Soğuk – Cold (Berlinale)

Sektion: Panorama / Regie: Ugur Yücel / Türkei 2012 / 105′

ColdIn einer kleinen türkischen Stadt leben die Menschen im Trott. Die Frauen hocken zuhause bei den Kindern, die Männer gehen arbeiten und vergnügen sich abends im Puff. Es ist Winter. Eines Abends lässt sich der Schienenwächter Balabey von seinen Freunden dazu überreden, eines der Freudenhäuser zu besuchen. Hals über Kopf verliebt er dort sich in die russische Prostituierte Irina, die er mit allen Mitteln daran hindert, zurück nach Moskau zu fahren, verkörpert sie doch die Zufluchtsstätte vor familiären Pflichten und sein lang ersehntes Glück. Letzteres währt jedoch nicht lange, da sein gewalttätiger Bruder eine folgenschwere Tat begeht.

Eigentlich sollte der Film ursprünglich „Silence“ heißen, verriet Regisseur Ugur Yücel. Der Titel hätte durchaus gepasst, denn er erzählt eine ebenso stille wie kalte Geschichte über Glücklosigkeit und Resignation. Oftmals sind die prächtigen Aufnahmen der winterlichen Landschaft von einer angenehmen Stille geprägt, bis unter lautem Getöse ein Zug ins Bild fährt – ein wiederkehrendes Stilmittel, das die herrschende Ruhe zerrüttet. Ganz ähnlich verhalten sich manche der Personen im Film, besonders im letzten Drittel agieren diese immerzu lauter und ziehen wie die Schienen lang des Brachlands eine Schneise durch den Ort. Dabei kommt Spannung auf bis kurz vor dem Höhepunkt, wo sich der Regisseur dann leider für eine allzu wuchtige Ellipse entschied, die einen etwas im Regen stehen lässt. Das schmälert den positiven Gesamteindruck etwas, ein guter Film ist Soğuk aber dennoch, nicht zuletzt dank eines großartigen Cenk Medet Alibeyoglu und der präzisen Kamera, die den mutlosen Gesichtern viel Aufmerksamkeit widmet.

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