Polder – Tokyo Heidi

Marcus (Christoph Bach), der Chefentwickler von NEUROO-X, versucht das ultimative Spielerlebnis zu schaffen und stirbt kurz vor Erreichen seines Zieles. Zurück lässt er seine Frau Ryuko (Nina Fog) und Sohn Walter (Pascal Roelofse), die nun in den Bann seiner Erfindungen gezogen werden. NEUROO-X ist ein Computerspiel, das die Grenzen zwischen Realität und Wirklichkeit auf gefährliche Weise aufhebt und somit eine Jagd nach dem Realen und Greifbaren aufmacht.

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So spielt der Film in verschiedenen Fiktions- und Realräumen zwischen Computerwelt mit scheinbar unendlich großem Möglichkeitspotenzial und ähnlich aberwitziger (Schein-)Realität. Dabei wird der Zuschauer und die Akteure aber stets im Unwissen gelassen auf welcher Seite der Dichotomie er sich in jeder Szene befindet. Anhaltspunkt geben anscheinend nur expressionistische Färbungen der Bilder in den jeweiligen Handlungsebenen, die aber zunehmend ineinander übergehen und die klaren farblichen Grenzen zwischen den Handlungssträngen aufbrechen. Die Sicherheit über Realität und Fiktion löst sich allmählich auf, nachdem man sie mehrmals erobert glaubt um dann wieder ins Zweifeln zu geraten. Die nichtlineare Handlung gibt nur wenig Hinweise über die Tatsächlichkeiten ihrer Welt, wirft dafür aber umso mehr Unstimmigkeiten und Unerwartetes auf. Dabei bauen sich teils scheinbar realistische Szenarien auf, die dann mit einem Bruch in der Erwartungshaltung genretypische Topoi, Verrücktheiten und Fetische forciert um die Welt des Realen wieder als weit entfernter Ort erkennen zu lassen. Die Stränge wechseln so heterogen und zügig, welches der Übersichtlichkeit und dem Verständnis bewusst entgegensteht.

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Polder – Tokyo Heidi steht zwischen Hommage und Neuerschließung des Japano-Films, verbindet japanische und schweizerische Kultur und Sprache. Cyberpunk, Heidi und Virtual Reality. Es ergibt sich eine spielerische Reise durch das Japano-Fandom, utopische Virtual Reality Träume, Expressionismus. Elemente aus dem hiesigen Anime-Fandom werden in einer Doppelung einerseits für ihre Absurdität, Kreativität und Kindlichkeit sowie für seine Ernsthaftigkeit und kulturelle Prägung zelebriert und in Hommagen ästhetisch, (schau-)spielerisch und natürlich mit deutsch, japanischen O-Ton aufgegriffen. Einstellungen erhalten merkwürdige Färbungen, Charaktere stellen einen Mix aus schlechtem Cosplay und deutscher Kulturklischees her, die Referenzen spielen sich auf der Ebene der Retro-Games, Animes und natürlich Heidi ab. Damit erschafft der Film eine Mischung, die so wohl einzigartig ist mit ihrer Bindung von Japan, Schweiz, DYI-Filmemachens und trotz dessen hohen Produktionsstandards.

Am 1. Februar 2017 läuft Polder – Tokyo Heidi um 19 Uhr als Cinemathek Special im Universum Filmtheater.

Polder – Tokyo Heidi, Schweiz 2015, 90′
Regie: Samuel Schwarz, Julian M. Grünthal
Buch: Samuel Schwarz
Kamera: Quinn Evan Reimann
Darsteller: Nina Fog, Christoph Bach, Philippe Graber, Pascal Roelofse
Verleih & Bild-Rechte: Camino
Starttermin: 01.12.2016

 

 

 

 

 

 

 

 

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