Oscars 2013 – Die Show

Oscars 2013Das waren sie nun also: die 85. Verleihung der Academy Awards! Dem aufmerksamen Zuschauer ist vermutlich schon seit längerem aufgefallen, dass die Oscars bemüht sind, sich seinem jüngeren Publikum anzupassen. Das dies nicht immer erfolgreich gewesen ist, bewiesen die Oscars von 2011: Dort hatten die Schauspieler Anne Hathaway und James Franco die Ehre, durch den Abend zu führen. Doch was folgte, war eher desaströs. Dank Anne Hathaway wurde der Abend nicht zur reinsten Katastrophe. Aus diesem Grund ist man 2012 auf Nummer sicher gegangen: Billy Crystal führte zum bereits neunten Mal durch die Show.

oscars 2013Dieses Jahr bekam der hierzulande eher weniger bekannte Seth MacFarlane die Ehre den Abend zu moderieren. Er ist unter anderem der kreative Kopf hinter den Zeichentrickserien Family Guy und American Dad sowie dem 2012 in den Kino erschienenen Film Ted mit Mark Wahlberg. MacFarlane ist somit eher für seinen sarkastischen und derben Humor bekannt, was in den Wochen vor der Show für viele kritische Stimmen sorgte. Jedoch erwiesen sich diese, lässt man die Show revue passieren, als unbegründet. Das Allroundtalent lieferte eine äußerst solide Show ab: mit viel, aber nicht zu viel Biss sowie einer guten Mischung aus traditioneller Zeremonie und erfrischendem Auftakt.

Gleich zu Anfang haute MacFarlane so einiges an bissigen Kommentaren raus. Der eröffnende erste Satz galt direkt Griesgram Tommy Lee Jones, der dafür bekannt ist, während der Oscarshows keine Mine zu verziehen. Somit läutete MacFarlane die Show mit dem Satz “And the quest to make Tommy Lee Jones laugh begins now” ein. Und siehe da: es huschte ein kurzes Lächeln über die Lippen des Oscarpreisträgers. Und dann ging es Schlag auf Schlag. Es folgte die kritische Bemerkung gegenüber der Jury der Academy und ihrem Versäumnis, Ben Affleck bei der Nominierung für die Beste Regie zu berücksichtigen; Jean Dujardins “limited English skills” und Daniel Day-Lewis verbissenes Method Acting.

Oscars 2013

Und dann natürlich der Cameo-Auftritt von William Shatner alias James T. Kirk in voller Montur: Er zog Seth MacFarlane zur Raison, dass dieser der schlechteste Host sei und verwies auf den Einstiegssong, der bis dato den Zuschauer vor den Fernsehern unbekannt war. Es folgte ein Einspieler, wie MacFarlane einen Song namens “We saw your boobs” performte. Darin besang er alle weiblichen Schauspieler, deren Brüste man in Filmen zu sehen bekam. Ganz vorn mit dabei: Kate Winslet. MacFarlane versuchte seine Reputation durch einen tänzerischen Auftritt von Channing Tatum und Charlize Theron (übrigens mit unglaublich cooler Kurzhaarfrisur) sowie einem tänzerischen Gesangsauftritt zusammen mit Daniel Radcliffe und Joseph Gordon-Levitt zu retten.

Überhaupt stand die gesamte Show unter dem Motto “Music in Films”, was direkt zu Beginn durch die musikalischen Passagen des Moderators bewiesen wurde (der im Übrigen stimmlich durchaus überzeugen konnte). Die Musik zu der die Stars auf die Bühne kamen, war ein weltberühmter Score: E.T., Die unendliche Geschichte, Schindler’s Liste,…als Musik, die die Gewinner in ihrer Redezeit beschränkte, hat man sich ganz passend zum Score von Der weiße Hai entschieden. Düm, düm, düm, düm, düm, düm, düm, düm,…

Oscars 2013Gegen später folge ein 50-Years-of-Bond-Special, das die bekanntesten Bond-Lieder in Kombination mit spezifischen Szenen zeigte. Anschließend gab sich Shirley Bassey die Ehre und performte ihren legendären Bond-Hit Goldfinger live auf der Bühne. Mit ihren inzwischen 76 Jahren fegte sie mit ihrem immer noch beeindruckendem Stimmvolumen auch den letzten Zuschauer von seinem Platz. Jedoch waren das nicht die einzigen Performances: Auch Adele performte den aktuellen (und nun auch Oscar-prämierten) Bond-Hit Skyfall. Allerdings war ihr Mikrofon zu leise eingestellt, weshalb ihr gewaltiges Stimmvolumen im Refrain unter dem Orchester völlig unterging. Schade!

Oscars 2013Dann gab es im Zuge des derzeit so gefeierten Musicalfilm Les Misérables eine kleine Hommage an bisherige Oscar-prämierte Musicalfilme. Den Anfang machte Catherine Zeta-Jones mit einem Lied aus Chicago. Jedoch war ihr Auftritt etwas enttäuschend, da es ziemlich schnell offensichtlich war, dass sie nicht live gesungen hat. Das machte aber anschließend Oscargewinnerin Jennifer Hudson wet, indem sie aus Dreamgirls And I am telling you I’m not going performte. Und was soll man sagen außer: WOW! Ihr Auftritt war großartig und wurde zu Recht mit einer Standing Ovation belohnt. Eigentlich hätte dieser Auftritt schwer getoppt werden können, doch in meinen Augen wurde er es. Und zwar vom Cast aus Les Misérables. Anne Hathaway, Hugh Jackman, Russell Crowe, Amanda Seyfield, Eddie Redmayne sowie Helena Bonham Carter und Sacha Baron Cohen performten auf der Bühne One Day More. Gänsehaut! Da stecken wirklich verborgene Talente in manchen der Schauspielern…

Oscars 2013Die anschließenden Verkündungen der Gewinner verlief relativ unspektakulär. Anne Hathaways Oscargewinn kam nicht unerwartet, dafür aber Jennifer Lawrence Sturz die Treppen herauf. Aber: nix passiert! Und zur Not hätte Kollegin Kristen Stewart sicher eine Krücke abgegeben. Jedoch war die Bekanntgabe der Königskategorie Bester Film noch einmal ein Highlight. Denn niemand geringeres als die First Lady, Michelle Obama, wurde aus dem Weißen Haus ins Kodak Theatre geschaltet, um den Gewinner zu verkünden: Argo! In gewisser Weise ist das dennoch eine Überraschung, da in der Regel der Gewinner der Besten Regie auch ein Hinweis auf den Besten Film ist. Dennoch war es nicht ausgeschlossen, dass Argo siegen würde, bedenkt man die Reihe an Preisen, die der Film bisher einfahren konnte. Zuletzt gelang es 1990 Driving Miss Daisy den Oscar für den Besten Film, jedoch nicht für die Beste Regie zu gewinnen. Ben Afflecks Dankesrede war aber dennoch keineswegs routiniert: Mit zittriger Stimme bedankte er sich bei seiner Crew und allen, die ihm noch wichtig sind, bis seine Emotionen Überhand nahmen und seine Stimme versagte, als er seiner Frau danken wollte. Und vermutlich sprach er die nachhaltigsten Worte des Abends: “It doesn’t matter how you get knockes down in life, all that matters is that you get up!”

Oscars 2013

Hier gibt’s alle Gewinner im Überblick:

Oscars 2013 – Die Gewinner

Bester Film:  ”Argo”
Beste Regie:  Ang Lee (“Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger”)
Bester Hauptdarsteller: Daniel Day-Lewis (“Lincoln”)
Beste Hauptdarstellerin: Jennifer Lawrence (“Silver Linings”)
Bester Nebendarsteller: Christoph Waltz (“Django Unchained”)
Beste Nebendarstellerin: Anne Hathaway (“Les Misérables”)
Bester nicht englischsprachiger Film: ” Liebe”, Österreich
Bestes Originaldrehbuch: Quentin Tarantino (“Django Unchained”)
Bestes adaptiertes Drehbuch: Chris Terrio (“Argo”)
Beste Kamera: Claudio Miranda (“Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger”)
Bester Schnitt: William Goldenberg (“Argo”)
Beste Ausstattung: Rick Carter, Jim Erickson (“Lincoln”)
Bestes Kostüm: Jacqueline Durran (“Anna Karenina”)
Bestes Makeup und Hair-Styling:  Lisa Westcott, Julie Dartnell (“Les Misérables”)
Beste Filmmusik: Mychael Danna (“Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger”)
Bester Filmsong:  “Skyfall” (“Skyfall”, gesungen von Adele)
Bester Ton: Andy Nelson, Mark Paterson, Simon Hayes (“Les Misérables”)
Bester Tonschnitt:  Per Hallberg, Karen Baker Landers (“Skyfall”) und Paul N.J. Ottosson (“Zero Dark Thirty”)
Beste Visual Effects: Bill Westenhofer, Guillaume Rocheron, Erik-Jan De Boer, Donald R. Elliott (“Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger”)
Bester Animationsfilm: “Merida – Legende der Highlands”
Beste Dokumentarfilm: “Searching for Sugar Man”
Bester kurzer Dokumentarfilm: “Inocente”
Bester animierter Kurzfilm: “Paperman”
Bester Kurzfilm: “Curfew”

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