Sofia’s last Ambulance – Tristesse mit Sirene

Rauchen und warten. Darauf, dass die Zentrale zurück ruft, der nächste Einsatz durchgegeben wird oder doch noch die richtige Adresse des nächsten Notfalls per Funk angesagt wird. Die Besatzung von Sofias einzigem Reanimations-Rettunswagen hat mit vielen Widrigkeiten zu kämpfen. Immerhin springt der Rettungswagen mittlerweile beim ersten Anlassen an – nachdem der Chefarzt die Zündkerzen beim morgendlichen Kaffe gewechselt hat. Sofia’s last Ambulance (Ilian Metev, Bulgarien 2012) begleitet den Arzt Krassi, die Krankenschwester Mila und den Fahrer Plamen auf ihrem täglichen Dienst auf Sofias Straßen.

Meistens kommen sie zu spät, oft bricht der Kontakt zur Zentrale ab. Wenn es doch mal mehr zu tun gibt, als einen Totenschein aus zu stellen, bringen sie Kinder und Unfallopfer in das Krankenhaus, haben mit Drogenabhängigen zu tun, müssen den Weg in entlegene und herunter gekommene Vorstädte finden und mit Simulanten diskutieren, die den Rettungswagen als günstiges Taxi betrachten. Und sonst: Rauchen und warten.

Die Patienten jedoch, bilden nur eine gesichtslose und nie endende Perlenkette von hintereinander abzuarbeitenden Einsätzen – das nicht weiter wichtige Hintergrundrauschen, welches den Zugang zur Gedanken- und Gefühlswelt des Rettungsteams bildet. Diese wird vor allem durch die Großaufnahmen der Gesichter von Krassi, Mila und Plamen bei ihrer alltäglichen Arbeit vermittelt. Unaufgeregtheit, Leidenschaftslosigkeit und kurz vor der Resignation stehende Lethargie mögen Grundvoraussetzungen für den Beruf als Rettungssanitäter sein und in einer Einschätzung ihrer Arbeit bringt bringt Mila es auf den nüchternen Punkt: “Gefallen oder nicht, ich persönlich muss arbeiten, ich brauch das Kleingeld.” Und doch mögen sie ihre Arbeit und ihre Kollegen. Als Team funktionieren sie hervorragend, bilden sie mit ihrem schlecht gefederten Rettungswagen einen Mikrokosmos, der ihren Einsätzen, der Straße und dem “da draußen” strikt entgegen gesetzt ist. Auf der Fahrt zum nächsten Einsatz erfährt man von den Träumen, Hoffnungen und der Wut der Drei.

Unterstützt wird dieses faszinierende Portrait durch die formale Schärfe der Kamera.Kilometer um Kilometer wird durch Sofias Straßen gefahren, im Blick jedoch immer die Gesichter, die Fahrtrichtung im Rücken des Zuschauers. Gerahmt wird Sofia’s last Ambulance durch zwei Einstellungen in Fahrtrichtung, am Anfang und am Ende. Die große Stärke ist der Minimalismus, keine Belehrungen über Bulgariens Gesundheitssystem, keine Statements von Vorgesetzten: Hier will niemand die Welt retten. Und sonst: Rauchen und warten.

Poslednata lineika na Sofia – Sofia’s last Ambulance, Bulgarien 2012, 75′
Regie: Ilian Metev
Drehbuch: Ilian Metev
Produktion: Ingmar Trost, Siniša Juričič, Dimitri Gotchev, Ilian Metev
Kamera: Ilian Metev
Darsteller: Krassimir Yordanov, Mila Mikhailova, Plamen Slavkov
Verleih: W-film Distribution
Kinostart: 14.03.2013

Der Film ist am 25.4.2013 in Braunschweig im Roten Saal zu sehen!

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