Rafiki

In seinem Ursprungsland Kenia wurde Rafiki verboten, die Vorstellung im Univerum Filmtheater auf dem 32. Braunschweig International Film Festival hingegen war restlos ausverkauft – Rafiki scheint zu polarisieren. Das Verbot in Kenia hat dem Film im Vorfeld bereits sehr viel Aufmerksamkeit beschert, dazu noch die Thematisierung gleichgeschlechtlicher Liebe in einem afrikanischen Land – diese ungewöhnliche Thematik und die damit verbundene Polarisierung machen neugierig. Und das Beste daran ist, dass Rafiki nicht enttäuscht.

Mitten in den Straßenschluchten der kenianischen Hauptstadt Nairobi tobt das Leben. Nairobi ist bunt, aber nicht zu knallig, die Häuser sind verwittert, aber nicht heruntergekommen und elendig, die Anwohner sind lebhaft und immer auf Achse. Ein für ein europäisches Publikum ungewohntes, aber dafür umso willkommeneres Bild von Kenia. Weitere, angenehme Überraschungen sind, neben der Tatsache, dass Rafiki eine deutliche LGTB-Thematik aufweist, die beiden Hauptfiguren. Sie sind selbstbewusste und moderne junge Frauen, die die Welt, in der sie leben, in Frage stellen – auch wenn sie damit auf großen Widerstand stoßen.

Makena, genannt Kena, gibt sich gerne burschikos, trägt oft Basecaps und spielt mit den jungen Männern in ihrem Viertel Fußball. Ihr von ihrer Mutter geschiedener Vater betreibt einen kleinen Kiosk und hofft, bei den anstehenden Wahlen in ein politisches Amt gewählt zu werden. Bald trifft Kena auf die gleichaltrige Ziki, die mit ihrem farbenfrohen Äußeren auffällt und gerne mit ihren Freundinnen Tanzchoreographien auf der Straße einstudiert. Die Anziehungskraft zwischen den beiden ist seit dem ersten Blickkontakt deutlich zu spüren. Sie umkreisen einander wieder und wieder, werfen sich Blicke zu und lächeln einander an, bis sie endlich ihre anfängliche Scheu überwinden und Zeit miteinander verbringen.

Die ersten Annäherungen sind noch sehr unbeholfen, aber die Chemie stimmt und dass sie die Töchter zweier direkt miteinander konkurrierender Politiker sind, ist ihnen ziemlich egal. Schon bei ihrem ersten gemeinsamen Nachmittag schließen sie einen Pakt, niemals so zu werden wie die Menschen um sie herum, um stattdessen jemand echtes zu werden. Zikis Lebensfreude reißt Kena aus ihrer skeptischen Lebenshaltung, sie tun einander ohne Frage unglaublich gut. Nach zahlreichen sonnigen Tagen voller Spaß und Zweisamkeit bittet Ziki Kena um ein richtiges Date, in dessen Verlauf es endlich zum ersten Kuss kommt. Ihre Beziehung ist liebevoll und sorgenfrei, die Welt scheint perfekt – doch die Homophobie, die sie zunächst bloß am Rande mitbekommen, wird auch vor ihnen nicht haltmachen.

Über weite Strecken ist Rafiki ein Feel-Good-LGTB-Film, der gute Laune macht. Das beeindruckend bunte Stadtbild Nairobis und die mitreißende, moderne Musik sorgen für zahlreiche schöne, beinahe traumähnliche Momente, von denen sich die Zuschauer*innen wünschen, dass sie noch ein wenig länger andauerten. Doch gleichzeitig ist Rafiki gnadenlos real, denn die wunderschöne Liebe bleibt nicht unentdeckt. Kenas und Zikis Umwelt reagiert mit Ablehnung und Gewalt, ihre Familien sind fassungslos, im Gottesdienst wird eine Reinigung versucht. Aber nicht einmal eine räumliche Trennung kann die beiden voneinander fernhalten, sie lassen sich nicht einschüchtern. Sie haben keine Angst. Sie wollen, so wie sie es einander geschworen haben, echt sein – und das gelingt ihnen.

Das Verbot in Kenia hat Rafiki nicht verdient. Ausverkaufte Vorstellungen wie in Braunschweig hingegen umso mehr. Rafiki tut gut, ohne dabei ein utopisches, problemfreies Leben vorzugaukeln, denn wie seine beiden Hauptfiguren bleibt dieser Film stets echt. Er zeigt eine liebevolle, glückliche Beziehung zwischen zwei sich liebenden Personen, die zufällig demselben Geschlecht angehören, und trotz aller Widrigkeiten, gibt es immer den Hinweis darauf, dass noch Hoffnung auf ein Happy End besteht.

 

32. Filmfest Braunschweig, Sektion: QUE*RSCHNITT: NEUE LGTBQI*-FILME

Rafiki, Südafrika/Kenia/Niederlande/Frankreich/Deutschland/Norwegen 2018, 82 Min.

Regie: Wanuri Kahiu

Buch: Wanuri Kahiu, Jenna Bass

Kamera: Christopher Wessels

Schauspieler: Samantha Mugatsia, Sheila Munyia, Jimmi Gathu

Verleih: Salzgeber & Co Medien GmbH

 

Vorführungen: 8. 11. 2018, 19:00 Uhr, Universum Filmtheater Braunschweig

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