Pushed

Filmfest Braunschweig
Pushed: Four Guys Inspired by a Wooden Toy / Regie: Florian Schneider / D 2011 / 80′

Die Tagline von Pushed ist “Four guys inspired by a wooden toy” und fasst ziemlich genau das zusammen, was diese Dokumentation zeigt. Regisseur Florian Schneider begleitet vier Menschen, die alle in der Skateboard-Szene zu Hause sind: Bobby Puleo, Skateboarder und Collagen-Künstler aus New York; Pontus Alv, Skateboarder und Filmemacher aus Malmö; Stefan Marx, Künstler/Designer und (nicht mehr aktiver) Skateboarder aus Hamburg; Adam Sello, Fotograf und Skateboarder aus Berlin. Zunächst geht es also tatsächlich ums Skateboarden und wie es die Leben der vier Protagonisten beeinflusst und verändert. Da sie aber alle kreativ und künstlerisch tätig sind, geht es noch um viel mehr und um Dinge, die man vielleicht nicht in erster Linie mit Skateboarden in Verbindung bringen würde.

Bobby Puleo fährt durch die Straßen von New York, den Blick immer auf das gerichtet, was für andere wertlos ist: Müll. Er sammelt alles Mögliche, was Leute so wegschmeißen, von leeren Zigarettenschachteln über Kassetten (teilweise noch originalverpackt) bis hin zu Post-It-Zetteln… von letzteren hat er nach eigener Aussage Millionen. Das Ergebnis ist eine ziemlich zugemüllte Wohnung, in der Bobby alles Gefundene in Plastiktüten aufbewahrt. Irgendwann kommt er zu der höchst amüsanten und sympathischen Erkenntnis “It’s mildly embarrassing that my life is about collecting garbage.” Aber das hält ihn nicht davon ab, weiterzumachen und immer weiter auf der Suche zu sein. An einigen Ausstellungen hat er mit seinen “Müll”-Collagen auch schon teilgenommen und allein seine Hoffnung, andere Menschen könnten vielleicht auch irgendwann so wie er die Schönheit dieser Objekte erkennen, ist schon inspirierend.

Inspirierend sind auch die anderen drei Skateboarder, die Florian Schneider in seiner Doku begleitet. Pontus Alv kreiert in seiner Heimatstadt Malmö gemeinsam mit Freunden immer wieder neue Plätze zum Skaten. Sie erschaffen sich somit ein eigenes, kleines Paradies, das sie mit Beton genau so zurecht formen, wie sie es sich wünschen. Dieser DIY-Gedanke lässt sich auf so vieles übertragen – wenn du dir etwas wünschst, was es in dieser Form nicht gibt, dann mach es selbst!
Stefan Marx, der selbst nicht mehr wirklich aktiv ist als Skateboarder, hat sich der Kunst und dem Design von T-Shirts zugewandt. Er hat die Lousy Livin Company gegründet und verfolgt damit einen ähnlichen Gedanken wie Pontus: wenn es ein T-Shirt nicht so gibt, wie ich es haben möchte, dann entwerfe und produziere ich es eben selbst. Seine kreative Tätigkeit breitet sich aber noch viel weiter aus. Er gestaltet Skateparks und Half-Pipes, nimmt an Ausstellungen teil, entwirft Grafiken für Skateboards und sitzt manchmal auch einfach stundenlang am Flughafen und zeichnet Flugzeuge, weil sie ihn faszinieren.
Auch Adam Sello ist übers Skateboarden zu einer gestalterischen Tätigkeit gekommen. 2000 hat er ANZEIGEBERLIN gegründet, eine unabhängige Mediengemeinschaft, die u.a. DVDs und ca. alle zwei Monate ein Magazin rund ums Skateboarden veröffentlicht. Adam selbst ist als Fotograf tätig und verbringt die meiste Zeit damit, die Tricks anderer Skateboarder zu fotografieren. Das Gefühl dabei vergleicht er mit dem Glück, das man auch beim Skaten selbst empfindet.

In der Weise, wie der Film die Geschichten und Ansichten dieser vier Männer darstellt, vereint er so viele Philosophien und Inspirationen, die dem Gezeigten eine universelle Dimension geben. Es werden nicht einfach nur Aussagen übers Skateboarden sondern im Grunde über das ganze Leben gemacht. Themen wie Kreativität und Leidenschaft werden genauso angesprochen wie Familie und das Älterwerden. Einige der Sichtweisen erhalten eine merkwürdige Allgemeingültigkeit und lassen sich auf die verschiedensten Bereiche des Lebens übertragen. Jeder, der schonmal eine gewisse Leidenschaft für etwas empfunden hat und für den Hobby oder eine Tätigkeit zum wesentlichen Bestandteil des Lebens wurde, wird nachvollziehen können, was die vier übers Skateboarden zu sagen haben. Diese Inspiration ist ansteckend und es macht einfach Spaß, dabei zuzusehen, egal ob man sich nun fürs Skateboarden interessiert oder nicht. Und das ist auch das Fazit zum Film: er macht wahnsinnig viel Spaß!

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