North v South

Auf diesen Film hatte ich mich gefreut. Zum einen, weil ich Darstellerin Freema Agyman (Doctor Who) gerne mag und zum anderen, weil die Moderation einen Action-geladenen Film versprach. Es wäre ein stylischer und brutaler Bandenkrieg. Doch dann folgten knapp 100 Minuten Wischiwaschi mit wenig Spannung und so kitschigen Liebesszenen, dass ich dachte ich würde in einem Rosamunde Pilcher Film sitzen. Die Charaktere wirken blass und lieblos inszeniert und sind die typischen Banden Klischee-Figuren. Da wäre der alte aufbrausende Patriarch, der Machtspielchen liebt und das Geschäft mit allen Mitteln aufrechterhalten will. Dann der Arschloch-Typ, der alles durch seine Brutalität immer noch schlimmer macht. Dazu noch die treuen Handlanger. Diejenigen für die Drecksarbeit und ohne eigene Meinung. Dann gibt es noch die sexy Gangster-Braut, zuständig für die Kampfszenen. Am Ende fehlen natürlich noch die unschuldigen Schönlinge, die eigentlich raus aus der Kriminalität wollen. Sie sind die Helden der Geschichte. Sie alle sind den ganzen Film über nur am Schimpfen, machen aber kaum etwas, was die Handlung des Films weiterbringt. Aber am schlimmsten ist das Liebespaar. north-v-south-(13)-1444820583Das Mädchen (eine Frau soll das sicher nicht darstellen) ist die ganze Zeit nur am Heulen und soll dabei süß aussehen und er, ja er eigentlich auch. Er steht im Regen, in Zeitlupe tropft das Wasser von seinem Gesicht. Sie hockt am Fenster und schwärmt von einer gemeinsamen Zukunft, voller Angst zittert sie. Und natürlich friert sie auch, wenn sie draußen ist. Bis er ihr seine Jacke überzieht. Damit wir Zuschauer wissen, wie sehr er sie doch liebt. Leider sind auch die Verfolgungsjagden und Schießereien nicht besser inszeniert. Der Auftragskiller (und warum auch immer Transvestit) hat zwar seinen eigenen Mini-Helikopter in der Garage stehen, nimmt aber auf die Verfolgungsjagd dann nur ein Magazin mit. Spannung wird in diesem Film eben nur angedeutet. Blutig wird es auch nicht. Die Anfangsszene ist dabei noch das Beste am Film. Während sich die beiden befeindeten Gangs unter einem Restaurant treffen, kommt es zu einem Mord. Ein kleines Mädchen muss mit ansehen, wie ihr Vater von einem der Gangmitglieder die Kehle durchgeschnitten bekommt. Sie versteckt sich ausgerechnet unter dem Tisch, wo das Meeting stattfindet. Während die Gangsterbosse Vic Clarke (Steven Berkoff) und John Claridge (Bernard Hill) und ihre Untergeben sich gegenüber sitzen und recht höflich miteinander verhandeln, sehen wir durch die Augen des verängstigten Mädchens, wie unter dem Tisch jeder seine Waffe gezückt hat und jederzeit bereit wäre, den gegenüber zu erschießen. Das Mädchen wird schließlich von der einen Gang (mehr oder weniger die „Guten“ in der Geschichte) aufgenommen und halbherzig zur „Killerin“ ausgebildet. Im Film wirkt es so, als wäre sie nach ein paar Stunden schon Waffen-Profi. Ihre Geschichte wurde leider auch nur lose ins Gesamtgeschehen reingezwängt. Letztendlich soll sie nur für ein paar Lacher sorgen, wenn sie ausversesehen jemanden erschießt. Der Film klaut sich einfach aus allem was zusammen, ohne die Handlungsstränge dabei vernünftig auszuführen. Hier ein bisschen was von Romeo und Julia, da was von Léon – Der Profi und dann noch ein bisschen Der Pate. Aber trotz dieser genialen Vorbilder, ist dabei leider nur ein kurzweiliger und alberner Film entstanden.north vs south

UK 2015
Regie: Steven Nesbit
Mit: Freema Agyeman, Judith Alexander, Keith Allen

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