Sparrows

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Als der 16-jährige Ari aus Islands Hauptstadt Reykjavik zurück zu seinem Vater in eine abgelegene Region im Nordwesten ziehen muss, hält sich seine Begeisterung in Grenzen. Die Beziehung der beiden ist nach mehrjähriger Funkstille distanziert, die Isolation der Gegend macht ihm zu schaffen und er hat Schwierigkeiten seinen Platz in der früheren Heimat zu finden. Einzig bei der Großmutter findet Ari Halt und Zuneigung, während sein desinteressierter Alkoholiker-Vater nicht mal das eigene Leben auf die Reihe bekommt. Sparrows erzählt im Grunde eine bekannte Coming-of-Age Geschichte über die typischen Ängste und Probleme eines Jugendlichen, der sich in der neuen Umgebung zurechtfinden und erwachsen werden muss. Weil eine Liebesgeschichte dabei natürlich nicht fehlen darf, trifft Ari irgendwann auf seine ehemalige Schulfreundin Lara und startet unbeholfene Annäherungsversuche, die am Ende ein verstörendes Ereignis nach sich ziehen. In dem ansonsten unaufgeregten, recht vorhersehbaren Film wirkt diese dramatische Wendung gewollt schockierend – fast so, als müsse der ohnehin schwierigen Situation unbedingt noch eins draufgesetzt werden.

Bei allen Bemühungen zum unkonventionellen Plot-Twist finden sich die tatsächlichen Besonderheiten des Films eher in den äußeren Umständen: Die bergige Landschaft der Westfjorde bietet eine ungewöhnliche Kulisse, die zudem aufgrund der Jahreszeit in ein konstantes Licht getaucht wird. Im Sommer bleibt es in dieser Region auch nachts hell, was stellenweise zu einer interessanten Desorientierung zwischen Tag und Nacht führt. Akustisch wird die außergewöhnliche Atmosphäre durch den gezielt eingesetzten Score (vom ehemaligen Sigur Rós Mitglied Kjartan Sveinsson) und Aris sanften Chorgesang untermalt. Auf diese Weise hinterlässt Rúnar Rúnarssons zweiter Spielfilm trotz narrativer Schwachstellen einen bleibenden Eindruck.

Sektion: Beyond: Love
OT: Þrestir, Island/Dänemark/Kroatien 2015, 99’
Regie & Drehbuch: Rúnar Rúnarsson
Kamera: Sophia Olsson
Musik: Kjartan Sveinsson
Darsteller: Atli Óskar Fjalarsson, Ingvar E. Sigurðsson, Kristbjörg Kjeld, Rade Šerbedžija

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