Still

Mit der Deutschlandpremiere des Films Still von Regisseur Simon Blake, dessen Handlung auf seinem Theaterstück Lazarus Man basiert, ist die Wettbewerbssektion »Der Heinrich« heute auf gebührende Weise in die Festivalwoche gestartet.
Inhaltlich sind zu Beginn des Films jedoch die Wurzeln des ursprünglichen Theaterregisseurs Blake deutlich spürbar. In Gesprächssituationen inszeniert er die Charaktere häufig im Profil, was in Kombination mit einer starren Kamerapositionierung und langen Einstellungen dazu führt, dass beim Zuschauer die Assoziation mit einer Bühne geschaffen wird, auf die er zu blicken scheint. Zudem wird durch extreme Close-Ups der Gesichter, ein enormer Wert auf die Mimik und den damit einhergehenden Ausdruck der Gefühle der Protagonisten gelegt, was den eigentlich bemerkenswerten Kamerastil als filmisches Element dem Schauspiel unterordnet, worin sich wiederum das Theatrale in den Film einschreibt. Glücklicherweise wird sich im weiteren Verlauf der Handlung, die zunehmend düster wird, aus der Anlehnung an das Theater gelöst, wodurch der Film eine ganz eigene stilistische Ästhetik entwickeln kann. Menschenleere Einstellungen, in denen durch symmetrische Formen die Trostlosigkeit in einem Londoner Viertel gezeigt wird, tragen damit ebenso zum individuellen Stil des Films bei, wie der beklemmende Einsatz der subjektiven Kamera in einer abschließendes Szene.
Der Film schafft es, diese auf den ersten Blick gegensätzlichen statischen und dynamischen Stilmittel zu verbinden und bildet damit eine homogene Gesamtästhetik heraus, die es vermag, sich an die unterschiedlichen Geschwindigkeiten der Erzählung anzupassen.

Reihe: Wettbewerb »Der Heinrich«
weitere Termine auf dem Filmfest: 6.11. 16:45, 7.11. 21:00
Still, Vereinigtes Königreich 2014, 99 Min
Regie: Simon Blake
Kamera: Andy Parsons
Darsteller: Aidan Gillen, Jonathan Slinger, Amanda Mealing
Verleih: Reel Suspects

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