Paradies

In Immanuel Essers Paradies wird der Tod von Menschen zur bürokratischen Handlung.  Drei Angestellte arbeiten im Außendienst einer Firma, die das Sterben privatisiert. Als einer von Ihnen ableben soll, beginnen sie am Konzern zu zweifeln.

Moris, Krautmann und Grundt sind drei Beschäftigte der Firma DTYX, die in deren Auftrag verschieden Menschen bei ihren Tätigkeiten aufsuchen und mit einem technischen Gerät ohne Schmerzen und sehr schnell ableben lassen. Anschließend werden die toten Körper in Leichensäcke verpackt und an einen gekennzeichneten Ort gebracht, um anschließend „Wiederverwertet“ zu werden. Die drei reisen hierfür in einem Firmen-Van von Auftrag zu Auftrag. Der Vorgang ist akribisch und immer gleich, alle drei gehen unberührt ihrer Arbeit nach. Als sie die einen Präsentkorb und die Meldung einer der drei soll ebenfalls eliminiert werden bekommen, verändert sich zunächst Moris und anschließend auch Krautmann und Grundt. Sie beginnen damit eine Paketzustellerin nicht zu töten, sondern zu schauen, was ohne ihr bürokratischen Handeln geschieht. Anarchisch fangen sie an diese zu verfolgen und zu schauen, ob diese vielleicht einfach weiterlebt. So müsste auch keiner von Ihnen sterben. Ein kleiner Roadtrip beginnt, der für alle vier Personen neue Erlebnisse birgt: Im See baden, im Gras liegen und Nichtstun, sich Blumen schenken, sich gegenseitig beschützen und einen Menschen auf altmodische Art beerdigen. Doch die Paketzustellerin wird krank und stirbt letztendlich nach einem tagelangen Leidensweg von alleine. Moris, Krautmann und Grundt bleiben zurück.

Paradies zeigt seine Szenen in langen Einstellungen die Kälte und Emotionslosigkeit der Protagonist*innen. Sich hadern nach der alles verändernden Botschaft mit sich und ihrer eigenen Sterblichkeit, denn sterben, das mussten bisher nur die anderen. Die Veränderung und ein Aufbäumen gegen das System geschieht erst, als sie selbst zum Opfer dessen werden. Paradies kann so als Sinnbild für das Leben im Kapitalismus verstanden werden. Jeder gehört und unterstützt das System, bis dieses zur persönlichen Gefahr wird. Das Aufbäumen gegen dieses führt zu einer Emanzipation der Beteiligten: Leben, das geht eben auch anders. Und Sterben, das geht eben auch anders. Aber wer entscheidet darüber?

Paradies kann auf dem Internationalen Filmfest Braunschweig noch bis zum 08.11.2020 gestreamt werden.

Cast: Franziska Machens, Holger Daemgen, Johannes Kühn, Isabelle Hoepfner
Regie: Immanuel Esser
Produktion: Immanuel Esser, Philipp Künzli, Renate Mihatsch
Drehbuch: Immanuel Esser, Matthias Sahli, Angelo Wemmje
Kamera: Philipp Künzli
Schnitt: Romola Davies
Musik: Bertha Elena Artero Ponce
Ton: Holger Buff

 

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