Stereo

Von Jenny Grayek

Lange, sonnendurchflutete Panorama-Aufnahmen in ländlicher Idylle, durchbrochen von Motorrad-Geräuschen und unheilversprechender Musik.

Erik (Jürgen Vogel) führt ein behagliches Leben, das kaum besser sein könnte. Gemeinsam mit seiner Freundin Julia und deren kleiner Tochter wohnt er in einem Haus mitten in der Natur. Mit seiner Motorrad-Werkstatt scheint er seinen Lebenstraum zu leben. Doch der Schein trügt. Er hat das Gefühl, verfolgt zu werden. Ein unbekannter Mann im Kapuzenpulli, namens Henry (Moritz Bleibtreu), begleitet ihn fortan auf Schritt und Tritt. Henry gibt unmissverständlich zu verstehen, dass er alles über Erik weiß. Seine anfänglich perfekte Welt beginnt zu zerbrechen und alle um ihn herum geraten in Gefahr.
STR.PL_A3_RZ.inddDer deutsche Thriller von Regisseur Maximilian Erlenwein handelt von der eigenen Psyche, von der Verdrängung der Vergangenheit und davon, wie schnell und grausam sie einen einholen kann. Erlenwein gelingt es, die Geschichte Stück für Stück spannungsvoll darzustellen und Fiktion als Realität und umgekehrt zu inszenieren. Stereo überzeugt dabei nicht nur mit seiner äußerst stimmigen Starbesetzung durch Jürgen Vogel und Moritz Bleibtreu, sondern auch durch seine düstere Stimmung und die musikalische Untermalung. Die Atmosphäre des zunächst harmonisch wirkenden Films schlägt schnell um und beeinflusst die Stimmung der Zuschauer. Helle und freundliche Momente verschwinden und werden von düsteren, dreckigen aber auch gewaltsamen Bildern, ähnlich wie bei Fight Club (1999), abgelöst. Eriks psychisch bedrückende Situation wird durch blau-grüne Farbfilter und einprägsame Hintergrundgeräusche unterstrichen. Als er zu seinem „wirklichen“ Ich zurück findet, dominieren eben diese Stilmittel zunehmend. Zurück bleibt ein Gedanke, wie er auch im Film formuliert wird: „Das ist alles nicht echt!“

Das Filmplakat selbst spiegelt eben diese Aspekte wieder und baut bereits vor dem Film eine gewisse Erwartungshaltung auf, die nicht enttäuscht wird. Die beiden Gesichter von Vogel und Bleibtreu wurden, ähnlich wie in Face off (1997), auf eine interessante Art und Weise ineinander montiert. Die beiden Protagonisten wurden im Querschnitt zusammengefügt, so dass man sich schlussendlich nicht darauf einigen kann, ob man nun Jürgen Vogel oder Moritz Bleibtreu sieht, oder ob es sich nicht doch um eine dritte Person handelt. Damit gelingt es den Filmemachern ein stimmiges Gesamtbild zu kreieren und den Zuschauer neugierig darauf zu machen, um wen es sich tatsächlich handelt.

Stereo, D 2014, 94′
Regie & Drehbuch: Maximilian Erlenwein
Kamera: Ngo The Chau
Darsteller: Jürgen Vogel, Moritz bleibtreu, Petra Schmidt-Schaller, Georg Friedrich
Verleih: Wild Bunch Germany

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