Filmverleih

Panahi porträtiert mit seinem Film aber nicht nur die iranische Gesellschaft. Auch das Kino selbst wird thematisiert. So verkauft ein Filmschmuggler einem Fahrgast, der Filmstudent ist, Raubkopien aktueller amerikanischer Fernsehserien. Der Student erhofft sich damit Inspirationen für seinen Abschlussfilm.

Taxi_3 © Weltkino Filmverleih

“Taxi Teheran” ist sehr unterhaltsames Kino, das dem Zuschauer einen frischen Blick auf die iranische Gesellschaft eröffnet und der Film zeichnet ein ganz anderes Bild von dem Land, als es die Nachrichtenmeldungen seit Jahren erscheinen lassen. Dennoch kommt in den Gesprächen auch immer wieder Kritik am System zum Vorschein. Es ist ein mutiger Film von einem Regisseur, der trotz Berufsverbot unermüdlich und mit einer erstaunlich locker wirkenden Selbstverständlichkeit weitermacht.

“Ich bin Filmemacher. Ich kann nichts anderes als Filme machen. Mit Kino drücke ich mich aus, es ist mein Leben. Nichts kann mich am Filmemachen hindern. Denn wenn ich in die äußerste Ecke gedrängt werde, ziehe ich mich in mein Innerstes zurück. Und trotz aller Einschränkungen wird in dieser inneren Abgeschlossenheit die Notwendigkeit, etwas zu erschaffen, zu einem immer größeren Trieb. Kino als Kunstform wird zu meinem Hauptanliegen. Ich muss unter allen Umstanden weiter Filme machen, um der Kunst Respekt zu erweisen und mich lebendig zu fühlen.” Jafar Panahi (Quelle: Presseheft)

“Taxi Teheran” ist für jeden Cineasten im Jahr 2015 Pflichtprogramm und ist absolut zu Recht der Gewinner des Goldenen Bären bei der 65. Berlinale!

 

Taxi Teheran, Iran 2014, 82′
Regie/Drehbuch: Jafar Panahi
mit Jafar Panahi, Hana Saeidi, alle anderen Darsteller ohne Namensnennung
Verleih: Weltkino, Kinostart: 23.7.2015

Alle Bilder © Weltkino Filmverleih

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