Sommerhäuser

Der Umgang mit Einsamkeit im Alter, die Belastungen einer allerziehenden Mutter oder die Sorglosigkeit im kindlichen Spiel – entgegen eines einzelnen narrativen Handlungsstranges ist es vielmehr ein Geflecht aus vielen kleinen Geschichten, das Regisseurin und Drehbuchautorin Sonja Kröner in ihrem Spielfilmdebut Sommerhäuser entfaltet. Nicht nur Schauplatz, sondern ebenso Ausgangspunkt der unterschiedlichen narrativ verhandelten Themen ist der gemeinschaftlich genutzte Garten einer großen Familie, der als Freizeitdomizil an Wochenenden und in den Ferien die verschiedenen Generationen zusammenbringt.Aufgeladen mit viel Nostalgie fungiert der Garten als Bindeglied zwischen den Generationen, indem zwar die Spannungen in der familiären Struktur aufgedeckt werden, jedoch die gemeinsame Historie zu mehr Toleranz anhält. So findet die Verachtung gegenüber Tante Gittis (Mavie Hörbiger) neuem Lover, der nur im Zusammenhang mit teuren Geschenken oder seines Sportwagens thematisiert wird, vorerst nur im Verborgenen statt, bis im Affekt eines Streits diese Abneigung als Beleidigung offen kommuniziert wird. Ebenso ist nach dem Tod der Urgroßmutter der Verkauf des Gartens ein omnipräsentes Thema, welches im Geheimen eindringlich verhandelt, aber nicht direkt angesprochen wird. Schleichend werden so im Verlauf des Films familiäre Spannungen an die Oberfläche getragen, worüber jedoch stets mit viel Kuchen hinweggetäuscht wird.Neben seiner Funktion als intergenerationales Bindeglied, fungiert das Idyll des Gartens ebenso als zentraler Ausgangspunkt verschiedener kleiner Handlungsstränge, die viel Interpretationsspielraum bereithalten. Aus Kindersicht ist dieser Ort in der Natur beispielsweise ein riesiger Abenteuerspielplatz mit Baumhaus und Swimmingpool, wobei das verbotene angrenzende Grundstück des Künstlers am interessantesten ist. Über ein kleines Loch im Zaun gelangen die Kinder in eine verwunschene Welt, in der die Person des Nachbarn als Projektionsfläche der grausamsten Kinderphantasien dient.
In ruhigen Bildern deutet der Film viele solcher assoziativen Geschichten an, die in ihrer Struktur alle aus dem zentralen Ort des Gartens resultieren und für jedes Familienmitglied die Gründe bereithalten, sich trotz vieler Spannungen jedes Wochenende aufs Neue auf die intergenerationale Gemeinschaft einzulassen.

31. Filmfest Braunschweig, Sektion: Wettbewerb »DER HEINRICH«
Sommerhäuser, Deutschland 2017, 96′
Regie & Buch: Sonja Kröner
Kamera: Julia Daschner
Schnitt: Ulrike Tortora
Darsteller: Laura Tonke, Mavie Hörbiger, Ursula Werner, Günther Maria Halmer
Verleih: Prokino
Kinostart: 26.10.2017

Weitere Vorführungen:
19.10.2017 16.45 Uhr
22.10.2017 15.00 Uhr

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