Parchim International (DOK Leipzig)

Von Thomas Starte

Dürfen Dokumentationen lustig sein? Sie dürfen. In Parchim International stellen uns die beiden deutschen Filmemacher Stefan Eberlein und Manuel Fenn den chinesischen Investor Jonathan Pang vor, der eine Vision hat und seit mittlerweile 8 Jahren daran arbeitet seine Vision in die Tat umzusetzen: den ehemaligen Militär- und Provinzflughafen Parchim in Mecklenburg-Vorpommern zu einem der größten Dreh- und Angelpunkte der globalisierten Welt zu machen. „Eine Millionen Jobs, vielleicht zehn Millionen“ würden dabei entstehen, verspricht Pang zu Beginn seines Projektes. Doch bis diese Jobs entstehen, ist es noch ein ganz schönes Stück Arbeit und bei dieser dürfen wir den engagierten Geschäftsmann für einige Zeit begleiten.

Die Regisseure Fenn und Eberlein lassen ihre Bilder dabei vollkommen unkommentiert, einzig die Musik gibt gelegentlich Stimmungen vor oder unterstreicht abstruse Aussagen humoristisch. Ansonsten kommen lediglich die vielfältigen Protagonisten rund um das Projekt des Flughafens Parchim International ausführlich zu Wort und erzählen von ihren Aufgaben und Hoffnungen für das Projekt. Anfangs noch optimistisch und begeistert, aber im Laufe der 7jährigen Dreharbeiten zunehmend verzweifelt, enttäuscht, resignierend. Einzig Herr Pang und sein Berater Herr Eugen Arnstadt scheinen stets vom ausstehenden Erfolg des Projektes Parchim International Airport überzeugt zu sein.

Trotz der eingeblendeten Bilder von Fuchs und Hase, die sich auf dem Rollfeld „gute Nacht“ sagen, bleiben die Filmemacher stets respektvoll gegenüber ihren Protagonisten, die die Komik oftmals von alleine in die Situationen bringen. So erfahren wir, dass die Kanzlerin Angela Merkel angeblich den Flughafen Parchim den anderen deutschen Flughäfen vorziehe und der kleine Provinzflughafen bald nicht mehr nur Parchim Airport, sondern Parchim Airport City sein wird. Irgendwo müssen die erwarteten Arbeitskräfte und die Reisenden ja untergebracht werden. Wo also sonst, wenn nicht in den geplanten Hotels mit hunderten von Betten oder im geplanten Casino, den geplanten Business-Centern, Shops und Shopping Malls oder in all den anderen geplanten Gebäuden und Einrichtungen, von denen in den letzten sieben Jahren allerdings nur eines, der neue Flugsicherheitstower, umgesetzt werden konnte. Sollte der Ausbau weiterhin in dieser Geschwindigkeit voran gehen, könnte es allerdings noch sehr lange dauern, bis Herr Pang seinen Traum vom weltweit anerkannten und genutzten Handels- und Reiseknotenpunkt zwischen Mecklenburg-Vorpommern und der Welt vervollständigt sehen wird. Doch wie Herr Pang zum Ende des Films sagt: dies ist sein Traum und seine Lebensaufgabe. Er wird weiter daran arbeiten und sollte es noch einmal zehn, zwanzig oder sogar einhundert Jahre dauern.

Sektion: Deutscher Wettbewerb
Deutschland 2015, 93’
R: Stefan Eberlein, Manuel Fenn
Verleih: Neue Visionen
Starttermin: 19. Mai 2016

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