Talking About Trees

„Was sind das für Zeiten, wo ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist. Weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt!“
Dieses Zitat von Berthold Brecht fällt während die vier Freunde auf das Einverständnis der Behörden warten, um mit ihren geplanten Filmvorführungen beginnen zu können.
Der Dokumentarfilm „Talking about Trees“ von Suhaib Gasmelbari Mustafa ist im heutigen Sudan angesiedelt und erzählt die Geschichte der vier Mitglieder des Sudanesischen Filmclubs. Altayeb Mahdi, Manar Al Hilo, Ibrahim Shadad und Suleiman Mohamed Ibrahim. Alle vier sind sudanesische Regisseure, die in ihrer Jugend in unterschiedlichen Filmschulen (Deutschland, Ägypten und Russland) studierten. Sie alle kehrten in den Sudan zurück und gründeten den Sudanesischen Filmclub mit dem Vorhaben die Kultur des Filmschauens in ihrer Heimat zu verbreiten. Heute, 30 Jahre später, nach Jahren der Trennung, des Exils, Filmverboten und Schließung von Kinosälen, treffen sich die Vier Freunde wieder. Alle vier sind mittlerweile in die Jahre gekommen aber nach wie vor durch ihre Leidenschaft zum Film miteinander verbunden. Ihr Vorhaben ist die Neueröffnung eines stillgelegten Kinos.
Im Zuge dessen werden alte Kinosäle begutachtet, Filmmaterial entstaubt, das genauso in die Jahre gekommene Filmequipment aus den Kellern geholt und alte Erinnerungen werden wach. Die vier Regisseure schwelgen in Erinnerungen und erzählen sich Geschichten aus den alten Tagen. Hierbei zeichnet sich eine Liebe für den Film ab, der man sich nur schwer entziehen kann. Ein Foto wird rumgereicht welches die Abschlussfeier einer der Regisseure zeigt. Das waren Zeiten. Während der Berlinale gab es übrigens die Möglichkeit einiger der Filme der vier Regisseure aus jener Zeit zu sehen.
Doch ein solches Vorhaben in die Tat umzusetzen ist gar nicht so einfach. Der Sudan unter dem Langzeitherrscher al-Baschir steht nicht gerade für Kulturelle Freiheit und Nachgiebigkeit für Vorhaben solcher Natur. 65 Kinos mussten nach der Machtergreifung von Umar al Baschir 1989 schließen.

Doch die vier Regisseure nehmen die auf sie zukommenden Schwierigkeiten mit Humor. Ibrahim Shadad, grinst und meint, Sie müssten aufpassen, dass nicht gerade „Gott ist groß“ ertönt, während auf der Leinwand eine Liebesszene läuft. Die Regelmäßigen Gebetsrufe die per Lautsprecher von den Moscheen in die ganze Umgebung erschallen, ist ein solches Problem das es zu lösen gilt. „Wie haben wir eigentlich früher Filme geschaut?“- „Früher gab es nicht so viele Moscheen. Und die, die es gab, hatten keine Lautsprecher.“

Der Film wird nicht von spektakulären Kamerafahrten oder noch nie gesehenen Schnitttechniken getragen. Vielmehr sind es die Protagonisten die einem schnell ans Herz wachsen und die trotz zahlreicher, oft auswegloser Situationen den Mut und die Freude nicht verlieren, ihre damaligen wie heutige Träume in die Tat umzusetzen. Der gesamte Film balanciert dabei zwischen beiläufigen, halb-ernsten Ernsthaftigkeiten. Es vermittelt den Wandel des Kinos, die Machtlosigkeit gegen das System aber auch den Mut, die Leidenschaft und nicht Zuletzt die Hoffnung der „Kleinen und Schwachen“, dass der Film am Ende doch gewinnt.
„Wir sind schlauer als sie, aber nicht so stark“, fassen die vier Regisseure ihre Situation zusammen…

Der Film feierte auf der Berlinale 69 seine Weltpremiere und gewinnt im Rahmen der Berlinale den Panorama Publikums-Preis bei den Panorama Dokumenten.

Regie: Suhaib Gasmelbari

Frankreich, 2019

93 min

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