Servants

In der Tschechoslowakei der 1980er treten die zwei jungen Männer Michal und Juraj in ein Priesterseminar in der Theologischen Fakultät in Bratislava ein. Die Kirche hat durch die Machtübernahme der kommunistischen Partei viel ihrer Macht einbüßen müssen. Von den Katholiken wird verlangt sich einer strikten Kontrolle durch den Staat zu unterwerfen. Nicht nur die Glaubens- und Meinungsfreiheit wird eingeschränkt, auch stehen sie unter ständiger Beobachtung der Geheimdienste und ihrer Sympathisanten. Der Klerus ist gespalten und innerhalb der Gemeinde regt sich vorsichtiger Wiedererstand . Hilfe erhalten sie dabei von der regimekritischen „Katakombenkirche“, die Kontakt zum Vatikan und westlichen Medien aufrecht erhält. Doch die Regimetreue Priestervereinigung Pacem in Terris macht Jagd auf ihre Kritiker*Innen und dabei machen sie auch vor Folter und Gewalt keinen Halt.

Der Film zeigt mithilfe kunstvoll inszenierter Bilder, wie zwei junge Menschen gefangen sind zwischen ihren eigenen religiösen Idealen, die ihr Weltbild prägen und den ihnen aufgezwungenen Ideologien einer totalitäre Gewaltherrschaft von Außen. Doch nicht nur ihr Glaube, auch ihre Freundschaft wird dabei auf die Probe gestellt. Ihre Beziehung wird ohne viele Worte erzählt, aber dafür mithilfe ruhiger und intimer Szenen zwischen den beiden, wie sie zum Beispiel beim Baden einen Wettstreit abhalten, wer die Luft länger anhalten kann, oder wie sie zusammen herumalbern und lachen. Und auch mithilfe von Nahaufnahmen auf ihre Gesichter, wie sie die Blicke des anderen Suchen so als wollten sie sich gegenseitig Hoffnung schenken, wird diese innige Verbindung untermalt. Zu Beginn des Films scheinen sie zusammen noch jeder Gefahr gewachsen zu sein.

 

Die Stärke des Films ist es, mithilfe der Schwarz-weiß-Aufnahmen und dem Spiel mit Licht und Schatten eine immer bedrohlichere Stimmung aufzubauen, sodass auch der wachsende Druck auf die beiden Seminaristen für uns Rezipienten immer stärker nachfühlbar wird. Die Atmosphäre der ständigen Unsicherheit und Gefahr wird durch den sich aufdrängenden und dröhnenden Soundtrack noch verstärkt. Die Kamerafahrten durch die verwinkelten Gänge des Instituts wirken beinahe wie in einem Horrorfilm: ständig erwartet man hinter der nächsten Ecke das Monster, hier in Form des Geheimdienstes oder eventuellen Spitzeln der Regierung. Die Erwartung, dass gleich etwas schlimmes passieren wird, ist allgegenwärtig in dem Film. Auch wenn man zum Teil schon recht früh erfährt, wer sich welcher Seite angeschlossen hat, entsteht eine Stimmung dort niemanden mehr wirklich trauen zu können. Die Ausleuchtung der Gesichter lässt diese wie bei Porträtfotos ausdrucksstärker wirken. Sowohl die Angst in den Gesichtern der Opfer wirkt eindringlicher, als auch die bedrohlichen Gesichtszüge der Machthabenden. Obwohl langsam erzählt, baut der Film so eine gute Spannung auf und lässt uns mit den beiden Protagonisten mitfiebern bis zum Schluss.

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