Population Boom

Farida Akhter, die Schauspielerin und Aktivistin aus Bangladesch, bringt es gegen Ende des Films ganz gut auf den Punkt: bevor man eine regulierende Familienpolitik wie die in China einführe, sollte man mit einer Familienpolitik für Autos beginnen. Warum bestimmen, wie viele Kinder ein Paar haben darf, aber nicht, wie viele Autos man besitzen kann? Diese Argumentation, dass es bei Bestimmungen zur Weltbevölkerung um die Wahrung von Besitzverhältnissen geht, zieht sich durch dem gesamten Film und wird von engagierten Autoren aus verschiedenen Ländern vorgebracht. Das Problem sind nicht die (angeblich zu) vielen Menschen in den ärmeren Ländern, sondern die Habgier der Reichen.

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Hier ist Werner Boote …

Population Boom von Werner Boote beginnt zunächst als Film über den Diskurs der Überbevölkerung, der eben vornehmlich von den wohlhabenden Industrienationen geführt wird. Schnell wird dieser interessante Zugang jedoch fallengelassen, um dann in die scheinbar überbevölkerten Länder zu fahren, um sich die Message immer wieder bestätigen zu lassen. Dabei produziert der Film natürlich dieselben Bilder, die eben auch den Diskurs bestimmen: die übervollen Züge in Bangladesch, Straßenkreuzungen in Tokio, Handkarren in Afrika. Deutlich wird dabei, dass diesen Bildern nicht per es ihre Ideologie eingeschrieben ist, in Bootes Kontext stellen sie keine Gefahr für die westliche Welt dar, auch wenn sie ebenfalls aus sensationalisitischen Gründen aufgenommen wurden. Und Bootes Auftreten ist glücklicherweise nie das des gütigen weißen Mannes. Andererseits nervt dann auch schnell die überpräsente Musik und der ständige Inszenierungswahn dieses multi-angle-Dokumentarfilms, der seinen Regisseur als gut gelaunten Pädagogen mit Schirm zu Felde ziehen lässt. Die letzte Szene fasst das Problem des Films auch hier gut zusammen: Boote steigt auf das Dach eines dieser zum Bersten gefüllten Züge, und fährt mit seinem Kameramann zusammen mit, was durchaus nicht ungefährlich ist. Er zeigt, dass von oben, also vom Dach des Zuges, von diesem Bild keine Bedrohung mehr ausgeht, sondern der Zusammenhalt der Reisenden wahrnehmbar wird. Aber dafür hätte nicht jede zweite Einstellung die seines fröhlich lachenden Gesichts sein müssen. Dieser Drang zur Selbstinszenierung sowie das ständige Wiederholen seiner Kernthese reduzieren den Film mit seinem eigentlich interessanten Zugang zum Thema auf eine eher mäßig unterhaltsame Unterrichtsstunde.

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… und hier auch, leicht zu erkennen am Schirm. (alle Bilder ©NGF)

Population Boom
Österreich 2013
R+B: Werner Boote
P: NGF – Nikolaus Geyrhalter Filmproduktion
Verleih: mindjazz Pictures
Deutschlandstart: 27.3.2014
in Braunschweig zu sehen am 22.5. im Roten Saal

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