Pussy Riot – A Punk Prayer

pussy-riot-5Die Dokumentation über die feministische, regierungs- und kirchenkritische Punkrock-Band aus Moskau zeigt überwiegend den weltweit diskutierten Gerichtsprozess der Mitglieder Nadia, Masha und Katja. Nachdem sie nach einer Musikperformance in einer Kirche für zwei Jahre Gefängnis verurteil worden sind, wurden sie ein medienwirksames Beispiel für den fragwürdigen Umgang des russischen Rechtsstaats mit Menschenrechten und Meinungsfreiheit. Im Film kommen besonders die drei Frauen und ihre Angehörigen zu Wort. Ihre politischen Gegner bekommen die Möglichkeit, sich selbst bloß zu stellen, indem sie ihre wirren und rückschrittlichen Hetzt-Meinungen preisgeben. Der Film stellt sich somit ganz klar auf die Seite von Pussy Riot und auf die Seite der Putin-kritischen Bevölkerung. Der Film bringt aber auch überzeugende Argumente für diese Haltung. Kann man also der Doku eine fehlende objektive Berichterstattung vorwerfen, weil die Bilder und Ausschnitte so geschickt ausgewählt worden sind, dass man nach dem Film am liebsten eine bunte Sturmmaske aufsetzten möchte, um öffentlich seine Solidarität für Pussy Riot zu bekunden? Wohl kaum. Denn ein Film, der das Ziel hat auf die Missstände einer Gesellschaft aufmerksam zu machen, möchte eine bestimmte Message verbreitet und Menschen mit der Inszenierung berühren. Da während der Prozesse gefilmt werden durfte, bekommt der Zuschauer tiefe Einblicke in die Absurdität des Falles. Der Schuldspruch ist keinesfalls nachvollziehbar und die Ungerechtigkeit stinkt geradezu zum Himmel. Es geht nur um eine Machtdemonstration der Regierung und nicht mehr um die Einhaltung von Recht und Ordnung. Doch dann dürfen die Frauen ihr Plädoyer halten. Ihre Ausführungen sind so gut durchdacht philosophisch, dass es dem Zuschauer die Sprache verschlägt. Das anwesende Publikum im Gerichtssaal bricht trotz des Verbots in Applaus aus. Diese Frauen provozieren auf sympathische Weise. Sie wirken stark und lassen sich vom Gericht nicht einschüchtern. Sie sind wortgewandt und daher so überzeugend. Dass ihre Gedanken mithilfe der Pressefreiheit in die Welt getragen werden, lässt sie am Ende gar nicht mehr wie die Verlierer dieses Kampfes aussehen. Der Film ist ein Geschenk an diese mutigen Frauen, die ihre Freiheit für ihre Überzeugung geopfert haben. Ein Film der aufwühlt, traurig und wütend macht, aber auch Hoffnung darauf gibt, dass es in Russland Aktivisten gibt, die für Menschenrechte und für die Gleichberechtigung aller Menschen kämpfen.

Bild: http://www.moviepilot.de/files/images/movie/file/10903341/pussy-riot-5.jpg

Sektion: Sound on Screen
Russland / Vereinigtes Königreich 2013
Sprache: Russisch
Regie: Mike Lerner, Maxim Pozdorovkin
Kamera: Antony Butts
Schnitt: Simon Barker
Musik: Simon Russel
Darsteller: Nadezhda Tolokonnikova, Mariya Alyokhina, Yekaterina Samutsevich
Produktion: Roast Beef Productions
Verleih: Wild Bunch Germany

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