“Nebeneffekte” von Soderbergh.

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Rooney Mara, Jude Law und Catherine Zeta-Jones führen uns in einem durchaus spannenden Thriller von Steven Soderbergh durch die Nebeneffekte von Psychopharmaka, illegalem Börsenhandel, Macht- und Karrierebesessenheit in der Welt der Reichen und Schönen. Gesellschaftspolitisch befinden wir uns in den USA, der Film endet auch hier, leider wie so oft Hollywood-versöhnlich, doch der inszenierte Spannungsbogen führt uns sehr gekonnt, von einer schmackhaften Kameraarbeit begleitet, dort hin.

Die junge Emily Taylor (Rooney Mara) ist mit dem ehemals reichen Börsenspekulanten Martin (Chang Tatum) glücklich verheiratet. Während er wegen Insiderhandels für vier Jahre im Gefängnis sitzt, führt Emily ein normales Leben und ist erwerbstätig. Zur Entlassung von Martin verschlimmert sich ihre Lage: Zurückliegende Depressionen treten auf. Martins stereotypes Verhalten scheint der Grund dafür zu sein. Er verspricht, dass alles normal wird und Emily nicht wieder arbeiten muss, wenn er es durch Beziehungen wieder nach oben geschafft hat.

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Achtung: Spoilerwarnung!

Emily zeigt, besonders eindrücklich gespielt, alle Symptome einer Depressiven, die sich, trotz der Behandlung mit Psychopharmaka durch Dr. Jonathan Banks (Jude Law), nach ihrem Selbstmordversuch noch verschlimmern. Das vielversprechende Mittel Ablixa, wird zum Gegenstand der Hoffnung, aber es steht auch im Verdacht das gewagte Experiment eines Phramakonzerns zu sein. Nach der Absprache mit der ähnlich erfolgsbesessenen Berufskollegin Victoria (Zeta-Jones), setzt Banks es, wie andere Mittel, die er für Geld- und Studienzwecke nutzt, ein. Soderbergh stellt nun das US-amerikanische Portrait des prekären Kreislaufs zwischen Patienten-Therapeut-Pillen- und Pharmakonzern als Feindbild auf. Dies wurde auch für die Berlinale 2013 angekündigt „[…] nun untersucht er in einem Psychothriller die Machenschaften von Pharmakonzernen.“ Dies lässt sich nicht aufrechterhalten, denn komischerweise wechselt das Motiv wieder, nachdem Emily Martin beim Schlafwandeln ersticht.

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Banks Karriere fällt dem Medienrummel zu Opfer, der das Mittel Ablixa als Skandal verarbeitet. Banks versucht alles um sein Gesicht zu wahren, mit einem Kniefall bittet er Emily, um den für alle vielversprech-endsten Lösungsweg: Anstatt als Mörderin ins Gefängnis zu gehen, empfiehlt er ihr die Einweisung in eine psychiatrischen Anstalt.

Ab hier verlässt Soderbergh den kritischen Pfad und führt fort, wie es die Berliner Morgenpost kommentiert: „Die unwahrscheinlichste Lösung ist die richtige.“ Es kommt zur Aufschlüsselung der geldgierigen Intentionen von Emily und Victoria, sodass Banks zum bemitleidenden Opfer wird. Die Einsicht warum Emily so ist wie sie ist, ist der Schlüssel zum Film, doch leider zerstört dieser gewisse Umstand, ähnlich wie in „Fight Club“ oder „Beautiful Mind“, die Möglichkeit einer spannenden Revision.

Trotzdem kann einen die komplizierte Abwicklung oder die vielen guten Kameraeinstellungen begeistern, die besonders die Machtverhältnisse unter den Darstellern betonen. Anlasten muss man dem Film dennoch, die verheerende Dekonstruktion der anfänglich emanzipierten Frauendarstellung hin zum böswilligen Lesbenpärchen, das teuflische Pläne schmiedet, um dem armen erfolgreichen und gar nicht mehr bösen Banks das Leben zur Hölle zu machen. Ein offenes Ende könnte die Erinnerung an „Side Effects“ nachdrücklicher verankern. Aber, wie erwähnt, die unwahrscheinlichste Lösung endet trotzdem immer in Hollywood. Die Kritik am Phramakreislauf ist an diesem Punkt schon längst vergessen.

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  • Hauptdarsteller: Jude Law, Rooney Mara,
    Catherine Zeta-Jones, Channing Tatum
  • Regie: Steven Soderbergh
  • Drehbuch: Scott Z. Burns
  • Produzenten: Lorenzo di Bonaventura, Gregory Jacobs, Scott Z. Burns
  • Filmmusik: Thomas Newman

Filmstart (D): 25. April 2013, Senator Filmverleih.

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